Digital Natives

Generation Kopf Unten – Teil 4

18. August 2014

Die Digital Natives aus den Augen eines Digital Parents

Und nun versuche ich einmal, für interessierte Mitglieder meiner Generation das Internet aus der Sicht eines Mitglieds der Digital Natives zu beschreiben, so, wie ich es aus verschiedenen Gesprächen mit denen, aus verschiedenen Vorträgen dieser und aus verschiedenen ihrer Posts glaube verstanden zu haben.

Das Globale Dorf

Falls ich damit danebenliege, liebe junge Generation, denkt dran: Auch ich habe meine Filter, auch wenn ich hoffe, dass ich als „Digital Parent“, also einer, der in bescheidenem Umfang aktiv an der digitalen Revolution mitgearbeitet und damit mitgeholfen hat, den Weg vorzubereiten, den ihr heute gehen könnt, in dieser Hinsicht zumindest ein wenig geistig flexibler bin als die Meisten meiner Generation. So, wie es für Mann und Frau schwierig ist, sich „richtig“ in das andere Geschlecht hineindenken und -empfinden zu können, ist es für uns Alte nicht weniger schwierig, uns in Euch hineindenken und -empfinden zu können. Und umgekehrt wohl auch. Ich probiere es trotzdem.

Das Internet sind nicht die Egoshooter, Online-Filme zu jeder Zeit und Surfen bis zum Abwinken, auch wenn Werbung uns das suggeriert und wir es so sehen. Auch! Aber eben nicht nur. Und exakt das macht den Unterschied. Das Internet – das ist das Rückgrat der Welt.

Die Welt – das ist kein Dorf wie für uns. Ja, real ist sie das auch, da auch die Digital Natives nicht darum herumkommen, sich 13 Stunden in den Flieger setzen zu müssen, um nach San Francisco zu fliegen. Aber sie ist auch ein Haus. Mein Gegenüber sitzt zwar real in Australien und damit am anderen Ende der Welt – aber eben auch nicht: er sitzt auch im Zimmer nebenan, seine Tür ist 24/7 offen, ich kann auf der Metaebene jederzeit zu ihm gehen.

Und dieses Missverhältnis Realität – Metarealität führt sogar dazu, dass die reale Welt oftmals realistischer gesehen wird als von uns: So sehr Dorf, wie wir das empfinden, ist sie dann doch nicht, die Welt; denn 13 Stunden gegen wenige Sekundenbruchteile, wenn man jemandem „Hallo“ sagen möchte – einmal real, einmal metareal via Facebook, ist schon was!

Bei uns hieß die Alternative noch reale 13 Stunden gegen real mehrere Tage per Schiff und Bahn/Bus. Wenn man sich den Flug nicht leisten konnte, was damals nicht selten vorkam. Oder nur an die Ostküste. Auch das war etwas! Und so lässt sich vieles, was auf beiden Seiten unverständlich ist, vor dem jeweiligen Hintergrund der Erfahrung begründen und somit relativieren.

Mein Gegenüber ist kein Fremder für mich, nur weil ich ihn noch nicht real gesehen habe – ich weiß über Facebook, wie er aussieht, und ich habe mit ihm seit einiger Zeit intensiven Kontakt. Ich weiß, dass er lustig ist und, trotz anderer Sozialisierung, einen ähnlichen Humor hat wie ich: schwarzen, tief-schwarzen britischen Humor. Weil ich an einem Teil seines Lebens teilnehmen kann, weiß ich vielleicht sogar, was er für Freunde hat.

Das hilft mir, denn so kann ich ihn aus der Distanz besser einschätzen: Er ist nicht nur eine Stimme am anderen Ende der Leitung oder ein gesichtsloser Responder mit Briefkasten. Für das, was ich mit ihm gerade zu tun habe, muss er mir auf der Metaebene so nahe sein, dass ich sinnvoll das mit ihm tun kann, was ich gerade tun will – eben im Zimmer nebenan. Es wäre zwar schön, wenn er auch real hier wäre. Aber es ist kein Problem, dass er es nicht ist.

Die Welt – das ist keine Ansammlung von Ländern. Das ist nicht „Westliche Welt“, Ostblock oder Entwicklungsland. Das ist das Wohnzimmer im Haus. Hier treffen wir uns, wenn wir miteinander quatschen wollen. Über gemeinsame Hobbies reden, gemeinsam lästern oder einfach chillen. Im Kreis der Freunde. Der da hinten, z.B., der auf dem Sofa. Das ist James. Real sitzt der zwar in Alaska. Aber jetzt gerade ist er metareal hier bei mir. So wie Sophia, die sich real zurzeit nicht aus dem Haus traut, weil sie in Syrien Angst um ihr Leben hat. Aber jetzt, in diesem Moment, sitzt sie am Kamin da drüben. Kannst du sie sehen? Es ist die, die gerade mit Haruki spricht. Der kam heute etwas später, weil er real in Fukushima beim Aufräumen noch ein paar Probleme hatte. Macht nichts, jetzt ist er da. Und Corazon in Barcelona wird auch noch kommen. Die hat sich eben gemeldet. Sie kann real aus dem Büro noch nicht weg. Hey Leute, erzählt doch ’mal – wie geht’s euch? Was ist seit dem letzten Mal passiert? Und, Sophia, können wir dir helfen und, wenn ja, wie?

