Gesundheit

Becel: Was ist Cholesterin?

15. August 2014
Margarine

Was ist Cholesterin?

Als jemand, der Ahnung von der Materie hat, ärgert mich immer wieder, mit welcher Chuzpe wir Verbraucher belogen werden. Im Rahmen der Recherche für ein Buch stieß ich auf folgende Website (becel.de/proactiv/was-ist-cholesterin/default.aspx?).

becel_website

Da der Screenshot schlecht lesbar ist, zitiere ich die betreffenden Passagen im Folgenden wörtlich. Sie beginnen mit folgender Information (entnommen: 14.08.2014):

»Was ist Cholesterin?
Cholesterin ist eine fetthaltige Substanz, die von Natur aus im Körper vorkommt und eine wichtige Rolle beim Aufbau aller Zellen spielt. Zuviel Cholesterin im Blut kann jedoch auch das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen

Cholesterin wird im Körper durch bestimmte Proteine transportiert. Die Kombination aus Cholesterin und einem solchen Protein nennt man auch Lipoprotein. Es gibt zwei Hauptarten von Cholesterin: HDL und LDL.

  • HDL („high-density lipoprotein“, also Lipoprotein hoher Dichte) ist gut für die Herzgesundheit: Es transportiert Cholesterin von den Körperzellen zur Leber, wo es abgebaut wird.
  •  LDL („low-density lipoprotein“, also Lipoprotein geringer Dichte) ist schlecht für die Herzgesundheit: Es transportiert Cholesterin von der Leber in die Zellen und das Gewebe des Körpers. Wenn zu viel LDL oder „schlechtes“ Cholesterin im Körper ist, kann es sich in Zellen und Arterien ablagern.

Cholesterin und Herz
Einer der Hauptgründe für einen überhöhten Cholesterinspiegel ist der Verzehr von zu viel gesättigten Fettsäuren. Fett (in Form von LDL) lagert sich in den Arterien ab und sorgt für Verengungen. Dies wiederum belastet das Herz und erschwert es ihm, Blut durch den Körper zu pumpen. So steigt das Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße: die Todesursache Nr. 1 weltweit. Die gute Nachricht: Schon kleine Umstellungen in der Ernährung und der Lebensweise reichen häufig aus, um den Cholesterinspiegel auf einem gesunden Maß zu halten oder ihn wieder zu senken, falls er bereits überhöht sein sollte.«

Die meisten Menschen werden sich nun fragen: Was ist daran falsch? Stimmt da etwas nicht? Antwort: Nicht nur etwas: 8 dicke, fette Lügen in 22 Zeilen mit 227 Worten, verpackt in Halb- und Pseudoinformation und buzz words (Schlagworte), ohne offenbar die Hintergründe auch nur andeutungsweise verstanden zu haben! Dazu noch eine für Eingeweihte deutlich sichtbare Inkompetenz, wenig erkennbare Mühe, den Verbraucher zumindest richtig, wenn schon nicht objektiv zu informieren, lustloses Dahinrotzen von Werbebotschaften und eine Marketingabteilung, deren Niveau ich einem Global Player wie Unilever niemals zugetraut hätte.

Das drückt sich auch in verschiedenen „Kleinigkeiten“ aus. Beispielsweise bereits im ersten Satz:

»Cholesterin ist eine fetthaltige Substanz, die von Natur aus im Körper vorkommt und eine wichtige Rolle beim Aufbaualler Zellen spielt. Zuviel Cholesterin im Blut kann jedoch auch das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen

Fleisch kann fetthaltig sein! Fisch auch. Und sogar Pflanzen. Von mir aus auch Cremes. Lippenstifte. Malfarben. Oder rückfettende Duschgels. Ich auf jeden Fall. Aber keine „Substanz“, wie es Cholesterin als chemische Verbindung, als „Stoff“ ist! Cholesterin ist kein Gemisch, das etwas enthalten könnte. Wie die Schönheitscreme, die Fett enthält. Oder auch nicht. Also kann Cholesterin „fettartig“ sein, und ist es auch, da es fettähnliche Eigenschaften aufweist. Aber fetthaltig kann es nicht sein.

Das ist für sich betrachtet noch kein so großes Problem, dass es mich so ärgerlich machen würde, wie ich bin. Aber es drückt immerhin entweder Inkompetenz aus, weil der Autor offenbar den Unterschied zwischen fetthaltig und fettartig nicht kennt, oder Desinteresse am korrekten Informieren, da ihm der Fehler nicht aufgefallen ist oder gleichgültig war. Trotzdem könnte man es stirnrunzelnd und seufzend dabei belassen, gäbe es nicht noch mehr.

Denn es kommt noch richtig schlimm. Es zeigt, was das für Typen sein müssen, die diesen Text zusammengebastelt haben. Offenbar haben sie keinerlei Ahnung von dem, worüber sie schreiben. Das Ärgerliche dabei: Es soll sich um Information für Verbraucher handeln. Im Rahmen von Gesundheit. Und dem Produkt, das da beworben wird. Was bedeutet, dass Unilever sich insgesamt an der Qualität dieser Information messen lassen muss.

Formulierungen wie diese würde ich noch nicht einmal Schülern in der Mittelstufe durchgehen lassen, die auch nur zwei Wochen Chemieunterricht genossen haben. Und daher einem Weltkonzern wie Unilever schon gleich gar nicht. Mich hat dieser „Lapsus“ (ist es einer?) so aufgeschreckt, dass ich den folgenden Text besonders aufmerksam durchgelesen habe. Und so auf die Lügen gestoßen bin.

Und, liebe Werbeleute von Unilever, auch wenn heutzutage Fehler in Emails und SMS einen anderen Stellenwert haben als früher in Briefen: Habt Ihr zu wenig Geld, die Texte, die Ihr ins Netz stellt, von ein paar Leuten Korrektur lesen zu lassen? Es passt einfach nicht zu einem Weltunternehmen, wenn bereits in der zweiten Zeile in seinem Aushängeschild ein Druckfehler unentdeckt geblieben ist: „Aufbaualler“…

»Cholesterin ist eine fetthaltige Substanz, die von Natur aus im Körper vorkommt und eine wichtige Rolle beim Aufbaualler Zellen spielt. Zuviel Cholesterin im Blut kann jedoch auch das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen.«

Gleich der nächste Satz enthält eine Behauptung, die erstens falsch und zweitens unbewiesen ist. Falsch ist, dass Cholesterin „im Blut“ sein kann. Cholesterin ist ein Lipoid, eine fettähnliche Substanz, und damit in Wasser nicht löslich! Es kann daher gar nicht im Blut sein! Und unbewiesen ist, dass Cholesterin, wie und wo auch immer, das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen erhöht. Wäre Unilever ein Pharmaunternehmen, müsste es diese Behauptung anhand von klinischen Studien beweisen, vor allem, wenn Becel da positiv wirken soll. Da es aber keines ist, muss es das nicht und so kann die Behauptung so einmal im Raum stehen bleiben und beim Leser die entsprechende Wirkung entfalten.

