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Trumps Tower

13. Oktober 2016

Es ist üblicherweise nicht meine Art, mich in die Angelegenheiten Anderer einzumischen. Genauso wenig, wie ich möchte, dass Mitglieder anderer Nationen uns Ratschläge geben, wie wir unsere Politiker wählen und wen aus ihnen heraus wir in Regierungsverantwortung schicken, finde ich es statthaft, anderen zu sagen, was sie tun sollen.

Und so hatte ich niemals öffentlich kommentiert, wenn z. B. die US-Amerikaner ihren Präsidenten gewählt haben. Nicht, als Bill „I had no sexual relation to that woman“ Clinton sich im Oral Office verwöhnen ließ, noch als Texas-Cowboy George „mission accomplished“ Bush meinte, er müsste die Welt ein zweites Mal beglücken.

Das hier ist aber etwas anderes! Man mag politisch ausgerichtet sein, wie man will, und daher anhand seiner politischen Überzeugung dem einen Kandidaten den Vorzug geben, dem Anderen die Folgschaft verweigern. Und als guter Demokrat dann auch hinnehmen, dass der politische Gegner gewinnt. Hier kann ich das nicht, auch wenn erstens mich das direkt nichts angeht und ich daher auch zweitens nichts beeinflussen kann. Das allerdings darf nicht heißen, dass ich mich nicht im Rahmen meiner Möglichkeiten einmische!

Was die Welt in den letzten Wochen hinnehmen muss, ist keine politische Auseinandersetzung mehr! Das ist nur noch niveaulosestes, erbärmlichstes Schmeißen mit Fäkalien. Niemand in Hollywood käme ernsthaft auf die Idee, so etwas filmisch umzusetzen. Ich verstehe nicht, warum Hillary Clinton das mitmacht – wenn Trump Tabus brechen darf, darf sie es auch! Z. B. indem sie auf die TV-Auftritte mit ihm verzichtet. Das wäre dem Gegner angemessen.

Wie gesagt: Eigentlich ist das Sache der Amerikaner: Jedes Volk hat die Führung, die es verdient. Und sollte Trump wirklich Präsident werden, sagt das verdammt viel über die amerikanische Bevölkerung aus. Spätestens dann sollten sich die restlichen Staaten auf dieser Welt überlegen, wie ein weiteres Zusammenleben mit einer derartig „zivilisierten“ Gesellschaft erfolgen kann.

Denn der amerikanische Präsident ist nicht vergleichbar mit den Präsidenten und/oder Premierministern/Kanzlern anderer Staaten. Von denen würde ich ähnliches zwar auch nicht gut heißen – die Franzosen und Italiener scheinen da etwas gefährdet zu sein. Aber ich würde das nicht öffentlich kommentieren. Dass ich es hier tue, erfolgt aus zwei Gründen.

Erstens: Amerika fühlt sich als Weltmacht und als weltweites Vorbild. Wenn Obama auch, anders als andere vor ihm, nicht viel davon hielt, Polizei der Welt zu spielen, besitzt dieses Land trotzdem auch unter ihm so viel Sendungsbewusstsein, dass es immer noch glaubt, seine Werte und Lebensweise über die Welt verbreiten zu müssen. Von einem Land, das einen solchen Anspruch erhebt, erwarte ich vorbildliches Verhalten vor allem derer, die es repräsentieren – ganz vorne vom Präsidenten. Trump hat sich in dieser Hinsicht Millionen Lichtjahre ins Aus geschossen. Einen Präsidenten Donald Trump kann der Rest der Welt wohl nicht mehr ernst nehmen.

Zweitens: Amerika hat es, zusammen mit Russland, in der Hand, diesen Planeten unbewohnbar zu machen! Vor kurzem lief erneut der grandiose Thriller „Thirteen days“ im Fernsehen – eine Verfilmung dessen, was 1962 passierte und als „Kuba-Krise“ in die Annalen einging. Wenn auch wohl manches dramaturgisch übertrieben worden ist, so lässt sich dennoch nachvollziehen, wie nah am Abgrund die Welt damals stand. Und auch wenn der Film John F. Kennedy und seinen Bruder Bobby geradezu übertrieben verherrlicht in ihrer Weisheit, Standfestigkeit und Überzeugung, so lässt sich nachträglich feststellen, dass es diese beiden Männer waren, die die Welt vor Krieg Nummer 3 verschont haben. Und zwar gegen die Kriegstreiber in den eigenen Reihen und gegen den Willen des Militärs. Daher muss die Welt einen Präsidenten Donald Trump ernst nehmen!

