Gesellschaft

Islamisierung des Abendlandes

27. Januar 2015

Vor ein paar Monaten

Berlin. Es ist spät geworden. Ich trete aus dem Haus, verabschiede mich von meinen Gastgebern. Mist. Es schneit. Und es ist kalt. Ich laufe zur Endhaltestelle einer Buslinie, weil ich nicht genau weiß, wann der letzte Bus fährt. Nur so ungefähr.

Geschafft. An der Haltestelle steht niemand. Ein Bus parkt 50 Meter weiter. Hoffentlich ist das der, den ich nehmen will. Und muss, wenn ich noch ins Hotel zurück möchte.

Ich studiere den Fahrplan, der an der Haltestelle aushängt, ohne wirklich aus ihm schlau zu werden. Manchmal frage ich mich, für wen die solche Pläne machen. Für die Passagiere kann das nicht sein. Fährt nun der reguläre Bus? Oder doch eine Nachtlinie? Und, wenn ja, von wo?

Der Schnee liegt unangenehm auf meinen Haaren, taut, läuft mir nass den Rücken herunter. Kälte kriecht an meinen Beinen hoch.  Also gehe ich die 50 Meter weiter zu dem Bus, der dort wartet. Der Fahrer, ein typischer Berliner und aufgrund laufender Standheizung im Warmen, liest eine Zeitung; er BILDet sich seine Meinung. Glückwunsch!

Ich klopfe an die Scheibe. Erst nachdem er mir dreimal kopfschüttelnd kund getan hat, dass er nicht bereit ist, seine Lektüre zu unterbrechen, was aber ob meiner Hartnäckigkeit nicht fruchtet, öffnet er die Tür und funkelt mich hasserfüllt an. Kein Wort des Grußes.

Dann eben von mir! Ich fragt ihn, ob dies der letzte Bus sei. Seine Antwort: »Ja«. Ob ich einsteigen darf? »Nee«. Ohne Begründung. Wann er denn losführe? »Fünfzig Meter weiter hängt der Fahrplan«. Die Tür geht wieder zu, die Bildung zieht ihn wieder in den Bann.

Ich bin so schlau wie vorher, friere weiter und freue mich, als der Fahrer dann 20 Minuten später den Motor anlässt. Ich will schon an die Türe gehen, da fährt er los, schaut mich an – und winkt mir zu. Einen Moment lang bin ich perplex. An der Haltestelle hält er.

Ich spurte los, mich fragend, was das denn soll – er hätte mich ja auch hier einsteigen lassen können. Egal, vielleicht versicherungstechnische Gründe. Es könnte ja sein, dass ich mich beim Einsteigen verletze. Und wenn das dann nicht an der Haltestelle passiert, könnte der Fahrer Probleme bekommen. Es lebe die deutsche Bürokratie.

Als ich den Bus erreiche, gibt er Gas. Und ist Sekunden später um die Ecke verschwunden. OK, dann eben doch ein Taxi! Die Rache des kleinen Berliner Busfahrers. Vermutlich Christ.

Gestern

München. Es ist spät geworden. Ich trete aus dem Haus, verabschiede mich von meinen Gastgebern. Mist. Es schneit. Und es ist kalt. Ich laufe zur Endhaltestelle einer Buslinie, weil ich weiß, dass in ein paar Minuten ein Bus fährt. Nicht der letzte, aber einer der letzten.

Geschafft. An der Haltestelle steht niemand. Auch kein Bus. Meine Uhr und der Fahrplan sagen mir, dass der eben raus ist – der nächste fährt in 20 Minuten.

Der Schnee auf meine Haaren ist inzwischen getaut und läuft mir hässlich nass den Rücken herunter, Kälte kriecht an meinen Beinen hoch.  20 Minuten können verdammt lange sein! Ein Geräusch. Ein Bus kommt. Ja, es ist der, den ich nehmen will. Und muss, wenn ich endlich ins Trockene kommen möchte. Der Busfahrer steigt aus, geht pinkeln. Ich warte.

Er kommt zurück und schaut mich an.  »Kalt?« spricht er mich an. »Ja!«. Er bedeutet mir, in den Bus zu steigen, die Standheizung läuft. Ich setze mich, denke an einen schönen Abend zurück. »Bitte!« Ich schrecke hoch. Neben mir steht der Busfahrer, in der Hand einen Plastikbecher, aus dem es heiß dampft. Er hält ihn mir hin. In der anderen Hand hat er eine Thermosflasche.

Ich lehne dankend ab, will ihm den mitgebrachten Kaffee nicht wegtrinken. Er lächelt und sagt: »Trinken Sie ruhig, meine Schicht ist nach dieser Fahrt beendet.« Dankbar nehme ich den Becher. Er gießt sich auch einen ein.

Pünktlich fährt er dann ab. Außer mir ist niemand im Bus. Wir kommen ins Gespräch. Ja, er sei Deutscher. Seit 20 Jahren. Er erzählt mir, dass er hier geboren sei und besser Deutsch könne als Türkisch. Denn als seine Eltern hierher gekommen seien, seien alle Nachbarn Deutsche gewesen. Und man konnte mit den Nachbarskindern nur spielen, wenn man Deutsch sprach. Also lernte er lieber Deutsch, was sein Vater nicht gerne sah – aber nicht unterband.

Und dann bricht es aus ihm heraus. »Ich verstehe nicht, warum die Situation so ist, wie sie ist. Warum hassen uns die Menschen?« Und er berichtet, dass er bis heute nie Probleme mit den Deutschen hatte. Und daher sei es für ihn keine Frage gewesen, den deutschen Pass zu beantragen, als er das dann konnte. Denn: »Ich bin doch Deutscher! Hier geboren, nie etwas anderes kennengelernt. Klar, den Urlaub bei der Familie in der Türkei. Aber den machen doch viele Deutsche!«

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. »Und wir haben doch den gleichen Gott. Und auch Jesus kennen wir: Isa.« Er erzählt mir, dass Isa zwar nicht Sohn Gottes sei, weil der Islam streng monotheistisch ist und eine Dreifaltigkeit nicht zuließe; aber Gesandter und Prophet. Der mit Erlaubnis Gottes Wunder vollbringen könne. Und er fragt mich, wo denn die Unterschiede lägen? Ich kann immer noch nichts sagen.

Wir nähern uns meinem Ziel. Ich sage ihm, dass ich an der nächsten Haltestelle aussteigen möchte. Er hält an, reicht mir die Hand und sagt: »Schön, dass es noch Menschen gibt.« Mit einem Gruß und ansonsten wortlos steige ich aus!

Als er an mir vorbei fährt, winkt er mir zu, lacht! Dabei hatte ich doch gar nichts gemacht, noch nicht einmal geantwortet. Ich habe nur zugehört.

Ja, ich habe wirklich Angst vor der Islamisierung des Abendlandes. Unsere Gesellschaft könnte ja menschlicher und wärmer werden!

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