Die Metaebene, auf der man sich trifft, dieses Wohnzimmer, ist eigentlich nur ein notdürftiges Mittel, sich solange austauschen zu können, bis man sich endlich (wieder) in der Wirklichkeit sieht. Bei manchen erfolgt das aufgrund der räumlichen Nähe in der realen Welt schnell, bei anderen seltener, wenn weiter entfernt. Vielleicht auch gar nicht oder nur wenige Male im Leben. Denn das ist auch ein Fehlschluss von Vielen: Für die Digital Natives haben Unterhaltungen, Freunde, „Treffen“ über soziale Medien nicht einmal andeutungsweise die gleiche Bedeutung wie echte Treffen, echte Freunde und echtes Quatschen. Wäre es anders, würde man keinen einzigen Digital Native auf der Straße rumlaufen sehen. Es gibt somit eher einen Drang, sich real zu sehen als diese „Ja will ich schon, muss aber grade nicht sein“-Mentalität, die wir gerne unterstellen…

Man ist daher froh, dass man sich im Wohnzimmer treffen kann. Aber man würde die Leute viel lieber echt sehen – sich mit Corazon treffen, wenn sie nicht im Büro festsitzen würde, mit Sophia einen Cafe trinken gehen, wenn sie sich aus dem Haus trauen könnte, mit Haruki Sushi essen gehen – aber der muss in Fukushima seine Gesundheit aufs Spiel setzten. Wären alle diese Widrigkeiten, einschließlich der Distanz, nicht da, dann würde man sich im echten, realen Wohnzimmer treffen. Aber das geht grade nicht. Und deswegen nutzt man das metareale.

Unsere Großeltern und Eltern lehnten sich noch aus dem Küchenfenster, um Stunden lang mit dem Nachbarn zu tratschen – technisch hochgerüstet in Form von Kissen, die auf den unbequemen Fensterrahmen lagen. Ihre „Welt“ war die Stadt, in der sie lebten. Sie trafen sich zu Männer- oder Weiberabenden, kegelten oder kloppten Skat oder trafen sich zum Frühschoppen oder abends in der Kneipe. Von den auch heute noch gern gesehenen Schrebergärten ganz zu schweigen. Das war die Vorstellung von sozialem Verhalten unserer Eltern.

Wir machen das nicht mehr, weil das nicht unserer Auffassung entspricht. Wir haben nicht dafür demonstriert, nun das gleiche zu machen wie unsere Eltern. Unsere „Welt“ ist das „Dorf“, zu dem die Welt dank Globalisierung geschrumpft ist. Daher hängen wir am Telefon und/oder Mobile – technisch hochgerüstet mit Headset, um die Hände frei zu haben, und warten auf Emails. Wir treffen uns zum Bodybuilding, sauber nach Männlein und Weiblein getrennt, joggen oder walken northern oder treffen uns zum morgendlichen Cafe bei McStarBean & Co. zu unverschämten Preisen oder zur Afterwork-Party. Nur – sind das nicht andere, „modernere“ Varianten von genau dem, was unsere Eltern auch getan haben? Ist das wirklich etwas anderes als das früher praktizierte soziale Verhalten? Old business in new feathers!

Unsere Kinder machen das auch nicht mehr, weil das nicht ihrer Auffassung von sozialem Verhalten entspricht. Sie hängen im sozialen Netz herum, technisch hochgerüstet durch das jeweils neueste Smartphone mit den neuesten Apps. Ihre Welt ist komplex! Sie treffen sich teils metareal zu gemeinsamen workouts im gemeinsamen Trimmkeller des Hauses Welt, egal ob Männlein oder Weiblein, je nach Bedarf und Möglichkeit, teils zum realen Sporteln in realen Fitness-Studios. Und sie treffen sich zum morgendlichen Chat im Bistro des Hauses Welt oder zur Party nach der Arbeit in dessen Wohnzimmer. Aber auch real bei McStarBean und McKentuckyKing. Was gerade anliegt und möglich ist. Old business in new feathers!

Die Welt – das ist das Raumschiff Erde. Ein abgeschlossener Raum mit endlichen Ressourcen. Eine Kugel, die man physisch an einem Tag, virtuell in Sekundenbruchteilen umrunden kann. Haben unsere modernen Verkehrsmittel die Welt für meine Generation zum Dorf schrumpfen lassen, das allerdings immer noch Ortsteile genannt Länder und Blöcke besitzt, ist sie für die folgende Generation zu einer echten Einheit ohne „Grenzen“ geworden. (Doch auch hier gilt wieder die Metaebene: Real sind die da, metareal nicht.) Und gleichzeitig hat sich der Blick erweitert. Diese Generation ist sich der Notwendigkeit von Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bewusster als jede andere zuvor, meine eingeschlossen.