Und mit diesem Wissen läuft es mir antarktisch kalt den Rücken herunter, wenn ich nur daran denke, was passiert wäre, wäre Donald Trump, das sexistische, rassistische, primitive und vulgäre HB-Männchen  damals…

Narzisst Trump gegen Narzisst Putin – da möchte man sich doch gerne mit den Chinesen verbünden!

Was ich nicht verstehe, ist, dass es überhaupt einen US-Amerikaner geben kann, der Trump als Präsidenten haben möchte. Aus welchen Gründen? Ist er die Verkörperung des „Amerikan dreams“?  Er hat den Charme eines Klaus Kinski, das Benehmen eines Klaus Kinski, die Intelligenz eines Klaus Kinski und das Vokabular eines Klaus Kinski – kurz: nicht unbedingt ein vorzeigbarer Mensch!

Wer meint, über dem Gesetz zu stehen, indem er öffentlich gesteht, Steuern in dreistelliger Millionenhöhe hinterzogen zu haben und sich damit brüstet und dafür auch noch besonders intelligent hält; wer meint, er könne Frauen ungestraft in den Schritt fassen, weil er ein „Star“ ist – bei der Gelegenheit: Trump ein Star? Woher hat der das denn? Bis zu seiner Nominierung hat ihn doch kaum jemand gekannt; und wenn, dann lediglich als Immobilienmakler mit dem Geld seines Vaters. Ist man damit gleich ein „Star“?

Wer also so narzisstisch und egoman ist wie Trump – darf der Führer einer Nation werden, die uns alle auslöschen kann? Vielleicht ist es Zeit für ein Amendment zur amerikanischen Verfassung, das regelt, welche menschlichen Qualitäten von einem Präsidenten verlangt werden müssen…

Ich glaube nicht, dass Trump Präsident wird. Aber als gelernter Wissenschaftler habe ich das, was man „Methodischen Zweifel“ nennt – die Bereitschaft, seine eigene Überzeugung in Frage zu stellen. Und da ich nicht ausschließen kann, dass meine lieben amerikanischen Welt-Mitbürger manchmal vollkommen irrational handeln, muss ich damit rechnen.

Und wenn das der Fall sein sollte, zeigt sich, dass Geschichte sich wiederholt: Das römische Reich ging aus ganz ähnlichen Gründen unter. Einen Unterschied gibt es allerdings: Bei den Römern erfolgte das mit Stil. Bei Trump dagegen dreht sich alles nur um seinen „Tower“…

Vielleicht ist ja das sein Problem! Trumps Tower ist zwar hoch, aber andere sind deutlich höher 😉 Und das scheint er nur zu verkraften, indem er ist, wie er ist: ein Getriebener der eigenen Minderwertigkeitskomplexe. Es gibt den Spruch: „Ich habe keine Minderwertigkeitskomplexe, ich bin minderwertig“. Wenn diese Aussage auf einen Menschen passt, dann auf ihn!

Und das, exakt das macht ihn gefährlich. Solange er keinen Zugang zum Roten Knopf hat, lässt mich das kalt. Und wenn er den bekommen sollte, hoffe ich inständig, dass der amerikanische Präsident nicht so mächtig ist, wie immer betont wird. Und dass zwischen Trumps verkorkstem Ego und einem Atomkrieg noch ein paar Stellen existieren, die nötigenfalls den Gehorsam verweigern und Leitungen kappen.

