Vegetarismus

Die Lust am Schmerz – Teil 3

18. August 2014

Speziesismus

Wer also ist Speziesist? Der Vegetarier! Denn der Begriff „Spezies“, Art, ist nicht auf Tiere und den Menschen beschränkt… Und Speziesismus bedeutet, wie wir ja wissen, dass man Lebewesen in Spezies unterscheidet, also zum Beispiel in Tier und Pflanze, wobei die Pflanze meistens den Kürzeren zieht.

Auch sie unterscheiden Lebewesen, willkürlich und genauso gnadenlos, vielleicht sogar gnadenloser, in Lebewesen zweiter Klasse, die man bedenkenlos essen kann – Pflanzen –, und in Lebewesen erster Klasse, die man nicht essen darf – Tiere. Welche Arroganz!

Raether: »Alle Lebewesen sollen die gleichen Rechte haben: Der Antispeziesismus ist, wie jede radikale Idee, in seiner Einfachheit höchst attraktiv. Kaum eine politische Bewegung hat so leidenschaftliche Mitstreiter wie die der Tierrechtler. Aber es scheint mir ein abenteuerliches Konstrukt zu sein, Metzger mit Rassisten und Frauenhassern moralisch auf eine Stufe zu stellen.« Und daher ist der „Fleischfresser“ wie ich der Ehrlichere, Ethischere und Moralischere: Er unterscheidet nicht.

Sofern es den Vegetariern um die unsäglichen Methoden der fleischproduzierenden und -verarbeitenden Industrie ginge, hätten sie mein volles Mitgefühl und meine volle Zustimmung: Es ist nicht nachvollzieh- und hinnehmbar, dass aus kommerziellen Gründen Tiere in Europa hin- und hergeschoben werden, zumal nicht unter den Bedingungen, unter denen es auch heute noch leider erfolgt, obwohl sich da schon etwas geändert hat. Und die deshalb, auch heute noch, leiden. Würden sie mit ihrem vegetarischen Lebensstil die derzeit üblichen Praktiken boykottieren (wollen), sähe ich das ein – und ließe mich vielleicht sogar überzeugen, in gewissem Rahmen mitzumachen. Aber dann wären sie keine Vegetarier, sondern Protest-Fleischverweigerer, bräuchten keine Ideologie und müssten nicht so windelweich, diskriminierend (was Pflanzen, aber auch Nicht-Vegetarier betrifft) und teilweise sogar militant herum argumentieren und handeln.

Das ist aber nicht der Fall! Vegetarismus über die Anklage herrschender Missstände zu definieren und zu begründen, ist somit Populismus und zeigt nur, dass es ausschließlich darum geht, bescheuerte Ideologien, wie es sie in der Geschichte schon immer und in jede Richtung gegeben hat, bekannt zu machen und möglichst zu verbreiten. Sachliche Hintergründe spielen keine Rolle. Aber damit haben wir Deutschen ja ziemlich viel Erfahrung. Denn es stünde ja jedem frei, selbst still und leise auf die Aufnahme tierischer Nahrung zu verzichten. Wozu daraus eine Ideologie basteln und diese militant verbreiten?

Und so es ist verwerflich, durch ihr teilweise diskriminierendes Verhalten zu versuchen, ihre Bewegung zu vergrößern, neue Anhänger zu rekrutieren, zu missionieren, mit dem Zeigefinger auf andere zu zeigen. Raether: »Noch machen die konsequenten Vegetarier und Veganer einen kleinen Prozentsatz aus. Doch der Ekel vor dem Tier und seinem toten Körper hat auch diejenigen befallen, die Fleisch essen. […] Es braucht nicht viel, dass wir uns ekeln: Wir ekeln uns nicht nur vor Tieren und Schlachthäusern, sondern auch vor alten Menschen, vor sterbenden Menschen, vor unserem eigenen Schweißgeruch, vor stillenden Müttern, vor weiblichen Achselhaaren und bald wahrscheinlich auch vor männlichen.« In der Aufzählung hat sie die weiblichen Schamhaare vergessen, und bald wahrscheinlich auch die männlichen! Und sie kommt zu dem Schluss: »Vielleicht ist dieser Ekel aber auch ein Zeichen von Entfremdung und ein großer Verlust.«

