Gesellschaft

Respekt?

4. Mai 2015

Gestern Nacht teilte ein FB-Freund von mir einen FB-Beitrag von Jürgen Todenhöfer, mit dem er Werbung für sein neues Buch macht. Was legitim ist. Besagter FB-Freund kommentierte diesen Link mit „Respekt, Jürgen Todenhöfer“. Und ich machte daraufhin etwas, was offenbar den massiven Unmut eines Mitmenschen erregte: ich stellte die Frage in den Raum, ob man vor dem, was Todenhöfer dort veröffentlichte, Respekt haben muss.

Die Sache mit dem Charakter

Im folgenden, kurzen aber heftigen Hin und Her durfte ich mir dann anhören: »Dir geht es – wie leider sehr, sehr vielen Zeitgenossen heute, und zumal im Internet – darum, wüst herum zu polemisieren und beachtete Leistungen eines Menschen oder einer Gruppe klein zu reden oder gar in den Dreck zu ziehen. Das ist schwach und charakterlos.«

Wieso bin ich polemisch, zumal wüst, wenn ich bemerke, dass nicht jeder die Ansicht teilen muss, Respekt vor der Leistung Todenhöfers haben zu müssen? Inwiefern rede ich damit seine wie auch immer geartete Leistung klein und ziehe sie in den Dreck? Denn dazu muss man erst einmal fragen, welche Leistung Todenhöfer eigentlich erbracht hat. Und warum sie Respekt verdienen könnte.

Fangen wir also mit der Analyse an. Dazu gehört zunächst einmal die Definition des Wortes Respekt: »Respekt […] bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen (Respektsperson) oder einer Institution.« Ungeachtet der Richtigkeit des Handelns oder der Einstellung einer Person bedeutet Respekt also, dass diese eine besondere Wertschätzung für dieses Handeln oder ihre Einstellung erfährt, man ihr dafür Ehre erbietet (was man auch immer darunter verstehen mag) oder ihr besondere Aufmerksamkeit gebührt. Wer also keinen Respekt vor dem Tun eines anderen hat, wertet daher dieses Tun nicht notwendigerweise, sondern weigert sich lediglich, es als besonders hervorhebenswert zu betrachten.

Was also hat Todenhöfer an vermeintlich Hervorhebenswertem getan, dass er dafür Respekt verdient? Was ist seine „beachtete Leistung“?

Um das ins richtige Licht zu stellen, muss man etwas mehr wissen als das, was er im oben genannten FB-Beitrag gepostet hat. Und das ist, was ich aus Interviews mit ihm selbst herausziehe. Ich kenne sein Buch nicht, und es geht hier auch nicht ums Buch und dessen Inhalt – entsprechende Kommentare hierzu sind also überflüssig.

Lebensgefahr

Ein Grund für Respekt könnte sein, dass man etwas unter eigener Lebensgefahr tut. Wie damals Stauffenberg. Das Risiko hierfür war und ist aber hier recht überschaubar. Denn Todenhöfer hat sich, im Bewusstsein, ggf. sein Leben zu verlieren, wenn er einfach nur in das Gebiet des IS reist, vorher abgesichert. Indem er sich einen Persilschein hat ausstellen lassen: Ein vom obersten Befehlshaber, einem selbsternannten „Kalifen“, unterzeichnetes Dokument, das ihm die sichere Reise durch die besetzten Gebiete zusichert. Das war klug, sehr klug! Und so hat er sich, nach eigenen Angaben, erst auf die Reise gemacht, nachdem sichergestellt war, dass (a) das Dokument echt war und (b) klar war, dass auch drin stand, was drin stehen sollte – und zwar unmissverständlich.

Wie groß nun war das Risiko für ihn, nicht ungeschoren wieder zurück zu kommen, als er dieses Dokument einmal in den Händen hatte? Gegen Null gehend – solange er den „Kalifen“ nicht verärgerte. Denn der „Kalif“ konnte sich, einmal einen Persilschein ausgestellt habend, unter Wahrung des Muslimen sehr wichtigen Gesichts nur dann umentscheiden, wenn er (zumindest in den Augen seiner Anhänger) „nachvollziehbare“ Gründe dafür hatte. Lieferte ihm Todenhöfer die nicht, wäre es für den IS und sein Bild in der Öffentlichkeit weltweit nicht hilfreich gewesen, das Wort zu brechen. Von dort drohte also bei klugem Verhalten keine Gefahr.