Doch nun zu den Lügen. Denn »Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der oder die Empfänger sie trotzdem glauben[1] oder auch „die (auch nonverbale) Kommunikation einer subjektiven Unwahrheit mit dem Ziel, im Gegenüber einen falschen Eindruck hervorzurufen oder aufrecht zu erhalten [sic].“« (de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCge).

Lüge 1

»Cholesterin wird im Körper durch bestimmte Proteine transportiert. Die Kombination aus Cholesterin und einem solchen Protein nennt man auch Lipoprotein. Es gibt zwei Hauptarten von Cholesterin: HDL und LDL.

  •  LDL („low-density lipoprotein“, also Lipoprotein geringer Dichte) ist schlecht für die Herzgesundheit: Es transportiert Cholesterin von der Leber in die Zellen und das Gewebe des Körpers. Wenn zu viel LDL oder„schlechtes“ Cholesterin im Körper ist, kann es sich in Zellen und Arterien ablagern.«

HDL und LDL sind high-density lipoprotein und low-density lipoprotein und damit Lipoproteine, nicht zwei Hauptarten von Cholesterin. Es sind auch nicht Kombinationen von „einem solchen Protein“ und Cholesterin. Was ist denn unter Kombination zu verstehen? Das Gleiche wie in einem „Kombinationspräparat“, das zwei oder mehrere unterschiedliche Wirkstoffe enthält? Und Cholesterin wird auch nicht durch bestimmte Proteine transportiert.

Der für den Text Verantwortliche hätte nur einmal Wikipedia aufrufen müssen. Da steht gleich zu Beginn des Artikels (de.wikipedia.org/wiki/Lipoproteine):

»Lipoproteine (genauer: Plasma-Lipoprotein-Partikel) sind nicht-kovalente Aggregate (Proteide) aus Lipiden und Proteinen, die mizellenähnliche Partikel mit einem unpolaren Kern aus Cholesterinestern und Triglyceriden sowie einer zur wässrigen Phase hin gerichteten Hülle mit polaren, hydrophilen Anteilen bilden, bestehend aus Protein, Phospholipiden und den Hydroxygruppen unveresterten Cholesterins.«

Zwischen einem Protein, wie in Unilevers Text, und einem Proteid besteht also ein Riesenunterschied, den Wikipedia in dem Zitat auch gleich erklärt. Vielleicht hat der Autor ja nachgeschaut. Und vermutlich nichts davon verstanden. Und ist dann bei den „Proteiden“ hängen geblieben, die er als „Proteine“ gelesen hat, weil er erstere nicht kennt und von letzteren zumindest einmal gehört hat.

Unilever spricht hier also von Birnen (HDL), Zitronen (LDL) und Bananen (Protein) als Äpfeln (Cholesterin) und meint Obstsalat (Lipoprotein, Proteid). Lipoproteine sind, wie Wikipedia richtig beschreibt, hoch komplexe, zellartige Körper, die, ähnlich zu Körperzellen, eine Membran aus Apolipoprotein, einem Protein, Phospholipiden, also fett(säure)ähnlichen Verbindungen, die in dieser Membran die gleiche Funktion wie in Zellen haben, und Cholesterin, das hier nicht die Funktion einer auszuliefernden Fracht hat sondern lediglich diese zarte Membran stabilisieren soll – etwas, das es in den Membranen von natürlichen Zellen auch tut.

Diese Membran umschließt nun den eigentlichen „Frachtraum“ des Partikels, um dessen hydrophoben, also wasserabweisenden Inhalt wasserlöslich zu machen: Die äußere Seite der Membran sorgt für die Wasserlöslichkeit. Und im Frachtraum sind nun, weil hier alles aufgrund des fettartigen Charakters hydrophob ist, die fettartigen Verbindungen untergebracht, die wegen ihrer Wasserscheu nicht einfach wie Kohlenhydrate in den Blutkreislauf abgegeben sondern auf diese Weise verpackt transportiert werden müssen: Fettsäuren in Form von Fetten, Cholesterin und Cholesterinester. Das Apolipoprotein übrigens, hier tatsächlich ein Protein, dient als Andockstelle für spezifische Rezeptoren auf den Zellen, die diese Partikel so aus dem Blutstrom angeln und inkorporieren können. (Und hier liegt auch das bzw. ein Problem der LDLs. Wir werden es gleich sehen!)

Damit gibt es höchstens „gute“ und „böse“ Lipoproteine, nicht aber gutes und „schlechtes“ Cholesterin: Ein Fahrgast ist (nicht handelt!) auch nicht immer dann schlecht, wenn er böse, benzinverbrauchende Verkehrsmittel benutzt, und immer dann gut, wenn er brav mit durch erneuerbare Energien angetriebenen Schienenfahrzeugen fährt. Das wäre billig, so billig wie die Werbung von Unilever: Er ist und bleibt Fahrgast!

Diese Lipoproteine müssen Sie also als Shuttles verstehen, die den Transport nicht im Blut löslicher Verbindungen zwischen Darm (Aufnahme), Leber (Abbau/Umwandlung/Neusynthese) und dem Gewebe (Ziel) und auch die Müllabfuhr nicht im Blut löslichen Abfalls der Gewebe in die Recyclinganlage Leber sicherstellen. Wer also von bösen Lipoproteinen spricht, outet sich als Trottel, denn er hat nichts kapiert! Gäb es sie nicht, diese bösen LDLs, gäbe es uns nicht. So einfach ist das!

