Geplante Obsoleszenz

Ewiges Wirtschaftswachstum – Teil 1

1. September 2014

Geplante Obsoleszenz

Unsere Wirtschaft setzt auf ewiges Wachstum. Da es das nicht geben kann, wird eben gemacht, dass es geht. Mit geplanter Obsoleszenz.

Geplante Obsoleszenz – kennen Sie den Begriff? Das dazugehörige Adjektiv heißt „obsolet“ und sagt Ihnen eventuell mehr. Wikipedia bemerkt: „von lat. obsolescere ‚sich abnutzen, alt werden, aus der Mode kommen, an Ansehen, an Wert verlieren‘ ab und bezeichnet, dass ein Produkt auf natürliche oder künstlich beeinflusste Art veraltet ist oder altert“.

Die direkte Methode

In unserer modernen, globalisierten Welt ist es somit eine nicht mehr wegzudenkende Produktstrategie, bei der bereits bei der Planung und Herstellung des Produktes bewusst Schwachstellen oder Lösungen mit absehbarer Haltbarkeit eingebaut werden, die bewirken, dass das Produkt nicht mehr oder nur noch eingeschränkt benutzt werden kann. Da dann auch noch eine Reparatur unvergleichlich teuer oder gar nicht mehr möglich ist, wird der Kunde zum Neukauf genötigt. So kann sicher gestellt werden, dass der Motor der Wirtschaft, stetiges Wachstum, prima surrt. Denn sonst besteht ja die Gefahr, dass ein Markt einmal gesättigt ist. Und das wäre fatal!

Beliebt ist das z.B. bei Gebrauchsgegenständen wie Aktenvernichtern, bei denen gerne einmal der leicht zugängliche Motor – vier Schrauben, dann ist der  Deckel weg, vier Schrauben halten den Motor und vier Schrauben die Stromzuführung und deren Zugentlastung – durchbrennt, das Neuwickeln des Ankers aber so viel kostet wie fünf neue Vernichter und damit unterbleibt – es sei denn, man hat selbst etwas handwerkliches Geschick. Da diese Geräte in der Regel auch erschwinglich sind, ist die Hemmschwelle, auf einen Neukauf zu verzichten, entsprechend hoch.

Oder bei höherwertigen elektrischen Zahnbürsten, bei denen der Akku eingelötet ist und damit nicht wechselbar – obwohl es noch nicht einmal mehr Geld kosten würde, die fest eingelöteten Kontakte gegen federnde einzutauschen – und somit nur von Dinosauriern getauscht werden kann, die noch über einen Lötkolben samt Erfahrung, ihn zu nutzen, verfügen. Das Apple-Prinzip also. Für die Nicht-Dinosaurier: Das war in der Vor-iPad&Facebook-Zeit ein elektrisches Gerät, mit dem man eine elektrisch leitende Verbindung zwischen zwei Bauteilen herstellte, indem man sog. Lötzinn durch die Hitze des strombetriebenen Lötkolbens verflüssigte und nach Kontakt der Bauteile miteinander wieder erstarren ließ. (Ist es natürlich heute auch noch, aber wer benutzt ihn schon in unserer Wegwerf-Gesellschaft?)

Diese Teile sind zwar teurer als Aktenvernichter, aber immerhin noch so preiswert, dass auch hier kaum jemand auf die Idee kommt, selbst Hand anzulegen. Und so landet ein kompletter, ansonsten vollständig funktionsfähiger und zum größten Teil aus nicht verrottendem Plastik bestehender Aktenvernichter zusammen mit einer ansonsten voll funktionsfähigen, plastikstrotzenden Zahnbürste auf dem Wertstoffhof, weil minderwertiger Draht bei der Herstellung verwendet wurde und weil man bewusst auf die Endlichkeit der Lebensdauer eines Akkus setzt.

Das ärgert mich!

 

Foto © La-Liana  / pixelio.de

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