Und die Terroristen? In einem System nach Art des IS dürfte es der reine Selbstmord sein, gegen den ausdrücklichen Befehl des Oberbefehlshabers zu handeln. Und obwohl die Neigung zur Selbstzerstörung bei den IS-Anhängern ausgeprägt ist, sollte schon das Märtyrer-Image dahinterstehen, das bei Befehlsverweigerung wohl nicht in Anspruch genommen werden kann. Er konnte also nach Erhalt dieses Dokuments ziemlich sicher sein, dass ihm während der Reise nichts passieren würde, solange er den Oberbefehlshaber bei Laune hält.

Daher trat er, wie selbst geäußert, die Reise nur an, weil er den Persilschein hatte, und mit der Absicht, während der Reise nichts zu tun, was die garantierte Sicherheit gefährden könnte. Daher auch die monatelange Vorbereitung. Auch das sehr klug! Um es deutlich zu sagen: Ich hätte trotz der „Sicherheiten“ den Mut dafür nicht aufgebracht, weil ich niemandem im IS traue – auch nicht dem Wort des Oberbefehlshabers. Nur – ist Mut allein schon Grund für Respekt? Verdient jeder, der Russisches Roulette spielt oder sich anders freiwillig in Gefahr begibt, Respekt? Oder muss dazu noch mehr kommen?

Bisher ist das alles keine „beachtete Leistung“, die man als besonders herausragend bezeichnen könnte. Nur als Todenhöfers Intelligenz entsprechend richtig und klug. Denn auch andere begeben sich tagtäglich auf das Gebiet des IS. Auch sie sind mutig.

Respekt habe ich vor Leuten wie James Foley, den Todenhöfer nach eigenen Angaben kannte und auf den er sich auch bezieht, die diesen Persilschein nicht hatten und dennoch dahin gingen. Die aus dem Gebiet berichten und nicht später in Sicherheit Bücher und Offene Briefe schreiben. Die im Bewusstsein der großen Gefahr, in der sie sich bewegten, im Land blieben. Und die aufgrund oder infolge ihrer Tätigkeit vor Ort ihr Leben ließen – noch propagandistisch ausgeschlachtet und ihrer Menschenwürde beraubt. Vor Menschen, die sich, mieß bewaffnet, den modern bewaffneten Terroristen entgegenstellten und noch stellen. Vor denen habe ich Respekt, und zwar grenzenlosen! Was ist dagegen Todenhöfers sichere Reise?

Reiseauswertung

Von der Reise zurück schreibt Todenhöfer ein Buch. Und das bewirbt er nun mit allen Regeln der Kunst. Daran ist nichts auszusetzen – weder an Buch, noch an Werbung, noch daran, dass er damit Geld macht. Nur sollte er, wenn er sich „Respekt“ verdienen will , doch etwas Herausragendes damit getan haben. Lassen wir aus o.g. Gründen das Buch einmal außen vor – dazu kann ich nichts sagen.

Teil seiner Werbemaßnahmen ist ein „Offener Brief an den Kalifen des IS“. Und in dem geht’s vermeintlich deutlich zur Sache. Zwar in freundlicher, für meine Begriffe viel zu freundlicher Weise –  wir werden darauf noch zurück kommen – zieht Todenhöfer vom Leder. Das ist erneut mutig. Denn dadurch dürfte er sich spätestens jetzt den Zorn des „Kalifen“ zugezogen haben. Und das könnte durchaus Einfluss auf Leib und Leben nicht nur seiner Person sein, sondern auch seiner Familie (sein Sohn hatte ihn auf die Reise begleitet) und seines Umfeldes. Anlass für Respekt?

Nein! Denn relativiert wird das dadurch, dass ihm nach eigener Aussage in Interviews und im offenen Brief bereits während der Reise Schaden an Leib und Leben angedroht wurden, sobald er die Gebiete des IS wieder verlassen hätte. Spätestens seit diesem Zeitpunkt also muss er mit dem Risiko, Ziel eines Attentats durch den IS zu werden, leben. Buch und Brief haben daran nichts Wesentliches geändert. Der Brief ist also noch nicht einmal mutig.

Wenn er daher so vom Leder zieht, wie er das tut, tut er das im vollen Bewusstsein, dass er schreiben kann, was er will – schlimmer kann es nicht mehr werden. Damit aber ist eigentliches Ziel dieses Briefes nicht mehr der „Kalif“, sondern die deutsche Gesellschaft. Und dann ist das, was er tut, nicht mehr klug und Anlass für Respekt, sondern schlicht und ergreifend populistisch. Zumal er nichts anderes schreibt als das, was Mainstream ist. Nichts in dem „Offenen Brief“ ist neu, selbst die Koran-Zitate kann sich heute jeder 14-Jährige aus dem Netz ziehen. Google macht’s möglich!