Neben der Lüge erkennt man bei den Unilever-Verantwortlichen noch ein absolutes Unverständnis in der Sache: Sowohl die HDLs als auch die LDLs werden von der Leber hergestellt. Die LDLs als Transporter zur Zelle, die HDLs, genauer deren Vorstufe Apolipoprotein A1, aus dem dann vor Ort mit nicht benötigten Fettsäuren/Fetten, Phospholipiden und Cholesterin das HDL gebildet wird, als Transporter von der Zelle. Das bedeutet, dass auch die HDLs Cholesterin enthalten müssen, zumindest so viel, wie sie für die Stabilisierung ihrer Strukturen benötigen. Wenn sie nun darüber hinaus weiteres Cholesterin enthalten, ist es das, was die Zellen aus den LDLs nicht verwendet haben und das zur Wiederverwendung in die Leber zurückgebracht werden soll. Warum also ist ausgerechnet dieses von den LDLs transportierte Cholesterin „schlecht“?

Dieser Mechanismus über LDL und HDL vereinfacht dem Körper, genauer: der Leber ihre Arbeit. Anders als wir, die wir beim Pizza-Service anrufen und »eine Neapolitana, eine Quadrostagioni und eine Calzone … und einen Chianti, bitte…« bestellen und geliefert bekommen können, kann die Leber nicht die Wünsche jeder einzelnen Körperzelle erkennen und darauf reagieren. Was sie also tut, ist, einen „standardisierten Warenkorb“ (LDL) mit der Art und Menge an fettartigen Verbindungen auf die Reise zu schicken, der die Bedürfnisse der meisten Zellen deckt. Die Zellen nun entnehmen sich daraus, was sie brauchen, und schicken den Rest (via HDL) zurück. Was ist an diesem Mechanismus „schlecht“ oder „böse“? Oder an den Komponenten?

Lüge 2

»Cholesterin wird im Körper durch bestimmte Proteine transportiert. Die Kombination aus Cholesterin und einem solchen Protein nennt man auch Lipoprotein. Es gibt zwei Hauptarten von Cholesterin: HDL und LDL.

  • HDL („high-density lipoprotein“, also Lipoprotein hoher Dichte) ist gut für die Herzgesundheit: Es transportiert Cholesterin von den Körperzellen zur Leber, wo es abgebaut wird.
  •  LDL („low-density lipoprotein“, also Lipoprotein geringer Dichte) ist schlecht für die Herzgesundheit:Es transportiert Cholesterin von der Leber in die Zellen und das Gewebe des Körpers. Wenn zu viel LDL oder „schlechtes“ Cholesterin im Körper ist, kann es sich in Zellen und Arterien ablagern.«

HDL ist nicht gut für die Herzgesundheit und auch nicht schlecht, da HDL in keinster Weise für die Gesundheit des Herzens zuständig ist oder in sie eingreift. Es ist ein Shuttle und damit ein Transportmechanismus, der nur insofern mit dem Herzen etwas zu tun hat, als dieses als „normales“ Muskelgewebe natürlich auch in den Genuss der transportierten Fracht und der Entsorgung von Abfall kommt. Eine Erhöhung der Konzentration an HDL, z.B. durch die Zuführung von exogenen, also körperfremden HDLs, und damit noch günstigere Einflüsse auf die „Gesundheit des Herzens“ führt mangels eines Wirkmechanismus nicht zum Ziel!

Dementsprechend tragen LDLs nicht in geringster Weise zur „Gesundheit des Herzens“ bei, weder positiv, noch negativ, da ihre vollständige Entfernung ebenfalls mangels Wirkmechanismus keine direkte Auswirkung auf das Herz und seine Gesundheit hat. Sondern nur die indirekte, dass nun die dringend erforderlichen Verbindungen nicht mehr transportiert werden.

Das bedeutet, dass auch die so gerne genannten Verhältnisse von HDL zu LDL reif für den Papierkorb sind. Es wird hier mit künstlich hergestellten Beziehungen argumentiert, die keinerlei medizinischen Hintergrund haben. Denn es werden Ursache und Wirkung vertauscht: Argumentiert wird, dass ein bestimmtes Verhältnis von HDL zu LDL „gesund“ sei. Ziel sei daher, auf jeden Fall dieses Verhältnis einzustellen, wodurch auch immer. Richtig aber ist, dass, wenn jemand „gesund“ ist, er das bei einem bestimmten HDL/LDL-Verhältnis ist. Dieses aber kann von Individuum zu Individuum sehr unterschiedlich sein. Und so lassen sich mit HDL/LDL-Verhältnissen nur Aussagen treffen, die an einem Individuum festgemacht werden müssen. Z.B. über eine „Vorher-Nachher-Betrachtung“. Nicht aber zwischen Individuen. Denn in anderen Bereichen wird das ja auch nicht gemacht: Wenn Männer durchschnittlich eine Körperlänge von 180 cm haben, heißt das ja nicht, dass ein 190 cm großer Mann Probleme macht, nur weil er 10 cm größer ist, oder?

Es sind also vielmehr die Begleiterscheinungen, die das Problem sind, wenn solche Transportmoleküle in den Arterien „hängen“ bleiben. Warum, weiß man heute noch nicht genau! Und weil das auf dem Weg von der Leber zu den Zellen der Gewebe stattfindet und damit über das Herz und die Arterien erfolgt, betrifft es die LDLs als „Zulieferer“ solcher Frachten. Würde man die „Entsorger“, also die HDLs betrachten, müsste man nach Ablagerungen in den Venen suchen – und würde die dort vermutlich auch finden. Nur: In den tiefen Beinvenen bilden sich gerne Thromben, die dann zu Thrombosen führen. Und von denen glaubt man, dass sie andere Ursachen haben, nicht etwa HDLs. Z.B. mangelnde Bewegung…

Was Unilever hier tut, ist, Staus und Unfälle auf unseren Straßen verhindern zu wollen, indem man Speditionen, die bestimmte Güter, z.B. Benzin, transportieren, vom Verkehr ausschließt – nicht der Speditionen wegen, sondern der Güter, auch wenn die dringend gebraucht werden und mit dem Stau nicht die Bohne etwas zu tun haben. Kann man natürlich machen. Nur hat das dann nicht allzu gute Auswirkungen auf das komplexe System unserer Gesellschaft, die gerade in unserem Just-in-time-Zeitalter auf solche Transporte angewiesen ist.