Und so erklärt sich, warum die Digital Natives so andere Werte haben, Werte, die mit einer Marktwirtschaft amerikanischer Machart, in der es um Macht, Geld und Ansehen geht, bei sehr Vielen nicht kompatibel sind. Es gilt sehr viel häufiger als bei uns nicht der Senator-Status bei Lufthansa und damit das Prestige des Viel- und Weitgereisten. Digital Natives fliegen auch. Aber ohne Status, gerne Last-Minute. Es gilt nicht der 5er-BMW vor der Villa und damit das Prestige des Reichen, Erfolgreichen. Digital Natives wohnen auch gerne hübsch und haben auch nichts gegen Autos. Aber es reicht, wenn überhaupt, ein Franzose, denn man teilt ein Auto lieber; und eine Wohnung in einem Szenestadtteil wie Berlin-Kreuzberg zieht mehr: Hier pulst das Leben. Es gilt nicht der Titel Senior Vice President und damit das Prestige des Mächtigen mit vielen Wasserträgern unter sich. Man arbeitet lieber in extrem flachen, möglichst keinen Hierarchien. Und man arbeitet lieber zusammen, nicht karrierefördernd gegeneinander.

Zwar gibt es auch in dieser Generation „Bonzen“, denen es nur auf Macht und Geld ankommt. Davon ausgeschlossen sind sogar noch nicht einmal Leute, die Facebook und ähnliches ersonnen haben. Und somit mehr als genug. Aber es scheint mir, dass das Verhältnis im Vergleich mit meiner Generation umgekehrt ist: Wenigen „Kapitalisten“ stehen viele „Sozialisten“ gegenüber, wobei das nicht politisch aufzufassen ist. Wichtig ist den Digital Natives James. Wenn der viel fliegt, dann weil sein Job es erfordert, nicht um vor dem Flug in der Lunge kostenlos essen und trinken zu können und ggf. ganz oben auf der Stand-by-Liste zu stehen: Man hat seine Wasserflasche, nicht unbedingt von Aldi sondern durchaus Marke (!), immer im Rucksack dabei. Wichtig ist Haruki. Wenn der einen 5er-BMW fährt, dann weil das sein Arbeitsplatz ist, in dem er die meiste Zeit verbringt. Und wer arbeitet schon gerne in einer Abstellkammer? Für einen selbst reicht das Fahrrad. Wichtig ist Corazon. Und wenn die CEO eines Unternehmens ist, dann weil das ihre rechtlich relevante Funktion im Unternehmen ist, nicht das Attribut eines Silberrückens. Und die schaut nicht auf einen herab, weil man Sachbearbeiter ist. Und wichtig ist Sophia – und wie man ihr in ihrer beschissenen Situation helfen kann.

So funktioniert diese Generation! Und je mehr Unterstützer sie bekommt, desto unwahrscheinlicher wird Krieg! Denn: wozu? Wer verwüstet gerne sein Schlafzimmer oder das des Freundes nebenan – real oder metarreal? Das Problem Nordirland löst sich auf. Denn wenn keiner mehr, weil er gerade mit seinen Freunden metareal unterwegs ist, an den realen Prozessionen teilnimmt, die bornierte Ewiggestrige seit Jahrhunderten und über Gewohnheitsrecht legitimierend durchführen, nur um zu zeigen, wer Macht hat, sterben diese Prozessionen sang- und klanglos aus. Weil keiner mehr Macht über andere haben will. Und Religion? Ist doch vollkommen egal, wie gekleidet der/die da gerade vor seinem Smartphone hockt, wenn er/sie mit mir chattet. Er/sie schwitzt doch bei diesen hochsommerlichen Temperaturen, nicht ich! Verkehrserzieher, die einen durch betont akkurate Fahrweise geschickt versetzt zum Nebenmann auf der rechten Spur davor schützen, ein Knöllchen wegen überhöhter Geschwindigkeit zu bekommen, habe ich in der jungen Generation bislang nicht erlebt. Die gehören meiner frustrierten an.

Genau das ist das „Gefährliche“ an dieser Generation. Genau aus diesem Grunde haben Machtbesessene wie Erdogan, Putin und Xi Angst. Dass sie einmal, in nicht allzu ferner Zukunft, von der Gewalt dieser Idee, dieser Lebensphilosophie überrollt werden könnten. Ansätze sieht man bereits, daher auch die Heftigkeit der Reaktionen in der jüngeren Vergangenheit. Das ist der Grund, dass das Internet dort verboten oder streng zensiert wird. Blanke Angst.