Sie sagt: »Ich glaube, dass das ethische Prinzip des Antispeziesismus kein Prinzip ist: Eher handelt es sich um einen originellen Gedanken. Als Maxime taugt er schon deshalb nicht, da ich beim Versuch, danach zu leben, ständig Ausnahmen zulassen müsste. Ein Antispeziesist isst keinen Honig, weil der die Bienen nicht ausbeuten will, doch er fährt ein Auto, an dessen Windschutzscheibe Insekten zerplatzen. Seine Unterscheidung in unwichtige Tiere einerseits und schützenswerte andererseits ist so willkürlich wie die des Fleischessers, der zwar Kühe, aber schließlich keine Katzen isst.« Sag’ ich doch!

Weiter: »Ich gebe zu: Mir kommt die Liebe zu Tieren oft etwas versponnen vor. Zur Tierliebe gehört ein bisschen Enttäuschung von den Menschen. Tiere sind wild, schön, geheimnisvoll, andere sind anhänglich und verspielt. Manche Menschen kommen mit ihren Haustieren besser zurecht als mit ihren Mitmenschen.« Was, betrachte ich manche Menschen, durchaus nachvollziehbar ist, aber doch kein Grund sein kann, anderen vorzuwerfen, was man selbst tut: Richten, was lebenswert ist und was nicht. Und abgesehen davon: Auch Pflanzen sind wild, schön, geheimnisvoll und, glaubt man Menschen mit Grünem Daumen, anhänglich. Allerdings nicht verspielt. Und so gibt es neben vom Menschen enttäuschten Tierliebhabern auch viele ebenso enttäuschte Pflanzenliebhaber…

Noch ein kleiner Exkurs in die Wissenschaft

Zurück zur wissenschaftlichen Ebene. Der Mensch kann, in Grenzen, Pflanzen, besser: einzelne Pflanzenteile verwerten. Also z.B. ihre Früchte oder Samen wie Nüsse. Das aber macht ihn noch nicht zum Pflanzenfresser. Denn nur, weil er schwimmen und ohne Hilfsmittel mehr oder weniger lang und tief tauchen kann, ist er ja auch noch kein Meeressäuger…

An dieser Stelle kommt häufig die ach so beliebte Sojabohne ins Spiel. Oder Bohnen überhaupt, oder Linsen, Erbsen, oder auch Knollen und Wurzeln wie Karotten und Kartoffeln. Solche Pflanzenteile aber sind erstens nicht „Pflanzen“, sondern deren Fortpflanzungs- (Früchte, Nüsse, Bohnen, Getreide) oder Überdauerungsorgane (Zwiebeln, Kartoffeln, Karotten) und damit in erster Linie pflanzliche Speicher von Verbindungen, die man auch in Tieren antrifft: Fette (Oliven, Avocados, …), Kohlenhydrate (Getreide, Kartoffeln, …) und Proteine (Soja, Hülsenfrüchte, …) und die die Pflanze für die Funktion des betreffenden Organs und damit ihr Leben benötigt. Wer also diese Pflanzenteile isst, isst pflanzliche Embryonen: Wie aus jedem Ei ein Huhn entstehen kann, kann aus jeder Frucht, jeder Zwiebel und jeder Knolle eine neue Pflanze entstehen. Um ein Argument vieler Veganer aufzugreifen: Vegetarier essen die Babys der Pflanzen!

Und zweitens müssen sie häufig dazu zunächst aufgeschlossen werden. Z.B. bei der Sojasoße, was im Prinzip das Gleiche ist, was in den vier Vormägen von Wiederkäuern abläuft: Aufschluss durch Bakterien und/oder Hefen, genannt Fermentation; oder, will man selbst und nicht erst über die Bakterien in den Genuss der Kohlenhydrate und Proteine kommen, über das Kochen in Wasser oder Garen über dem Grill oder in der Pfanne. Grund: Häufig enthalten solche Nahrungsmittel mehr oder weniger giftige Verbindungen. Die Kartoffel oder Tomate z.B. Solanin. Sie dienen der Pflanze zur Abwehr von Fäulniserregern und finden sich daher nicht nur in den grünen Bereichen, die Licht abbekommen haben, sondern auch in Druckstellen. Wenngleich diese Verbindungen auch (durch Züchtung) heutzutage selten tödlich sind, führen sie doch zu teilweise heftigen und unschönen Effekten wie Übelkeit, Atemnot, Durchfall und Erbrechen. Garen zerstört solche Gifte meistens.