Lüge 3

»Cholesterin und Herz
Einer der Hauptgründe für einen überhöhten Cholesterinspiegel ist der Verzehr von zu viel gesättigten Fettsäuren. Fett (in Form von LDL) lagert sich in den Arterien ab und sorgt für Verengungen. Dies wiederum belastet das Herz und erschwert es ihm, Blut durch den Körper zu pumpen. So steigt das Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße: die Todesursache Nr. 1 weltweit. Die gute Nachricht: Schon kleine Umstellungen in der Ernährung und der Lebensweise reichen häufig aus, um den Cholesterinspiegel auf einem gesunden Maß zu halten oder ihn wieder zu senken, falls er bereits überhöht sein sollte.«

Sehen wir einmal großzügig über den laienhaften und damit für Unilever unwürdigen Begriff „gesättigte Fette“ hinweg – Fettsäuren sind gesättigt, nicht aber Fette: Über welchen Mechanismus, bitte? Wie hängen Cholesterin und gesättigte Fettsäuren zusammen?

Cholesterin wird aus den ubiquitär vorhandenen Grundbausteinen des Stoffwechsels aufgebaut. Das sind die sog C2-Körper, hier speziell Acetyl-Coenzym A. Die Bildung von Cholesterin ist somit ein anaboler („aufbauender“) Vorgang. Auch hier hätte ein kurzer Blick in Wikipedia geholfen (de.wikipedia.org/wiki/Cholesterinbiosynthese)!

Wie kommt der Körper an diese C2-Körper? Durch einen katabolen („abbauenden“) Vorgang, in dem z.B. Fettsäuren über einen β-Oxidation genannten Stoffwechselweg (de.wikipedia.org/wiki/%CE%92-Oxidation) in diese C2-Körper zerlegt werden – vor allem „gesättigte“. Dies erfolgt in besonderen Zell-Organellen, den Mitochondrien, von denen Sie vielleicht als „Kraftwerke der Zelle“ bereits gehört haben, und die u. a. der Energiegewinnung dienen. Das hier gebildete Acetyl-CoA, so die Kurzform, kann nun zwei Wegen folgen, je nach Bedarf: Wird Energie benötigt, bleibt es im Mitochondrium und wird in den Citratcyclus  (de.wikipedia.org/wiki/Citratzyklus) eingebracht. In ihm wird, neben Energie in Form von ATP, das Endprodukt der Energiegewinnung erzeugt: CO2, das wir dann abatmen.

Werden aber C2-Körper für anabole („aufbauende“) Prozesse benötigt, so wird Acetyl-CoA über Transportmechanismen aus dem Mitochondrium ausgeschleust. Das kostet Energie und erfolgt daher nur, wenn es erforderlich ist. Es steht dann im Zellsaft, dem Cytosol, für Synthesen zur Verfügung, z.B. für den Aufbau von Mevalonsäure. Wir werden ihr gleich noch einmal begegnen. Wird aktuell keine Energie benötigt, aber auch keine C2-Körper für bestimmte Syntheseleistungen, werden diese gespeichert. Und zwar in der kompakten Form von Fetten, die dann im Fettgewebe und in der Leber abgelegt werden. Die hierzu erforderlichen Fettsäuren werden in einer Art „umgekehrter β-Oxidation“ (de.wikipedia.org/wiki/Fetts%C3%A4uresynthese) aus Acetyl-CoA synthetisiert. Allerdings dieses Mal nicht im Mitochondrium, sondern im Cytosol.

Klar dürfte dabei sein, dass die Zelle „intelligent“ genug ist, nicht sinnlosen Vorgängen zu folgen: Fettsäuren werden nicht in den Mitochondrien zu Acetyl-CoA zerstückelt, um dann im Anschluss im Cytosol wieder zu Fettsäuren zusammengebaut zu werden. Sichergestellt wird das u. a. dadurch, dass katabole Prozesse (β-Oxidation) und anabole Prozesse (Fettsäuresynthese) nicht gleichzeitig ablaufen (können): Die Regulationsmechanismen, die den Katabolismus starten, hemmen gleichzeitig den Anabolismus und umgekehrt.

Die eben genannte Mevalonsäure nun ist Ausgangsprodukt für Cholesterin – nichts anderes! Das bedeutet: Cholesterin und Fettsäuren sind über zwei ganz unterschiedliche Stoffwechselwege verknüpft, die auch noch in unterschiedlichen Zellkompartimenten und in unterschiedlichen energetischen Zuständen ablaufen: Dem Fettsäurekatabolismus zu Acetyl-CoA in den Mitochondrien und dem Cholesterinanabolismus aus Acetyl-CoA über Mevalonsäure im Cytosol. Hinzu kommt, dass Acetyl-CoA auch im Cytosol gebildet werden kann: Durch Glycolyse von Einfachzuckern (de.wikipedia.org/wiki/Glykolyse) über Pyruvat. Die läuft selbst im Cytosol ab, ist also energetisch betrachtet günstiger.

Wer nun ein wenig nachdenkt, kann nachvollziehen, dass die Synthese von Cholesterin aus Fetten/Fettsäuren nicht ungeregelt verläuft. Aufgrund der Abläufe der erforderlichen Teilprozesse führt die Verstoffwechselung von Fettsäuren nicht zwangsläufig zu Cholesterin: Ist der Körper in katabolem Zustand, weil Energie benötigt wird, bleiben die C2-Körper im Mitochondrium und werden im Citratcyclus verheizt. Soll/muss Cholesterin synthetisiert werden, entzieht der Syntheseprozess dem Cytosol Acetyl-CoA aus einem Pool. In Abhängigkeit der Menge, die da entnommen wird, wird es dann aus verschiedenen Prozessen nachgeliefert, also β-Oxidation und/oder Glycolyse. Was aktuell energetisch günstiger und im Hinblick auf die C2-Lieferanten sinnvoller ist. Wir müssen nicht weiter ins Detail gehen!

Und so ist die Cholesterinbildung nicht abhängig von der Menge zugeführter Fette/Fettsäuren, sondern vom Bedarf. Cholesterin „zieht“ also bildlich gesprochen, während Unilever behauptet: Fette „schieben“! Und das ist falsch: Ein zu viel an Fetten heißt zu viel in die Fettdepots, nicht zu viel Cholesterin! Und selbst wenn es so wäre, wäre Margarine, hier Becel, kontraindiziert, weil sie zu einem hohen Prozentsatz (Becel proactiv: 26%; Becel Original: 52%) aus gesättigten Fettsäuren besteht.