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3 Kommentare

  • Reply Günther Gerloff 23. Oktober 2016 at 19:47

    Die Hoffnung, dass eine, wenn auch geringe Mehrheit unserer us-amerikanischen Mit-Welt-Bevölkerung, soviel Abwägung zwischen den verschiedenen politischen Übeln vornimmt, dass das vermeintliche kleinere Übel obsiegt, will mich nicht gänzlich verlassen. Dass ein TRUMP letztendlich in Siegerpose – dann als mediales Gewissen mit eigenem TV, aufwarten wird, und sich bereits jetzt zukünftige hohe Einschaltquoten sichert, gehört zu den misslichen Realitäten, die man zur Kenntnis nehmen muss. Passiert bei uns täglich im einschlägigem „Blödfernsehen“. „Wertvolle“, weil wertige Sendungen, werden selbst im „Öffentlich-Rechtlichen“ zu Sendezeiten gebracht, die eher dem regenerativem Schlaf oder anderen wohltuenden Beschäftigungen dienlich sein sollten.
    Was mich zutiefst beunruhigt ist die Tatsache, dass die Welt sich zunehmend den Demagogen öffnet, günstigstenfalls über Menschenrechte und Menschenwürde gebabelt wird, solange man in seinem Umfeld alles so beläßt wie es war und ist, sich über modernen „Ablasshandel“ (Spenden etc.) die Probleme vom Hals hält und das Gefühl hat, Gutes getan zu haben.
    Das Werteverständnis – wer Rechte hat, hat auch zugleich Pflichten, gerät nach meinem Empfinden zunehmend in den Hintergrund. Eine Wertediskussion zu „Menschenpflichten“ analog des medialen Engagements zu „Menschenrechten“ wäre als Gegenpol zu sich entwickelnden „Egoismen“ sehr hilfreich. Leider ist der Kreis derer, die diese Position teilen, positiv formuliert sehr überschaubar und ich bin froh, einige derer in meinen Umfeld zu haben.
    Im dialektischem Verständnis könnte man annehmen, dass es einer Zuspitzung der weltweit vorhandenen Widersprüche bedarf, um zu einem sehr hohen Preis eine Lösung herbeizuführen. Wieviel „Hochkulturen“ hat die Menschheit schon geopfert, aus reinen Egoismen, Machtstreben, Arroganz, Ignoranz, Angst vor Veränderungen etc. Meinem bescheidenem Geschichtswissen ist kein Fall bekannt, bei dem die Erfüllung der Menschepflichten zu einer gesellschaftlichen „Bedrohung“ geworden ist.
    Wenn an TRUMP etwas Gutes ist, dann die Tatsache, dass teilweise noch bewußter über solche Prozesse nachgedenkt wird, man mit Familie, Freunde, Kollegen und anderen Mitmenschen bewusster darüber redet. Gern hätte ich mehr davon.
    So betrachtet – Danke Trutz, für diesen und die anderen Beiträge in deinem Blog.
    In freundschaftlicher Verbundenheit – Günther.

    • Reply Trutz Podschun 23. Oktober 2016 at 22:33

      Ich unterschreibe jeden Deiner Punkte. Vor allem den Hinweis darauf, dass es bitter nötig wird, über die „Menschenpflichten“ zu reden, den ich gerne noch doppelt unterstreichen würde. Und ich meine, dass Europa gut daran täte, endlich einmal dieses mittelalterliche Kleinkleindenken abzulegen. Wenn wir uns nicht weiterhin als Vasallen und Ausführungsgehilfen der USA verstehen und die Trumps In Serie genießen wollen, müssen wir lernen, dem Vormachtsanspruch der US-Amerikaner etwas entgegenzusetzen. Das kann kein Großbritannien, egal, wie groß es in Zukunft noch bleibt (Schottland und Nordirland wackeln heftig, und auch von den Wallisern hört man Interessantes), keine Grande Nation Frankreich, kein großartiges Italien und kein stolzes Spanien. Und wir Deutschen wollen (zu Recht!) nicht. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als Europa 2.0 zu erschaffen. Aber dieses Mal richtig, mit einer übergeordneten Regierung nach Vorbild unserer Bundesregierung mit ihren Landesregierungen, und ohne die dämliche Einstimmigkeit, die zu nichts als Stillstand führt. Wer nicht mitmachen will, muss ja nicht!

  • Reply Günther Gerloff 28. Oktober 2016 at 10:09

    Humor ist wenn man trotzdem lacht.

    Schau mal da rein.

    #subwaydoodle #subway #doodle #swd #nyc #thatkindofguy #weakdonald #trump @realdonaldtrump @trevornoah @thedailyshow

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