Wer die Welt als sein Haus auffasst, neigt nicht dazu, es zu zerstören. Wer Menschen anderer Länder als Freunde in seinem Haus hat, will denen nichts böses, und deren Freunden auch nicht. Wenn es keine Grenzen gibt, wozu dann Krieg? Wenn Religion und ihre Rituale, auch wenn sie vorgeschoben werden, keine Rolle spielen, warum sich dann gegenseitig umbringen? Wenn eine Gesellschaft in der Lage sein wird, Kriege zu beenden, dann eine wie die Digital Natives. Aber nicht wir! Wir denken zu sehr in Kategorien wie Macht, Geld und Einfluss…

Endloses Wachstum

Die Welt – das ist kein Ort, an dem unendliches Wachstum möglich ist. Das Wirtschaftmodell meiner Generation basiert auf ewigem Wachstum. Da das widernatürlich und daher unmöglich ist, muss ein Kunstgriff angewendet werden. Und der heißt: Geplante Obsoleszenz. Das sind die fest eingelöteten Akkus in elektrischen Zahnbürsten, die nicht austauschbar sind. Die Lebensdauer der Zahnbürste wird dadurch definiert durch die Lebensdauer des Akkus, nicht des Motors oder gar der Plastikhülle. Und so hält eben eine elektrische Zahnbürste nicht ein Leben lang, was zu einem Plateau, der sog. „Marktsättigung“ führte, sondern exakt die zwei bis drei Jahre, die übliche Li-Ionen-Akkus prinzipbedingt heute leben. An dieser Praxis sieht man die Macht der wenigen „Endprodukthersteller“ wie Braun: Dem Zulieferer wäre komplett egal, ob er den Zahnbürstenmotor Braun für immer neue Zahnbürsten zur Verfügung stellt oder dem Käufer zwecks Austausch im Falle des Ablebens irgendwann. Da Braun aber einen Motortausch unmöglich macht, weil zuvor der Akku ausgefallen ist, was zur Entsorgung auch des noch intakten Motors führt, ist er vollständig abhängig von Braun und dessen „ewigem Wachstum“.

Geplante Obsoleszenz, das sind die Elektrolyt-Kondensatoren, kurz Elkos, in den Flatscreen-Monitoren, die nach drei Jahren den Geist aufgeben. Die zu wechseln erfordert aber entweder Erfahrung mit Lötkolben und Lötzinn, was wohl kaum ein Monitorbesitzer heutzutage hat, oder viel Geld für die Fachwerkstatt. So viel, dass man sich gleich das neue Nachfolgemodell kaufen kann. Die aber, die mit Lötkolben umgehen können, „kaufen“ sich für wenige Cent, die die Elkos kosten, einen neuen Monitor. Gewollt ist das aber nicht, da zu nachhaltig und damit gegen ewiges Wachstum gerichtet. Nun passiert zweierlei: Das Monitorgehäuse ist nicht mehr verschraubt, sondern mit leicht abbrechenden Plastikzungen zusammengesteckt, manchmal gar verklebt; öffnen kann man es nur, indem man diese Zungen abbricht. Und es lockt der Nachfolgemonitor mit einer neuen, höheren Auflösung zum Preis des alten. Wer sich blenden lässt, tappt in die Falle: Die Graphik-Karte unterstützt diesen Modus nicht, muss also, obwohl intakt, auch ausgetauscht werden.

Geplante Obsoleszenz, das sind die Farbkartuschen, die mit neuen Farblaserdruckern verkauft werden. Oder auch die schwarz-weißen. Oder auch die Tintenpatronen der Tintenspritzer. Sie reichen exakt so lange, bis die Rückgabezeit für den Drucker abgelaufen ist. Danach müssen sie gegen reguläre ausgetauscht werden. Und die kosten mehr als der ganze Drucker. Das heißt: Druckerhersteller von heute sind eigentlich keine Druckerhersteller mehr, sondern Kartuschenhersteller. Damit wird das Geld gemacht. Der Drucker ist nur noch Mittel zum Zweck. Und damit kluge Endanwender nicht auf die umsatzzerstörende Idee kommen können, die billigeren Kartuschen des Wettbewerbers oder von sich darauf spezialisierten Billiganbietern in den Druckern des Herstellers zu verwenden, wird mittels komplizierter Technologie dafür gesorgt, dass das nicht möglich ist. Und nicht nur das: Sie dürfen auch nicht kompatibel zum Vorgänger- oder Nachfolgemodell, häufig ansonsten praktisch baugleich, sein. Denn das wird jeweils, weil neue Features besitzend, etwas teurer verkauft mit dem Ziel, die neuen Kartuschen noch teurer verkaufen zu können. Braucht man nur noch eine Möglichkeit, den Preis der Kartuschen durchzusetzen, kostet das bisschen Toner doch im Einkauf nur Cent. Und das ist, sie mittels Hightech, Chips und Kryptologie inkompatibel zu allem zu machen, was auf dem Markt sonst noch so ist. Und wir kleinen Doofis finanzieren gerne und bereitwillig diese perverse Form von Wirtschaft.

Meine Generation also generiert ewiges Wachstum, indem sie die Ressourcen aller nachfolgenden Generationen sinnlos und egoistisch verprasst. Meine Generation ist die Wegwerf-Generation; die, die sich keinerlei Gedanken macht, was nach ihr passiert: nach mir die Sintflut; die, die auf Kosten derjenigen lebt, die nach uns kommen. Warum ist das so? Ein großer Anteil liegt vermutlich daran, dass bei uns das „Singledasein“ eine durchaus häufige Form der Lebensgestaltung geworden ist. Keine Familie, um die man sich kümmern muss; keine Nachkommen, die einen in der Entfaltung der eigenen Freiheit und Lebensweise stören, den eigenen Konsum einschränken, das eigene Leben beeinflussen; denen man etwas hinterlassen muss, und sei es nur eine saubere und ressourcenhaltige Umwelt; das Ich zählt. Passend zum Wirtschaftssystem. Und wenn ich tot bin – was kümmert mich der Rest? Und so haben wir auch im privaten Leben, was wir beruflich umsetzen: Das Denken in Quartalen, in One-Night-Stands, um unser Leben zu optimieren. Unser Leben, nicht das der Gesellschaft. Die Börse macht’s vor.