Lüge 4

»Cholesterin und Herz
Einer der Hauptgründe für einen überhöhten Cholesterinspiegel ist der Verzehr von zu viel gesättigten Fettsäuren. Fett (in Form von LDL) lagert sich in den Arterien ab und sorgt für Verengungen. Dies wiederum belastet das Herz und erschwert es ihm, Blut durch den Körper zu pumpen. So steigt das Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße: die Todesursache Nr. 1 weltweit. Die gute Nachricht: Schon kleine Umstellungen in der Ernährung und der Lebensweise reichen häufig aus, um den Cholesterinspiegel auf einem gesunden Maß zu halten oder ihn wieder zu senken, falls er bereits überhöht sein sollte.«

Fett kann sich nicht in Arterien ablagern, da Fette nicht in den Blutstrom gelangen, sonst resultierte daraus das medizinische Bild der Fettembolie, das sich als Fettemboliesyndrom äußert und dem Bild einer Lungenembolie anderer Ursache mit Ateminsuffizienz, Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen entspricht. Diese Erscheinungen sind aber akuter Art, treten also innerhalb weniger Minuten nach der Embolie ein – nicht schleichend über Monate und Jahre!

Genau das ist ja der Grund für die Existenz der LDLs als Transportmittel für Lipide und Lipoide (also fettähnliche Verbindungen)! Wenn also „Fett (in Form von LDL) […] sich in den Arterien ab“lagert, lagern sich korrekterweise die LDLs dort als Partikel ab, nicht als „Fett“. Auch ist der Begriff „ablagern“ in diesem Zusammenhang genauso fehl am Platze wie man einem verunfallten Fahrzeug vorwerfen könnte, es parke an der Unfallstelle unvorschriftsmäßig. Denn die Aufnahme der LDLs in die Zellen der Aorta ist zunächst nichts Ungewöhnliches und damit die Anwesenheit der LDLs in deren Umgebung nicht gefährlich. Erst wenn dann das beginnt, was man derzeit als schädlichen Mechanismus diskutiert, der „Verkehrsunfall“, wird’s problematisch.

Sowohl die Bestandteile der Hülle der LDLs als auch ihr Inhalt sind sehr empfindlich gegen Oxidation. Wenn also solche LDLs gemäß ihrer natürlichen Aufgabe als Lipid-/Lipoid-Transporter von Zellen der Gefäßwand einer Arterie aufgenommen werden (man bedenke, sie sind nur 20 Millionstel Millimeter groß) oder zwischen ihnen diffundieren und dort in eine Umgebung mit freien Radikalen oder anderen Oxidantien kommen, können sie – genauer: die ach so „wertvollen“ Omega-3-Fettsäuren, aber auch Cholesterin – chemisch so verändert werden, dass sie ihrem normalen Zweck nicht mehr gerecht werden können und nicht oder schlecht abbaubaren „Müll“ erzeugen, der nicht per HDL abtransportiert werden kann. Es entstünden die diskutierten „verhärteten“ Zonen in den Arterien, die nun, eventuell über einen Teufelskreis, wachsen könnten und ggf. sogar Anlass zur Anlagerung von anderen Zellen sein können (Immunsystem!), die dorthin im Bestreben eilen, den entstandenen Schaden zu reparieren oder zumindest einzudämmen. Dann wären also nicht die LDLs böse, sondern die freien Radikale und Oxidantien, die sowieso immer die Bösen sind, und ggf. sogar die Omega-3-Fettsäuren! Fragt sich dann nur, warum an der betreffenden Stelle so viele freie Radikale und/oder Oxidantien anzutreffen sind. Das aber hat weder mit Cholesterin noch mit Fetten noch mit LDLs etwas zu tun.

Lüge 5

»Cholesterin und Herz
Einer der Hauptgründe für einen überhöhten Cholesterinspiegel ist der Verzehr von zu viel gesättigten Fettsäuren. Fett (in Form von LDL) lagert sich in den Arterien ab und sorgt für Verengungen. Dies wiederum belastet das Herz und erschwert es ihm, Blut durch den Körper zu pumpen. So steigt das Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße: die Todesursache Nr. 1 weltweit. Die gute Nachricht: Schon kleine Umstellungen in der Ernährung und der Lebensweise reichen häufig aus, um den Cholesterinspiegel auf einem gesunden Maß zu halten oder ihn wieder zu senken, falls er bereits überhöht sein sollte.«

Es gibt bislang keinen wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang zwischen hohen Cholesterinspiegeln und einer „Todesursache Nr. 1“ aufgrund von dadurch erzeugten Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Zwar gibt es durchaus einen „nachgewiesenen“ Zusammenhang zwischen Tod und Erkrankungen der Herzkranzgefäße: Mancher Tod hatte erkrankte Herzkranzgefäße als Ursache. Dass diese aber ihre Ursache im Cholesterin haben, ist eben nicht nachgewiesen und frei erfunden! Ich verstehe, dass Unilever das gerne so sähe; es stimmt aber nicht! Falls die also Beweise dafür haben, was mich wundern würde, sollten sie ihre Quellen zur Nachprüfung offenbaren. Denn ich glaube keiner Statistik, die nicht ich selbst gefälscht habe, sondern andere. Andernfalls sollten sie aufhören, mit dieser Lüge zu argumentieren; das ist unethisch!

Wenn Sie in den Nachrichten hören, am Kamener Kreuz sei ein schwerer Unfall geschehen mit mehreren beteiligten Fahrzeugen. Die Autobahn sei in alle Richtungen bis auf weiteres gesperrt. Es hätte bereits mehrere Tote und viele Schwerverletzte gegeben, die zum Teil aus den Fahrzeugen herausgeschnitten werden mussten. Was fiele Ihnen dann spontan als Ursache ein, wenn die nicht genannt wird? (a) Raser! (b) Geisterfahrer. (c) Liegen gebliebenes Fahrzeug, ggf. im Nebel. (d) Baustelle. (e) Eine beliebige Kombination aus (a) bis (d).

Was würde Ihnen nicht spontan einfallen? (f) Eine hohe Dichte an LKWs der Spedition „Lipoprotein“ oder (g) ein spinnender Motorradfahrer. Warum nicht? Weil es nicht der Erfahrung entspricht, dass Motorradfahrer solche Unfälle auslösen und „Lipoproteins“ Fahrer besonders rowdyhaft sind, gerne im Rudel fahren und dazu neigen, Unfälle zu provozieren. Gemessen an der Zahl Unfälle ist der Anteil derer mit Beteiligung von Fahrzeugen der Spedition „Lipoprotein“ verschwindend gering, obwohl die ubiquitär sind.

