Geplante Obsoleszenz

Ewiges Wirtschaftswachtum – Teil 2

2. September 2014

Weitere Strategien

Eine ähnliche, wenngleich nicht ganz so drastische Variation von Strategien ist, das Produkt reparaturfreundlich zu gestalten, um auf diesem Wege an unser aller Bestes zu gelangen: unser Geld.

Die subtile Methode

Aufgrund der geplanten Obsoleszenz verreckt in diesem Szenario irgendein relativ unbedeutender Teil eines Gegenstands, was zu einer erforderlichen, kostenpflichtigen Reparatur führt. Diese Strategie wird angewendet, wenn der Gegenstand so teuer ist, dass es nicht einmal der unverschämteste Hersteller wagen würde, den in Teil 1 genannten Weg zu gehen, um Umsätze zu generieren.

Ein Beispiel für diese Strategie ist des Deutschen liebstes Kind. Geradezu ideal herausgestellt für diese Art der Gewinnmitnahme haben sich Leistungsabfall in gerade einmal warm eingefahrenen Motoren und zu resettende Standheizungen. Ich werde in einem anderen Teil darauf zurückkommen.

Absolut unerreichbar aber unter diesem Gesichtspunkt sind die Standlichtbirnchen eines Fahrzeuges, von denen ich vermute, dass deren Hersteller auf Druck der Automobilhersteller ihre Lebenszeit künstlich verkürzen, damit man während eines Leasingzyklus von drei Jahren mindestens zweimal in die Werkstatt muss, um sie zu tauschen. Wegen des im Wege stehenden, trickreich verbauten Xenonlichtes, das man sich vom Händler hat aufschwatzen lassen, von dem man aber laut Gebrauchsinformation tunlichst die Finger lassen muss – es besteht Lebensgefahr und Verlust der Garantie.

Und jedes Auto hat zwei davon, die sich nicht absprechen! Oder vielleicht gerade? Ein Glücksfall für jeden Edelkarossenhersteller. Und so muss man sein Fahrzeug nach telefonischer Absprache für eine Voranmeldung und nach in dieser Voranmeldung erfolgten Anmeldung einen Tag lang in der Werkstatt lassen. Auf diese Weise führt der Tausch eines Centartikels, eines Glühbirnchens, das man eigentlich heutzutage gar nicht mehr braucht, das aber laut StVO vorgeschrieben ist, früher länger lebte als das dazugehörige Auto und eigentlich von jedem Doofi getauscht werden könnte, dazu, dass gleich zwei davon profitieren: Die Reparaturwerkstatt und das Mietwagenunternehmen als Schmarotzer. Und weil das so ist, ist heute in jeder Werkstatt eines Herstellers, der etwas auf sich hält, gleich eine Zweigstelle eines der bekannten Mietwagenunternehmen angesiedelt. Das ist Wirtschaft, und so wird sie richtig angekurbelt!

Die indirekte Methode

Eine weitere Variante ist, dass man gleich auf Reparatur bzw. eine gleichzusetzende, andere „Dienstleistung“ setzt und den Gegenstand so billig herstellt, dass keiner dran vorbeikommt, ihn zu erwerben. So die Lockangebote der heutigen Mobilfunkbetreiber, bei denen der Mobilfunkvertrag das wichtige ist, das sündhaft teure Mobiletelefon einem aber subventioniert für einen Euro hinterhergeworfen wird. Und weil jeder Teenie ein aiFohn haben muss, sich aber regulär nicht leisten kann, wird dieser Weg der versteckten Ratenzahlung gegangen. Denn natürlich werden die Kosten des aiFohns zum größten Teil auf die monatlichen Gebühren für die diversen Flatrates umgelegt. Nur merkt das kaum einer. Übrigens, liebe Teenies: Das ist der wahre Grund, warum ihr bzw. eure Eltern zwei Jahre lang an den Vertrag gefesselt seid!

Diese Variante ist verbreiteter als man glaubt. So wird einem heutzutage ein Gutschein hinterhergeworfen, der fast noch wertvoller ist als das Gerät, wenn man einen Laserdrucker kauft, gerne auch in Farbe. Die Dinger sind heute so preiswert, dass nur Dummies sich noch Tintenspritzer andrehen lassen. Wie aber kommt der Hersteller auf seinen grünen Zweig? Über die Toner-Patronen, die unverschämt überteuert sind. Denn das bisschen Toner, was in ihnen enthalten ist, kostet im wahrsten Sinne des Wortes Cents. Für die Kartusche legt man aber gerne einen zweistelligen Eurobetrag im oberen Bereich hin. Und so wird das Gerät mit einer Sonderkartusche ausgeliefert, die exakt so viel Toner enthält, dass man die 14 Tage Rückgaberecht ungenutzt verstreichen lässt. Dann aber kommt die Obsoleszenz so sicher wie geplant. Auch bei Tintenspritzerfans.

Und damit das alles so bleibt, sind nicht nur die Tonerkartuschen der Hersteller untereinander nicht kompatibel, sondern selbst die unterschiedlicher, häufig ansonsten baugleicher Geräte eines Herstellers. Und sie werden mit hohem elektronischem Aufwand „verschlüsselt“, damit nicht ein findiger User sie selbst nachfüllen kann. So lebt auch hier eine Branche als Schmarotzer, die man früher nicht kannte: die der Toner-Nachfüller. Ist man etwas risikofreudig gestrickt, setzt man sich über die verständlichen Warnungen des Originalherstellers hinweg und lässt die Kartuschen von solchen Trittbrettfahrern nachfüllen. Anfänglich was das noch richtig preiswert, als die Angst davor, Garantieleistungen zu verlieren, noch groß war. Nachdem aber immer mehr User Mut zum Risiko bekommen, weil die Geräte selbst ja so billig sind, ziehen auch hier die Preise an …

Das ärgert mich auch!

 

Foto: © Wilhelmine Wulff  / pixelio.de

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