Das Garen ist aber, evolutionär betrachtet, eine jüngere menschliche weil zivilisatorische Errungenschaft als das Verdauungssystem des modernen Menschen – kein anderes Lebewesen kocht und grillt! –, war also noch nicht erfunden, als die Natur den Nahrungsverwertungstypen für den Menschen festgelegt hat. Und exakt aus diesem Grunde sammelten unsere Vorfahren Früchte und Beeren und bauten Wurzeln und Gemüse erst an, als sie das Feuer gezähmt hatten.

Vegetarier können, anders als Fleischesser wie ich, die sich wie Raubtiere auch ausschließlich von rohem Fleisch ernähren könnten, ohne diesen Kunstgriff der Aufbereitung des Großteils pflanzlicher Kost nicht überleben: Es hat, anders als Wiederkäuer, noch niemand überlebt, der nur Salat selbst aus den besten und exotischsten Pflanzen ohne Dressing gegessen hat! Aber sehr wohl, wer zu diesem Salat ohne Dressing ein schönes, saftiges, blutiges Steak gegessen hat – oder dieses auch ohne Salat.

Vegetarismus – Die Lust am Schmerz

Und daher sind die „Argumente“ der Vegetarier vorgeschoben und nichts wert! Raether: »Der Vegetarismus ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts, des Zeitalters, in dem der Fleischkonsum anstieg und es den Nutztieren immer schlechter ging. Der Einfall, kein Fleisch zu essen, ist so alt wie die Menschheit. Vegetarier gab es in der Antike, im Mittelalter, im 19. Jahrhundert. Man kann sagen: Seit der Mensch Fleisch isst, will er darauf verzichten. In dieser Hinsicht ist Fleisch wie Sex – Quell großer Freude und ewiger Anlass, sich und andere zur Selbstkontrolle zu ermahnen. Diese alte Predigt von Entsagung fasziniert uns heute noch. Ich denke, es fühlt sich einfach gut und richtig an, im Namen einer Idee auf eine sinnliche Befriedigung zu verzichten. Ich denke, man fühlt sich stärker, wenn es einem gelingt.« Kompensation fehlenden oder mickrig ausgeprägten Selbstbewusstseins durch Entsagung? Nennt man das, was Raether hier beschreibt, nicht Askese? Askese ist auch keine neue Errungenschaft: Schon die Griechen kannten sie. Pythagoras war Asket, seine Sittenlehre asketisch ausgelegt; und er war Vegetarier!

Ich gehe noch ein Stück weiter: Es ist Kasteiung. Wikipedia definiert das so (de.wikipedia.org/wiki/Kasteiung): „Als eine Form der Askese erscheint Kasteiung, wenn man sie zur Beschränkung oder Abtötung der Triebhaftigkeit oder auch der Sinnlichkeit [sic] auf sich nimmt (‚Abtötung des Fleisches‘) mit dem Ziel, innerlich frei zu werden für Höheres“. Das trifft auf die Idee hinter Vegetarismus absolut zu: Abtötung eines der ureigensten Triebe eines Raubtieres wie dem Menschen, sein Abendessen zu erjagen, und der Sinnlichkeit, es in der heimischen Höhle im Kreise der Sippe am Feuer zuzubereiten, um frei zu werden für – ja wofür eigentlich? Was ist das „Höhere“? Moral? Ethik? Oder eine Idée fixe, falsch verstandene Tierliebe? Überheblichkeit? Geltungssucht? Besserwisserei? Machthunger?

Vielleicht ist ja bedauerlicherweise dieses larmoyante Gefühl, dieser Selbstbetrug, zumindest bei militanten Botschaftern des Vegetarismus, das einzige, was sie täglich an Positivem empfinden können: Ich bin Vegetarier! Also bin ich Gutmensch! Denn ich lasse die armen Tiere leben.