Was Sie auf keinen Fall annehmen würden, ist ein geisteskranker Berufskraftfahrer, der sich über das „unverschämte“ Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer, vornehmlich LKW-Fahrer, ärgert, wenn die ihn überholen, und dann kurzerhand zur Schusswaffe greift, auf sie schießt und so Unfälle verursacht. Und doch ist das in den letzten Jahren ein tatsächlicher Grund für viele solcher Unfälle gewesen.

Was will ich damit sagen? Es ist billig, die Spedition „Lipoprotein“ für alle Unfälle am Kamener Kreuz verantwortlich zu machen, solange man deren Schuld nicht direkt nachweisen kann, nur weil die manchmal beteiligt und leichtes Ziel für Angriffe von Menschen ist, denen das in den Kram passt.

Und es gibt ein Problem: Untersuchungen an Patienten, die genetisch bedingt unter sehr hohen Cholesterinspiegeln leiden (heterozygote Hypercholesterinämie), weil sie keine oder nur defekte LDL-Rezeptoren besitzen, zeigen zwar, dass sie bereits in jüngeren Jahren überdurchschnittlich häufig an Herzinfarkt und Gefäßerkrankungen leiden. Aber nun kommt ein dickes Aber: Bei älteren Patienten gilt das dann zunehmend nicht mehr. Bei denen liegt, im Gegenteil, die Sterblichkeit knapp 60% unter der von „normalen“ Menschen. Und nun? Was sagt evidence? Dass man sich nun mit Cholesterin volldröhnen sollte? Nein, sicherlich nicht. Aber dass Cholesterin offenbar nichts mit Herzinfarkt und Tod zu tun hat.

Lüge 6

»Cholesterin und Herz
Einer der Hauptgründe für einen überhöhten Cholesterinspiegel ist der Verzehr von zu viel gesättigten Fettsäuren. Fett (in Form von LDL) lagert sich in den Arterien ab und sorgt für Verengungen. Dies wiederum belastet das Herz und erschwert es ihm, Blut durch den Körper zu pumpen. So steigt das Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße: die Todesursache Nr. 1 weltweit. Die gute Nachricht: Schon kleine Umstellungen in der Ernährung und der Lebensweise reichen häufig aus, um den Cholesterinspiegel auf einem gesunden Maß zu halten oder ihn wieder zu senken, falls er bereits überhöht sein sollte.«

Umstellungen der Ernährung bringen nichts, wenn Cholesterinspiegel krankhaft erhöht sind. Spiegel, bei denen die „normalisierende“ Wirkung der Pflanzensterine (durch „kleine Umstellungen in der Ernährung“ in Form von Becel) gezeigt werden können, liegen höchstens 10% über den empfohlenen 200 mg/dl (weil sie dann die durch den Transportmechanismus auf maximal 10% beschränkten Mengen nachweislich senken können) und damit noch im „normalen“ Bereich der individuellen Grenzen: Faustregel: 200 + Lebensalter; also: für jeden 20-Jährigen sind Spiegel zwischen 200 und 220 (!) mg/dl normal, für 65-jährige zwischen 200 und 265 mg/dl.

Wenn Sie Unilevers Werbung sorgfältig daraufhin überprüfen, werden sie nirgendwo Angaben finden, was „abnorme“ Spiegel sind. Warum wohl nicht? Und wenn sie die Werbespots genauer betrachten, sehen Sie Spiegel von 199 mg/dl auf den strahlend hochgereckten Schildern nach Abzug von 10%. Warum wohl?

Krankhaft erhöhte Cholesterinspiegel aber sind so deutlich erhöht, dass eine Senkung von 10% nicht ernsthaft zu einer Normalisierung führt. So ist in diesem Fall das Doppelte der „normalen“ 200 + Lebensalter mg/dl und mehr als erhöhter Spiegel die Regel. Wenn nun Spiegel von 400 mg/dl um 10% durch Sterine gesenkt werden, bleiben immer noch 360 mg/dl und damit immer noch krankhaft erhöhte Spiegel! Solang es die Statine noch nicht gab, waren Sterine eine der wenigen praktikablen Methoden, überhaupt korrigierend einzugreifen. Und hatten somit zumindest einen kleinen Sinn. Seit den Statinen aber, die direkt in die Biosynthese von Cholesterin eingreifen und damit die gesamte Herstellung verhindern können, ist der weggefallen und die therapeutische Anwendung von Sterinen obsolet. Was die prophylaktische angeht: Siehe Lüge 8.

Lüge 7

»Cholesterin wird im Körper durch bestimmte Proteine transportiert. Die Kombination aus Cholesterin und einem solchen Protein nennt man auch Lipoprotein. Es gibt zwei Hauptarten von Cholesterin: HDL und LDL.

  • HDL („high-density lipoprotein“, also Lipoprotein hoher Dichte) ist gut für die Herzgesundheit: Es transportiert Cholesterin von den Körperzellen zur Leber, wo es abgebaut wird.«

Von HDLs in die Leber zurückgebrachtes Cholesterin wird in der Leber nicht abgebaut, wie das Unilever vermitteln möchte. Hintergrund dafür dürfte sein, dass ja angeblich das zurückgebrachte Cholesterin das „böse“ Cholesterin ist. Und Böses muss man zerstören! Das wäre aber äußerst dämlich und daher unter der Würde der Natur, die generell lieber recycelt als Ressourcen verschwendet: Wenn unsere moderne Industrie geplante Obsoleszenz einsetzt, heißt das noch lange nicht, dass die Natur das auch tut.

Richtig ist, dass das zurückkommende Cholesterin recycelt wird. Weil es energetisch teuer und aufwendig war, hergestellt zu werden – siehe Lüge 3! Das bedeutet, es wird dazu benutzt, neue LDLs und HDLs zu bauen (wenn die nicht gleich recycelt werden!) oder in den Stoffwechselweg der Gallensäuren oder Steroidhormone eingebracht zu werden. Das verhindert die Notwendigkeit zur Neusynthese, die sonst starten müsste. Die Biosynthese von Cholesterin, die immerhin für in der Größenordnung 90% und mehr des Cholesterins im Körper verantwortlich ist, ist ein energieverbrauchender Schritt. Der Abbau auch. Warum also sollte die Leber Energie verschwenden, Cholesterin abzubauen (Anabolismus), um danach wieder Energie zu verschwenden, es neu zu synthetisieren (Katabloismus)? Macht vermutlich nur für Unilever-Verantwortliche Sinn, damit Becel besser verkauft wird.