Die Digital Natives haben die Sinnlosigkeit dieses Handelns verstanden! Scheint mir. Und daher sind Neuerungen wie das Sharing-Konzept, das eng mit dieser Generation verbunden ist, eine logische Konsequenz. Oder die aus dem Boden schießenden „Häuser der Eigenarbeit“, in der Lötkolbendummies wie ich unter fachmännischer Anleitung von Aussteigern meiner Generation, aber auch von sehr vielen jungen Menschen mit entsprechender Einstellung lernen, Elkos in Monitoren und Akkus in Zahnbürsten zu tauschen. Weil ich einfach keine Lust mehr habe, diesem Wahnsinn weiter zu folgen. Nicht, dass ich mir das nicht leisten könnte! Ich will es mir einfach nicht mehr leisten, weil es so sinnlos und eigensüchtig ist. Und so habe ich meine Liebe zu Kartuschenfüllern entdeckt. Richtig sparen tut man da inzwischen auch nicht mehr; aber es ist nachhaltiger. Und folgt damit (m)einer Lebensphilosophie! Alle drei Jahre ein neues Auto – wozu? Damit der Nachbar neidisch ist? Bin ich so tief gesunken, dass mich das aufgeilt?

Die Digital Natives haben das erkannt. Von ihnen stammen die neuen Berufe und Geschäftsmodelle, die auf Nachhaltigkeit setzen – nicht von uns; wie z.B. besagte Tonernachfüller, die die Druckerpatronen hacken, um sie nachfüllbar zu machen. Oder die Fahrradläden, in denen man einzelne Pedale erwerben kann, weil sie kaputte Fahrräder ausschlachten. Die Sharing-Portale, auf denen nicht nur Autos geteilt werden können, sondern auch Geschirr, Kleider … und, man möchte es fast nicht glauben: schicke Damenschuhe! Trotz Zalando & Co.  Sie waren es, auch wenn es inzwischen einige von uns gibt, die auf den Zug aufspringen und diesen in typischer kapitalistischer Art für sich nutzen wollen.

Nachhaltigkeit

Während meines Studiums wollten wir irgendwann den Aufenthaltsraum neben unserem Labor technisch aufrüsten. Dazu brauchten wir einen Kühlschrank. Geld dazu bekamen wir von der Verwaltung nicht bewilligt. Aber im Studentenwohnheim stand ein alter Bosch. Der funktionierte nur nicht mehr, wie uns gesagt wurde. Trotzdem nahmen wir ihn mit. Es stellte sich heraus, dass er sehr wohl tat, allerdings aufgrund morscher Dichtungen sehr schnell vereiste.

Das Ding musste irgendwann direkt nach dem Krieg gebaut worden sein. Und so war es fraglich, ob wir die Dichtungen überhaupt noch bekommen würden. Umso erstaunter war ich, als ich mein Anliegen der technischen Hotline, damals noch per Telefon, unterbreitete und die einzige Frage war: Haben sie die Seriennummer? Hatten wir, da das Typenschild noch lesbar war. Und siehe da: Unter Einsatz von damals 5 DM kamen wir noch am gleichen Nachmittag zu einem neuen Kühlschrank, der vermutlich noch heute funktioniert.

Das kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten. Denn heute geht es um Gewinnmaximierung, und Nichtverkauf durch Langlebigkeit steht dem im Wege. Fragt sich nur, warum es damals klappte. Antwort: Weil damals diese Geldgeilheit noch nicht herrschte, die heute unser Leben bestimmt.

Und wenn ich die Signale richtig deute, scheinen wir mit den Digital Natives wieder dorthin zu kommen oder zumindest in die Nähe kommen zu können. Denn wie würden die das Problem lösen? Per Eigenarbeit und gegenseitiger Hilfe, per Aufdeckung der Missstände online, nötigenfalls mit shit storms und ggf. auch Anonymous und, wenn alles nichts hilft und es um etwas Wesentlicheres als einen Kühlschrank geht, mittels crowd funding – auch eine Erfindung der jungen Generation; nicht denkbar, dass einer meiner darauf gekommen wäre. Denn bei crowd funding gibt’s kein return of investment. Das winkt erst ab dem crowd investing; und wer hat das wohl erfunden…?

Es wird also Zeit, dass die ich-bezogene Generation Schwanz Hoch zugunsten der sehr viel solidarischeren Generation der Digital Natives abdankt.

Generation Kopf Unten – der Begriff entstand aus der Beobachtung, dass ihre Mitglieder zu den meisten Zeiten, an denen man sie sehen kann – im Bus oder Zug, auf dem Marktplatz oder im Kaufhaus, im Cafe oder Restaurant – immer die Smartphones in den Fingern haben und kryptische Bewegungen mit ihnen ausführen. Was machen die da dauernd? Spielen! Daddeln! Sinnloses Zeug.

