Digital Natives

Generation Y – Die Zombies

15. September 2014

Zum Thema „Freie Meinungsäußerung“

Ein Freund schickte mir heute einen Link: welt.de/debatte/kommentare/article132237544/Die-Jugendlichen-von-heute-wirken-wie-Zombies.html. Nun ja, dachte ich, das Thema hatte ich ja schon vor Kurzem (siehe „Generation Kopf Unten“ in diesem Blog). Und so packte ich die Gelegenheit beim Schopf, einen Kommentar zum Kommentar abzugeben. Denn der stinkt zum Himmel, vor allem in der Pauschalität, in der er abgegeben wurde.

Werbung in eigener Sache?

In meinem Kommentar, den ich nur noch sinngemäß wiedergeben kann, da ich nicht mit einer Zensur durch „Die Welt“ gerechnet hatte (ích lerne daraus und lege ab jetzt Sicherungen an!), fragte ich, ob die durch den Autor Oliver Jeges, 32 und damit selbst der Generation Y angehörig, vertretene Meinungsäußerung ggf. nur eine Werbeaktion für sein Buch sein könnte (»Der Autor, 32, ist Urheber des Begriffs „Generation Maybe“. Mit einem Artikel in der „Welt“, der auf Facebook fast 100.000-mal geteilt wurde, sorgte er 2012 für eine Debatte über das Selbstverständnis der heutigen Jugend. 2014 erschien sein gleichnamiges Buch „Generation Maybe“.« Siehe Link) oder für das Buch seines Protagonisten, das er als Anlass für seinen Kommentar heranzog (»In dem verfilmten Roman „Warm Bodies“ des 1981 geborenen Autors Isaac Marion …«) Denn irgendwie stieß es mir auf, dass in diesem Kommentar die Jugendlichen von heute mit „Zombies“ verglichen werden.

Keine Werbung in eigner Sache!

Da ich mich in den letzten Jahren sehr ausführlich mit der Generation Y auseinandergesetzt hatte, wollte ich das nicht unkommentiert lassen. Und da meine Erkenntnisse nicht in wenigen Worten innerhalb eines Kommentars darzustellen sind, verwies ich auf die Beiträge „Generation Kopf Unten“ in diesem Blog. War das auch nicht andeutungsweise als Werbung in eigener Sache gemeint, könnte aber zugegebenermaßen der Eine oder Andere auf diese Idee kommen. Nur selbst wenn es so wäre – warum nicht auch ich, wenn es Jeges ja auch tut? Nur weil er Autor bei der Welt ist, ich nicht? Das ist scheinheilig!

Keine Kritik, bitte!

Ich äußerte auch Kritik zum einen oder anderen Kommentator des Kommentars. Wenn z.B. zwei Steuerberater sich in fast schon diskriminierender Weise über die junge Generation äußern: »Was da an „Unternehmern“ nachkommt..ein Graus..nichtmal den Anstand, das „SMARTphone“ (was auch das einzig smarte am Besitzer ist) während der Besprechung auszuschalten und dann auch noch rangehen, wenn´s klingelt. Keine Ahnung von Grundlagen der Unternehmensführung, aber den großen Zampano raushängen lassen und teure Autos leasen. Unternehmerisch komplett planlos, aber Hauptsache, immer den neuesten „post“ aller Freunde kennen. So etwas kenne ich von alten Unternehmern nichtmal ansatzweise und von denen in meiner Generation auch nicht. Die aus meiner Generation sind zwar schon semi-infiziert vom technischen Schnickschnack, aber zumindest nicht brainwashed.« (Siehe Link, falls er noch bestehen sollte…) Und der andere: »Danke, Herr Berufskollege, für die treffende Einschätzung. Es deckt sich zu 100% mit meinen Beobachtungen. Ergänzen möchte ich noch die Zunahme von Neid und „Steht-mir-zu-Mentalität“. Denn genau das wird von Kindesbeinen an vermittelt. Ich habe Anspruch auf alles, was andere auch haben. Arbeiten will und muss ich dafür nicht unbedingt, denn das macht man ja nur, wenn es auch Spaß macht. Macht es aber nicht immer… Frustrationstoleranz ist das, was die nachkommende Generation nicht lernt. Und genau da liegt das Problem«

Und so fragte ich lediglich, wer denn die Unternehmer meiner Generation dabei unterstützt hat, die Situation mit Börse, Leergeschäften und Nanodeals herzustellen, die heute herrscht: Doch wohl auch die Steuerberater. Sie tragen in meinen Augen durchaus Mitschuld an der gesellschaftlichen Schere.

Moderation

»Die Moderation der Kommentare liegt allein bei DIE WELT. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt.« So steht es in dem Link.

Ich stelle fest: ich habe niemanden beleidigt oder beschimpft, schon gleich gar nicht direkt und/oder namentlich – wenn man als Kriterium heranzieht, was andere, veröffentlichte Kommentatoren so geäußert haben. Vielleicht fühlt sich Herr Jeges persönlich gekränkt. Das täte mir leid, denn das wäre nicht meine Absicht gewesen. Er sollte sich dann aber fragen, ob er als Autor einer Zeitung geeignet ist. Denn als solcher ist er eine öffentliche Person, die zu Kritik fähig sein sollte, wenn sie selbst – und vor allem in dieser Weise: Zombies! – Kritik übt.

Freie Meinungsäußerung

Vielleicht überlegt es sich Die Welt ja noch einmal und fügt meinen Beitrag doch noch ein – nur damit die Leser selbst entscheiden können, ob meine kritischen Kommentare so beleidigend oder beschimpfend waren, dass sie durch die „Moderation“ entfernt wurden. Sie wird es nicht, denn dann gäbe sie ja Zensur zu…

Bei mir bleibt ein bitterer Geschmack übrig. Egal, was der Kommentar sollte – Promotion des Buchs des Autors, seines Protagonisten oder schlicht Duftmarken, die er setzen wollte: Ein Glanzstück von Demokratie und gelebter Freier Meinungsäußerung ist dieses Verhalten von Die Welt sicherlich nicht!

Und es bleibt das „Gschmäckle“, dass Die Welt hier lediglich Promotor des neuesten Buchse eines ihrer Kommentatoren ist. Verkauft es sich tatsächlich so schlecht, Herr Jeges, dass Sie das nötig haben?

 

Foto: pixabay.com/de/

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