Lüge 8

»Cholesterin und Herz
Einer der Hauptgründe für einen überhöhten Cholesterinspiegel ist der Verzehr von zu viel gesättigten Fettsäuren. Fett (in Form von LDL) lagert sich in den Arterien ab und sorgt für Verengungen. Dies wiederum belastet das Herz und erschwert es ihm, Blut durch den Körper zu pumpen. So steigt das Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße: die Todesursache Nr. 1 weltweit. Die gute Nachricht: Schon kleine Umstellungen in der Ernährung und der Lebensweise reichen häufig aus, um den Cholesterinspiegel auf einem gesunden Maß zu halten oder ihn wieder zu senken, falls er bereits überhöht sein sollte.«

Cholesterinspiegel werden durch Pflanzensterine gesenkt, ob sie krankhaft erhöht sind oder nicht. Das ist ihr Problem! Auf die gleiche Weise, mit der gleichen Rate. Der Grund ist die Art und Weise, wie Pflanzensterine die Cholesterinspiegel senken: Indem sie aufgrund ihrer strukturellen Nähe zu Cholesterin dem Körper vorgaukeln, sie seien Cholesterin. Und weil der Körper die Cholesterinspiegel konstant halten möchte scheidet er anteilig das eben aufgenommene Pflanzensterin und Cholesterin über die Galle aus. Da das Cholesterin aber in großem Überschuss vorhanden ist, wird somit mehr Cholesterin ausgeschieden als Pflanzensterin. Dieser Mechanismus ist auch schuld daran, dass die Senkung durch Sterine auf maximal 10% beschränkt ist: Mehr Sterine können vom Transportmechanismus im Darm gar nicht aufgenommen werden!

Das bedeutet: Auch bei Gesunden mit normalem Spiegel wird Cholesterin wegen dieses Mechanismus ausgeschieden und die Spiegel damit um 10% gesenkt. Und das wiederum bedeutet, dass man (über Regelkreise) nicht nur provoziert, dass permanent Cholesterin neu synthetisiert (und damit die Leber belastet) wird, sondern im Ergebnis keinen senkenden Effekt erzeugt. Zwar dauert es ein wenig, bis Cholesterin neu synthetisiert worden ist. Und solange kann man tatsächlich einen senkenden Effekt nachweisen. Der aber ist nicht von Dauer, was die Werbung verschweigt! Wollte man ihn dauerhaft senken, müsste man wie chronisch Erkrankte ihre Pillen täglich und konsequent Pflanzensterine futtern. Unilever hätte das natürlich gerne…

Das heißt: „Normale“ Spiegel von 200 mg/dl werden durch die Margarine unter die empfohlenen Spiegel auf 180 mg/dl gesenkt und bergen damit ein gesundheitliches Risiko!

Das ist also eine geradezu infame Lüge! Durch diese Formulierung wird suggeriert, dass der regelmäßige Genuss von Becel bei Gesunden keine negativen Auswirkungen hat, da Cholesterinspiegel auf einem gesunden Maß gehalten würden.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Da Pflanzensterine dem Cholesterin chemisch so verdammt ähnlich sind, agieren sie im Körper auch verdammt ähnlich. Zwar haben sie keine biochemische Funktion im Stoffwechsel. Aber sie können aufgrund ihrer ähnlichen physikalischen Eigenschaften die gleichen Probleme hinsichtlich Herz-Kreislauf erzeugen wie Cholesterin auch: Auch sie können an den „Unfallstellen“ durch Oxidantien und Radikale oxidiert werden! Das Ersetzen von Cholesterin durch Pflanzensterine hat daher, medizinisch gesehen, nicht den geringsten Vorteil!

Zudem verhindern Sterine die Resorption von verschiedenen Vitaminen. Das kann also, vor allem bei Kindern, kranken und alten Menschen, zu ernsten Mangelerscheinungen führen. Prophylaktische Cholesterinspiegelsenkung (Werbung: „proaktiv“) auf „normale“ Niveaus kann so also bei Gesunden nicht betrieben werden, Menschen mit „normalen“ Spiegeln sollten also tunlichst die Finger von den Dingern lassen!

Das alles verschweigt Unilever! Je mehr von der ach so wertvollen, gesunden Margarine, die damit wirbt, Cholesterinspiegel zu senken, verwendet wird, desto höher ist das Risiko, an den gleichen Erkrankungen wie Cholesterin-Junkies zu erkranken. Wie war das mit Teufel und Belzebub?

So erschien bereits 2008 ein Artikel in der Ärztezeitung (aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/ernaehrung/article/498826/schaedigen-pflanzen-sterine-herz.html): »Pflanzliche Sterine, mit denen mehrere Nahrungsmittel wie Streichfette oder Milcherzeugnisse angereichert sind, wirken offenbar nicht kardioprotektiv. Vielmehr haben sie womöglich sogar negative Effekte auf die Gefäßgesundheit. Jetzt fordern Kardiologen harte Studiendaten, bevor solche Produkte vermarktet werden.« Wo bleiben die, Unilever?

»Seit 2004 müssen derart angereicherte Lebensmittel Hinweise auf die Zweckbestimmung des Lebensmittels (Cholesterinsenkung) und die empfohlene maximale tägliche Aufnahme (2 – 3 Gramm) tragen. Aus der Kennzeichnung muss klar hervorgehen, dass Kinder unter fünf Jahren, Schwangere und Stillende derart angereicherte Produkte vorsorglich nicht verzehren sollten, weil die Lebensmittel die Aufnahme bestimmter Vitamine hemmen können. Alle anderen Konsumenten sollten zum Ausgleich mehr Obst und Gemüse verzehren als üblich. Konsumenten, die wegen erhöhter Cholesterinwerte medikamentös behandelt werden, sollten den Verzehr der Lebensmittel mit ihrem Arzt abstimmen.« (bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_pflanzensterinen-9503.html#topic_9507).