Falsch! Sie unterhalten sich gerade mit ihrem Kollegen im metarealen Nebenzimmer oder quatschen mit einem Freund im metarealen Wohnzimmer des Hauses Welt. Und wenn das nicht, dann, glücklicherweise, spielen sie, daddeln und machen sinnloses Zeug.

Kein Mensch würde von einem Mitglied meiner Generation, der sich mit einem Kollegen im realen Büro nebenan oder der realen Kantine unten unterhält, zur Generation „Tratschen“ rechnen, obwohl die doch dauernd reden. Kein Mensch spricht von Generation Quasseln, wenn deren Mitglieder dauernd am Telefon hängen – im Bus, im Flugzeug, auf der Straße mit Headset. Oder auch ohne. Da ist man Generation Wichtig. Wenn das nicht, sitzen sie da und haben ihren Kopf in der Schmuddelpresse – Generation BILDe Dich. Und wenn man sie dann einmal betrachtet, wenn sie sich am Arbeitsplatz unbeobachtet fühlen – dann spielen sie am Computer, daddeln und machen sinnloses Zeug. Und besuchen die Schmuddel-Websites, die sie zuhause nicht besuchen (dürfen).

Warum messen wir mit zweierlei Maß? Nur weil wir nicht verstehen, wie die Gesellschaft der jungen Generation funktioniert!

Das Internet? Das ist keine Sammlung von Tools, die einem die tägliche Arbeit erleichtern. Klar, auch die Digital Natives nutzen sie, aber sie finden sie nicht, wie wir, cool, sondern selbstverständlich. So selbstverständlich wie wir das eigene Auto, und, damals, die IBM-Kugelkopf, ohne groß darüber nachzudenken und, vor allem, sich daran aufzugeilen, wie sehr sich doch die Welt vereinfacht hat. Es ist kein Hightech-Kaffeekränzchen, keine Hightech-Zeitung, keine Hightech-Bibliothek. Es ist der Träger einer Gesellschaft, die keine Ländergrenzen kennt, keine Ressentiments, keine Distanzen, keine Zeitzonen, keinerlei Begrenzungen in Raum und Zeit. Einer Gesellschaft, der es nicht darauf ankommt, dass man Geld, Macht und Ruhm hortet – in dieser Reihenfolge – in der Hoffnung, sich damit Freiheit zu erkaufen. Diese Gesellschaft, sofern ihre Mitglieder nicht im gleichen Gefängnis wie wir gefangen sind – Macht, Einfluss und Geld – ist frei, weil sie sich dank Facebook und Twitter befreit hat! Sie ist so frei, dass sie es sich erlauben kann, nach eigenen Vorstellungen zu leben. Und exakt das tut sie.

Für uns Alte ist das Internet toll, grandios, unentbehrlich. Oder widerlich. Gefährlich! Für sie ist es da. Punkt. Setzen wir uns ganz selbstverständlich in unseren Porsche SUV, um Brötchen beim Bäcker zu holen, der seinen Laden wenige Hundert Meter weiter hat, ist das für uns heute normal – eine Selbstverständlichkeit, die unsere Elterngeneration auch nicht nachvollziehen konnte, und viele der jungen Generation auch nicht mehr. Und so holen die Jungen ganz selbstverständlich ihr Smartphone aus dem Schlafmodus, um darauf herum zu wischen. Das ist normal: Sie kennen die Welt nicht anders. Wenn uns das aufregt: Liegt die Schuld bei denen – oder vielleicht doch bei uns? Haben unsere Eltern die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir mit dem Porsche Brötchen holen, haben wir die Voraussetzungen für Smartphone & Co. geschaffen. Also, liebe Generationskollegen, etwas mehr Zurückhaltung, bitte!

Können wir uns nicht bis in letzte Konsequenz vorstellen, was man mit dem Internet alles machen kann, können sie sich nicht vorstellen, wie es ohne gehen könnte. Man mag das als Problem, als Fehler ansehen, sich in eine solche weitgehende „Abhängigkeit“ zu begeben. In Wirklichkeit ist es das nicht: Denn diese Generation ist nicht doofer als wir. Und wenn wir in der Lage waren, Probleme zu lösen, die letztlich das Internet gebaren, so werden sie in der Lage sein, Probleme zu lösen, sollte das Internet einmal nicht da sein. Denn auch wir haben uns in Abhängigkeiten begeben: Ich konnte bei meinen ersten Autos noch das Gemisch per Schraubenzieher selbst einstellen und die Standlichtbirnchen wechseln…

Die Digital Natives sind frei!

Man sagt, Twitter, Facebook und YouTube hülfen Menschen, in totalitären Systemen ihr Recht auf Freiheit durchzusetzen. Dann kommen Beispiele wie Iran, Ägypten, Libanon usw. Das Internet als Sammlung von Tools, von Werkzeugen für die Freiheit. Ja, für meine Generation, gesehen durch unsere Filter.