Und so scheint mir ein wesentliches Indiz für die Richtigkeit dieser Annahme zu sein, dass Vegetarier die Nahrung der Fleischesser mimikrieren – Sie wissen ja: Mimikry heißt „Tarnen und Täuschen“, in diesem Fall sich selbst. Da gibt es (so auch beworbenen) die Brat- und Fleischwürste, Knack- und Rauchwürstchen, Rostbratwürste und Grill-Krakauer – aus Soja; die Steaks und Filets – aus Tofu (und damit ebenfalls aus Soja – wie langweilig!); Schnitzel aus Kohlrabi; Kutteln aus Ei und Käse; Gyros, Geschnetzeltes und Gehacktes – wieder aus Soja. Leberkäse fehlt nicht, genauso wenig wie Schinken. Natürlich aus Soja! Selbst an vegetarischem „Aufschnitt“ herrscht kein Mangel. Es gibt alles: vegetarische Fleisch-, Gelb-, Jagdwurst, Krakauer, Mortadella und Salami; Leberwurst (!), fein und grob, Pfeffersäckchen, Teewurst, „neu“ und „classic“. Aus? Na, raten Sie ’mal…

Geht man auf Rezeptseiten, findet man „Mediterranen Kartoffel-Hackfleisch-Auflauf“, natürlich „ohne Hackfleisch“; vegetarische Schnitzel- und Hamburger sowie Frikadellen, natürlich ohne Schnitzel und Gehacktes; Wurstsalat aus „Fleischwurst“, natürlich ohne Fleischwurst – äh: „Fleischwurst“ ohne Fleisch? Na, egal! Australischen „Meat Pie“ ohne meat, ja selbst vegetarischen Döner! Und vieles mehr.

Wozu, wenn Fleisch verpönt ist? Warum betrüge ich mich selbst und andere mit pflanzlichen Produkten und Nahrungsmitteln in rein virtuell tierischer „Verpackung“? Weil es mir natürlich schmeckte, das tierische Würstchen vom Grill. Weil ich natürlich Lust auf ein Rinder-Steak oder Schweine-Schnitzel hätte. Weil ein saftiger Schinken eigentlich zu den Grundnahrungsmitteln gehört. Weil täglich Soja-Scheiben auf dem Frühstücksbrötchen über chemisch hydrierten Pflanzenölen namens Margarine langweilig und doof sind. Und weil ich natürlich lokale Leckereien wie Gyros, Leberkäse oder Boulette toll finde inklusive der amerikanischen Burger-Variationen. Aber ich darf ja nicht – ich bin schließlich Vegetarier! Also tue ich zumindest so, als könnte ich…

Da fällt mir eine Geschichte ein. Tatsächlich erlebt. Ein Geschäftsfreund kam eines Tages zu Besuch. Das erste Mal (nach sehr langer Zeit wieder) in Deutschland, da er als Jude Deutschland im Kindesalter nicht ganz freiwillig verlassen hatte. Als ich ihn abends ausführen wollte, bat er mich, mit ihm in einen bayerischen Biergarten zu gehen. Also taten wir das natürlich. Als die Kellnerin im forschen Dirndl kam und uns fragte, was wir essen wollten, sagte mein Geschäftsfreund: »Your traditional roast hare!« – Euren traditionellen Hasenbraten. »Hase haben wir nicht«, antwortete die Bedienung, nachdem ich übersetzt hatte. Und in schönstem bayerischen Dialekt: »Wollt’s net an Schweinsbraten? Dea is frrrisch!« »Yes, this hare, over there!«, nickte er seine Antwort: Ja, den Hasen da drüben. Denn er hatte sehr wohl verstanden! Und er zeigte auf den Schweinsbraten am Nebentisch. Bevor die Bedienung antworten konnte, fiel ich ihr ins Wort, da ich kapiert hatte: »Bringen Sie einfach das gleiche wie da drüben, und reden wir nicht lange darüber!«, und sah sie eindringlich an. Er konnte, als Jude, natürlich kein Schweinefleisch bestellen. Aber er wollte den leckeren Schweinsbraten sehr gerne essen. Der Ausweg aus dem Dilemma: Er bestellte Hase. Was dann kam, lag nicht in seiner Hand! Und so konnte Gott ihn nicht dafür verantwortlich machen, wenn die dämlichen Deutschen ihn hinters Licht führen. Die Bedienung verschwand glücklicherweise wortlos, und er bekam seinen „Hasen“, den er mit sichtbarem Genuss langsam verspeiste!