Resümee

Ich gebe zu: Die Thematik ist kompliziert und wird durch die manchmal nicht nachvollziehbare Benennung chemischer Verbindungen, die häufig auf Tradition aufbaut, nicht einfacher gemacht: So bezeichnet man als „Apolipoprotein“ den Proteinanteil der Lipoproteine. Also Proteine ohne Lipidanteil, die aber Teil der Hülle der Lipoproteine sind. Die griechische Vorsilbe „Apo-“ hat hier die Bedeutung „ohne“: Das Apolipo-protein ist das Protein ohne Lipid.

Ohne „Apo“ handelt es sich beim Lipoprotein trotz des Namensteils „-protein“ nicht um ein Protein, sondern um ein komplexes Gebilde aus Apolipoprotein, Phospholipiden/Fettsäuren und Cholesterin, wie wir oben gesehen haben. Der Name ist mehrdeutig, da er eigentlich ein Molekül bezeichnet, das aus einem Protein besteht, an dessen Aminoende (nach seiner Synthese in der Zelle) eine Fettsäure angeklebt wurde: Es ist somit ein Lipo-protein und damit, anders als das Protein, fettlöslich. Da man die hier interessierenden Lipoproteine aufgrund ihrer Größe (alle deutlich unter 350 nm!) nicht sehen kann, konnte man bei ihrer Entdeckung ihre Identität nur über ihre Zusammensetzung ermitteln. Und das sind eben Lipide und Proteine – und sie selbst daher Lipo-proteine. Dieser Name blieb dann auch erhalten, als man sie als Variationen von Mizellen identifizierte: Er hatte sich eingebürgert.

Und somit ist ein Apolipoprotein etwas gänzlich anderes als ein Lipoprotein, was wiederum etwas anders ist als ein Lipid oder ein Protein!

Das verwirrt nachvollziehbarerweise Laien, wie sie bei Unilever offenbar für Becel zuständig sind. Nur: Wenn sie nicht wissen, wovon sie reden, sollten sie es unterlassen und nicht mit nichtverstandenen Begriffen um sich werfen, um beim noch weniger wissenden Verbraucher den Eindruck zu erwecken, sie hätten Ahnung! Das muss ich wirklich einmal hochsterilisieren!

Natürlich kann man, vielleicht sogar per Verweis auf einen Druckfehler, „Protein“ und „Proteid“ verwechseln. Hätte es keine weiteren Anstöße mehr gegeben, hätte ich die Seriosität eins Weltunternehmens annehmend einen solchen Fehler unterstellt. Hier aber muss ich annehmen, dass dem Autor der Unterschied genauso wenig klar war wie der zwischen „fettartig“ und „fetthaltig“.

Wir sprechen bei Functional Food nicht über Kinderkram! Denn immerhin gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, die Nahrungsergänzungsstoffe zeigen medizinische Wirkung, wie von der Nahrungsmittelindustrie proklamiert. Dann ist die Frage, ob diese Stoffe nicht, eben weil es sich um die Gesundheit dreht, als medizinische Wirkstoffe klassifiziert und damit dem Arzneimittelgesetz unterstellt werden müssen. Das bedeutete, dass Unilever zumindest in diesem Bereich zum Pharmaunternehmen mutieren müsste mit all dem zu treibenden Aufwand einer Zulassung. Und damit Fachleute engagieren, denen so ein Quatsch mit Sicherheit nicht unterliefe, da die Informationsgestaltung hier gesetzlich geregelt ist (Beipackzettel, Fachinformation).

Oder sie haben keine medizinische Wirkung. Dann aber haben Werbung und Hinweise auf welche Einflüsse auf den Körper auch immer keinen Anlass und keine Rechtfertigung mehr und hätten zu unterbleiben. In beiden Fällen käme so ein Internetauftritt nicht mehr zustande, was äußerst begrüßenswert wäre. Aber nicht im Interesse von Unilever!

Da der Gesetzgeber aber leider die Nahrungsergänzungsstoffe erlaubt und nicht als medizinische Wirkstoffe auffasst, darf man doch wohl zumindest fordern, dass wenigstens die Information ähnlich akkurat ist wie bei Medikamenten. Ist das wirklich zu viel verlangt?

Ich bin mir nicht sicher, wie ich diesen Internetauftritt interpretieren soll. Nach 8 geradezu unverschämten Lügen in 22 Zeilen habe ich keine Lust mehr gehabt, den Rest zu prüfen. Ich gehe aber davon aus, dass dort ähnlicher Quatsch steht.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Unilever nutzt bewusst solche Formulierungen. Dann gibt es wieder zwei Möglichkeiten: Sie tun es wider besseres Wissen oder weil sie es nicht besser wissen. Oder sie nutzen sie unbewusst.

Gibt Unilever diese Information bewusst und wider besseres Wissen, muss dann fast kriminelle Energie unterstellt werden, um zu täuschen. Das wäre fatal und Anlass zu rechtlichen Schritten. Und ich hoffe, nein ich gehe davon aus, dass das bei einem Weltunternehmen wie Unilever nicht der Fall ist, wenngleich auch Vieles, was in verschiedenen Marketingabteilungen (nicht nur bei Unilever!) so abläuft, manchmal hart an der Grenze der Legalität vorbeischrammt.

Verwendet Unilever die Information unbewusst, hinterlässt das auch kein besonders gutes Bild: Wenn die Qualitätskontrolle, über die Unilever hoffentlich verfügt, so etwas durchgehen lässt, muss man sich fragen, was die noch so alles durchgehen lassen – auch in anderen Bereichen, z.B. der Produktion. Auch hier hoffe ich bzw. gehe davon aus, dass das bei einem Global Player wie Unilever nicht der Fall ist.

Bleibt die letzte Möglichkeit: Sie geben die Informationen bewusst und wissen es nicht besser. Dann erhebt sich die Frage: Was kann man Unilever überhaupt noch glauben? Kann man ihnen z.B. glauben, wenn sie über die Qualität ihrer Produkte sprechen? Oder haben sie dann auch keine Ahnung, wovon sie sprechen?

Es würde mich sehr interessieren, welche der drei Möglichkeiten Unilever einräumt. Denn die vierte, sie handeln unbewusst und weil sie es nicht besser wissen, würfe fast wieder die Frage krimineller Energie auf: Ich weiß nicht, was ich tue und warum, aber ich tue es… Wir sprechen hier immerhin über Gesundheit und ein, wie sich gezeigt hat, nicht ungefährliches Produkt!

© Foto Claudia-Hautumm / pixelio.de

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