Die Digital Natives sehen das anders. Sie sind schon ein einem Punkt angekommen, den meine Generation niemals erreichen wird: Eine Welt ohne Grenzen. Es interessiert nicht, wo du physisch bist. Es interessiert nur, wo du gerade sein willst. Und so kann sich jeder, der das will, aus seiner aktuellen Umgebung in Bruchteilen von Sekunden in eine Umgebung beamen, in der er die nächste Zeit verbringen will. Mit seinen Freunden. Nicht virtuell, sondern metareal!

Das heißt: Wer in Iran, Ägypten und Libanon gegen die Digital Natives vorgeht, geht gegen alle Digital Natives dieser Welt vor. Daher auch die länderübergreifenden Reaktionen. Wir schimpfen und haben Angst, dass das auf uns, in der Bedeutung auf unseren Wohlstand, Auswirkungen haben könnte. Unser erster Blick, wenn irgendwo auf der Welt wieder einmal ein System explodiert, geht – an die Börse: Wie reagiert die darauf? Und danach richten wir unser Handeln aus. Putin und Obama brechen herrschendes (Völker-)Recht, und geben das sogar auch noch zu! George Bush Junior wusste noch nicht einmal, was das ist! Und was tun wir? Nichts – denn wir sind mit denen ja wirtschaftlich eng verbunden. Täten wir etwas, würde die Börse laut aufschreien. Also lassen wir es. Und so schlängeln wir uns zwischen Kommerz und schlechtem Gewissen durch.

Das Internet ist viel schlimmer, als wir digital Naiven uns das in unseren schlimmsten Vorstellungen ausmalen! Nicht wegen Schmuddel-Websites, Phishing, Spams und Pornos. Das sind nur Tools. Denn durch die weltweite Verbindung hat sich, länderübergreifend, eine von uns aus Arroganz nicht ausreichend zur Kenntnis genommene Generation gebildet, die vollkommen anders reagiert als unsere, und deren Träger das Internet ist.

Ich höre Kommentare wie: »Das ist doch aber eine virtuelle Welt, keine reale!« Glauben wir denn ernsthaft, in einer „realen Welt“ zu leben? Was an unserer Welt ist denn real? Vielleicht sollten wir uns einmal etwas intensiver und unvoreingenommener mit Platons Höhlengleichnis auseinandersetzen. Dann würden auch wir sehen, wie real die Welt ist, in der wir leben. Denn wir alle nehmen sie nur über sehr individuelle Filter und damit sehr eingeschränkt und persönlich anhand persönlicher Erfahrungen und Erkenntnissen wahr. Wir können nicht anders, die Evolution hat unser Gehirn und wie es arbeitet auf diese Weise optimiert. Unsere reale Welt ist alles andere als real! Ähnlich real wie die im Flugsimulator: Wir sehen, was wir glauben zu sehen! Es gibt Dutzende höchst ernüchternde Untersuchungen, die das zeigen. Das fängt mit Sinnestäuschungen an und hört bei unserem Gedächtnis auf: In der Kriminalistik gilt keine Spur als unsicherer als die Aussage eines sich sicher seienden „Augenzeugen“.

Und wenn wir uns an dieser Stelle darauf einigen können, dass wir uns alle nur in einem Abbild der realen Welt bewegen, dann geben wir damit gleichzeitig zu, dass wir alle in einer virtuellen Welt leben. Wenn wir aber so weit sind, kommt es auf den Grad der Virtualität nun wirklich auch nicht mehr an.

Man müsste Bedenken haben, wenn sich alle Digital Natives nur noch im Zimmer vergraben und dieses, dank Pizza-Service, Ebay und PayPal nicht mehr verlassen, um sich in ihrer Virtualität zu verlieren. Am Anfang des Internet-Booms und den sich entwickelnden Nerds mit Ballerspielen mag das auch so gewesen sein. Wer aber das immer noch annimmt, hat die Entwicklung seither (erneut) verschlafen. Sie tun es nämlich nicht, zumindest umso weniger, je jünger sie sind! Sie treffen sich durchaus physisch mit Freunden, gehen in Kneipen und Bars, in Freibäder und Parks – immer das Smartphone und damit die metareale Erweiterung ihrer Welt dabei. Na und?

Und so ist eine Konsequenz, die man aus diesen Betrachtungen ziehen sollte, diese: Wer verächtlich auf die Generation Kopf Unten schaut und ihr vorwirft, lebensuntauglich zu sein, weil sie den ganzen Tag im Internet hängt, beweist, dass in Wahrheit er lebensuntauglich ist. Da er nicht in der Lage ist, aus dem Gefängnis, das seine vermeintlich reale Welt darstellt, auszubrechen. Da er arrogant genug ist, anzunehmen, dass sein Bild von der Welt das ist, was für alle anderen auch zu gelten hat.