Konsequente Vegetarier „brauchen“ keine „Kutteln“! Sie machen Soja-Flädle. (Für alle Nichtschwaben: Das sind in feine Streifen geschnittene Pfannkuchen.) Sie brauchen keinen „Mediterranen Kartoffel-Hackfleischauflauf ohne Hackfleisch“; sie machen „Mediterranen Kartoffel-Sojaauflauf“. Sie brauchen keinen „Australischen Meat Pie ohne Fleisch“; sie machen „Australischen Soy Pie”. Sie brauchen keinen Döner, sie machen Falafel. Und sie brauchen keine Grill- und sonstigen Würstchen, Schnittwürste und Aufstriche, sie haben ja unterschiedlich gewürztes und (natürlich mit natürlichen Farbstoffen) eingefärbtes Soja, jeweils zu einer Masse gepresst, die dem jeweiligen Zweck angemessen ist: dünne Scheiben, streichbare Creme, schneidbare Brocken! Das sind die Roots! Warum also Soja tierifizieren? (Geiles Wort!)

Seid doch ’mal kreativ! Vergebt doch ’mal den einzelnen Sojaprodukten Namen, die nichts mit den tierischen Vorbildern zu tun haben. Statt Leberwurst z.B. „Brasoc“. Für „braune Sojacreme“. Kann man ja zu „Brasock“ eindeutschen. Die Fleischwurst wäre dann „Rosock“, ihr rosa Pendant. Wurst ist neuhochdeutsch für „Fleischspeise“; dicker „Gemüsebrei“, die Kost damaliger einfacher Leute, heißt auf lateinisch „puls“. Was haltet Ihr also anstelle von Rostbratwurst von Rostbratpuls? Redlin ist neuhochdeutsch für Gemüseeintopf. Also könnte ein geeigneter Name für „Mediterranen Kartoffel-Hackfleischauflauf ohne Hackfleisch“ „Mediterraner Karedlin“ sein. Aber wozu soll ich mir Eure Gedanken machen? Ich esse ja eh’ die Originale!

Selbstbelohnung durch Schmerz kann süchtig machen, wie jeder Marathonläufer weiß, der nach einem Lauf seine Endorphine ausschüttet! Und so führen ja vielleicht die Endorphine, die ein Vegetarier durch seine Kasteiung ausschüttet, z.B. wenn er neben sich jemanden mit allen Sinnen ein Steak genießen sieht, auf das er eigentlich auch Lust hätte und daher frustriert auf seinem Soja-Bratling ’rum kaut, zur Sucht, sich zu kasteien: Jetzt erst recht nicht! Wozu aber dann die Missionslust? Als Kompensation, wenn zu wenig Endorphine fließen, der Schmerz nicht groß genug ist? Oder ist es das Prinzip: Wenn ich leide, müssen alle leiden?

Vielleicht ist der Hintergrund zu Vegetarismus aber auch viel banaler. Vielleicht muss man nur demonstrieren wollen, anders zu sein als der Rest. Etwas Besonderes. Jemand, der die „Wahrheit“ kennt und dem gefolgt werden soll. Das Jesus-Prinzip.

Ich will es nun nicht auf die Spitze treiben. Daher ein letzter Kommentar: Damit wir an das Eingemachte der Kartoffelpflanze, ihre Überdauerungsorgane genannt Kartoffeln, kommen können, meucheln wir sie, zerhechseln sie, graben sie unter – ein Lebewesen, das uns nichts getan, eine ebenso große Existenzberechtigung auf diesem Planeten hat wie wir, uns voraus hat, zum Überleben nicht töten zu müssen, und das, wie wir, nur seiner von wem auch immer gegebenen Vorbestimmung folgt: leben und sich fortpflanzen.

Also…

Wer gestattet, Pflanzen zum Verzehr anzubauen und zu töten, darf sich der Nutzung von Tieren zum gleichen Zweck nicht entziehen. Und er sollte nicht mit erhobenem Zeigfinger auf andere zeigen. Sonst ist das scheinheilig und doppelmoralisch!

Aber, wie gesagt: das ist seine Sache. Nur lasse ich mein Handeln von solchen Mitmenschen nicht als verwerflich bezeichnen und mir Minderwertigkeitskomplexe oder auch nur Schuldgefühle einreden.

 

©  Foto Marco Schlüter  / pixelio.de

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