Aber er wird lernen müssen, dass das nicht so ist. Denn in wenigen Jahren wird Generation Kopf Unten es sein, die ihm im realen Altersheim mit seinen realen Grenzen, ohne reale Freunde und Familie, ganz real den Hintern putzt. Und spätestens dann, wenn er mental noch dazu fähig sein sollte, wird er sich fragen, warum die diesen Scheiß-Job so froh und gelassen tun. Und er wird nicht wissen, dass der Grund ist, dass sie sich anschließend wieder in ihrem metarealen Wohnzimmer treffen, über den komischen alten Sack tratschen und ihn dann einfach vergessen. Bis zum nächsten Tag.

Respekt vor dem Anderen

Aber es gilt auch das Folgende.

Liebe Digital Natives, Ihr habt ein Recht auf Verständnis und Respekt. Beides bekommt leider (noch) nicht in dem Maße, wie Ihr es verdient hättet. Das aber bedeutet nicht, dass auch Ihr im Gegenzug ebenso verständnis- und respektlos sein dürft.

Es ist mir vollkommen egal, was Ihr tut, wenn Ihr unter Euch seid. Wenn Ihr, was ich schon beobachtet habe, zu Viert in einer Pizzeria am Tisch sitzt und Euch per Facebook abstimmt, was Ihr bestellen wollt. Und das einzige Mal, dass man Eure Stimmen hört, beim Bestellen der Pizze und bei Ordern der Rechnung ist. Für mich bekloppt und nicht einmal albern, falls es das sein soll. Wenn aber das die Art sein sollte, wie Ihr miteinander umgehen wollt: Bitte, das ist ganz allein Eure Sache und Eure Gesellschaft mit Euren Regeln. Und so habt den Kopf unten in Bus, Bahn, Cafe, bei McKentuckyKing, wo auch immer.

Wenn ich Euch in Bahn oder Bus auf Euren Smartphones herumwischen sehe, muss ich grinsen. Denn es sieht auch nicht anders aus als wenn sich ebenda Mitglieder meiner Generation hinter der Bildzeitung verstecken. Die wischen nur nicht, sie blättern! Also alles beim alten!

Wenn Ihr aber in irgendeiner Weise in einer Situation seid, in der Ihr nicht alleine unter Euch seid, so ist es nicht mehr allein Eure Sache. Dann müssen Mechanismen greifen, die generations- und gesellschaftsübergreifend zu gelten haben: Respekt und Verständnis vor dem und für den jeweils Anderen. Genauso wenig, wie Ihr Euch von uns vorschreiben lassen wollt, wie Ihr zu leben habt, wollen wir es uns von Euch vorschreiben lassen. Das haben unsere Eltern schon vergeblich versucht.

Konkret bedeutet das: Sobald die beiden Teile unserer Gesellschaft, und ich hoffe, wir bilden auch in Euren Augen immer noch eine Gesellschaft, etwas mit einander machen – sei es, im familiären Kreis zusammen ins Kino/Theater oder Concert/Konzert gehen, sei es in der Öffentlichkeit zusammensitzen oder sei es auch später einmal, wenn wir, wie auch immer, von Euch abhängig sein sollten so wie Ihr alle einmal von uns abhängig wart – hat zu gelten: Es ist Rücksicht auf den jeweils anderen zu nehmen.

Und das bedeutet: Das Smartphone kann auch einmal die Stunde oder zwei, die der gemeinsame Event dauert, ausgeschaltet oder zumindest unbeachtet bleiben. Falls Ihr nicht wisst, mit welchem Button das geht, zeige ich Euch den gerne: Ich bin Digital Parent. Denn auch wenn Euch mit dem Begriff „Generation Kopf Unten“ Unrecht getan wird – er kommt nicht von ungefähr. Und so seid Ihr in gewissem Maß selbst dran schuld, dass Ihr entsprechend wahrgenommen werdet.

Im Gegenzug werdet Ihr hoffentlich auch ein wenig mehr Respekt erfahren. Wenn nicht, klagt den ruhig ein, Ihr habt ein Recht darauf!

Ich erlaube mir, das so deutlich zu sagen, da ich für mich in Anspruch nehme, Euch Eines aufgrund meines Alters vorauszuhaben: Ich kenne beide Seiten. Die des „Revoluzzers“ und die dessen, der sich heute mit „Revoluzzern“ konfrontiert sieht. Und mit diesem Wissen sage ich Euch: Auch Ihr werdet in die Situation kommen, Euch mit einer unverständlichen und unverstandenen Generation, Eurer Nachfolgegeneration, auseinandersetzen zu müssen, die alles anders macht, alles besser – und trotzdem genauso unwesentlich unterschiedlich ist von Euer wie Ihr es von meiner seid. Und daher ist, seit Jahrhunderten, das verbindende Element der Respekt vor dem Anderen. Schön, wenn dann auch noch versucht wird, ihn zu verstehen.

Generation Kopf Unten – für mich seid Ihr die „Generation Zukunft“! Ich warte darauf, dass Ihr uns endlich ablöst, damit wir eine bessere weil menschlichere Zukunft haben. Denn Eure Gesellschaft ist, wenn meine Wahrnehmung stimmt, mir bedeutend lieber als meine. Auch, wenn ich sie nicht vollständig verstehe. Aber ich bin lernfähig. Denn meine verstehe ich inzwischen leider nur zu gut.

 

© Foto Jerzy Sawluk  / pixelio.de

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