Das alles ist für mich noch immer kein Problem. Warum soll man nicht mit Mainstream und dem Bedienen der Bedürfnisse einer Mehrheit Geld verdienen können? Da machen andere ganz anderes.

Was mich aber in Verbindung mit „Respekt“ stört ist:

  1. Besagter Populismus
  2. Todenhöfers Bühne für den IS
  3. Unnötige, relativierende „Weichspülerei“

PR für den IS

Wer die Ausschnitte der „Reportage“ gesehen hat, die während der Reise entstanden sind, sieht minutenlang, wie sich vor allem der Solinger Konvertit und deutsche Vorzeige-Terrorist des IS ungehindert produziert. Mit vermummten Terroristen im Hintergrund. Todenhöfer steht daneben und sagt – nichts! Die Fragen, die er stellt, zeugen davon, dass er den „Kalifen“ nicht verärgern will: harm- und zahnlos. Wie gesagt: Verständlich unter den Umständen, und ich hätte nicht anders gehandelt. Aber warum dann die Interviews? Waren die Teil eines Deals: Interview ohne Schrecken gegen Reise ohne Angst? Wäre verständlich und nachvollziehbar. Aber warum dann die Reise überhaupt?

In einem Interview begründet Todenhöfer sie damit, dass er einmal Richter war. Und die Pflicht eines Richters sei es, auch die „andere Seite“ anzuhören. Ja, das geht auf die alten Römer zurück, auf deren Rechtsverständnis auch unseres und auch heute noch aufbaut: „Audiatur et altera pars“: Frei übersetzt: Hör dir auch an, was der andere zu sagen hat. Unterstütze ich in der Regel vollständig. Aber es gibt Grenzen! Und der IS liegt jenseits dieser Grenzen! Ich höre mir auch nicht das Geschwätz der braunen Scheiße an, wenn die einmal wieder einen „Asylanten geklatscht“ hat!

Todenhöfer ist nicht im Rahmen eines Gerichtsverfahrens aktiv geworden! Es gibt derzeit kein Gericht, was zuständig wäre; es gibt keinen Angeklagten, keinen Verteidiger, keinen Ankläger und keinen Richter. Es gibt also nichts, für das es erforderlich oder auch nur wünschenswert wäre, „die andere Seite zu hören“. Sich also darauf zurückzuziehen, ist in meinen Augen vor dem Hintergrund der durch den „Kalifen“ und seine Terrorarmee bereits Getöteten und der noch zu erwartenden Opfer zynisch!

Ich glaube, bis auf die leider an Zahl zunehmenden Anhänger des IS gibt es (inzwischen sogar bei ehemaligen Sympathisanten) nicht viele Menschen, die nicht verstanden haben, was der IS ist, was er will und wie er das durchsetzen will. Nachhilfe in Form von „Welche Motive und Ziele haben die?“, die man über das Anhören „der anderen Seite“ geben will, braucht weder Herr Todenhöfer noch die „westliche“ oder gar die muslimische Welt wirklich. Wozu also Reise und Buch? Gibt es irgendeinen denkbaren Grund, den Herr Todenhöfer zur Entlastung der Greueltaten dieses Terrornetzwerkes eruieren konnte und der so an den Tag gekommen ist? Oder irgendeinen anderen, bislang nicht bekannten Aspekt? Nein! Respekt für die Bestätigung bereits vorliegenden Wissens?

Es mag daher für Todenhöfer selbst, für das Buch als Einnahmequelle, was legitim ist und von mir nicht kritisiert wird, und deren Vermarktung wichtig sein, getan zu haben und weiterhin zu tun, was er tat und tut. Das bewerte ich nicht. Aber warum muss ich davor Respekt haben?

Weichspüler

Im Gegenteil! War ich bis hierhin noch verständnisvoll, habe ich für die geradezu anbiedernde Art des Offenen Briefes keinerlei Verständnis mehr:

»Sehr geehrter Kalif Ibrahim Awwad, Abu Bakr Al Baghdadi!« so beginnt er. Ich gehe davon aus, dass er, wie die Meisten von uns, weiß, dass sich der „Kalif“ selbst dazu ernannt hat – ohne den Segen der dafür zuständigen Gelehrten. Er gebietet ihm somit ohne Not, weil wieder hier in Deutschland, öffentlich Respekt, den dieser nicht nur nicht verdient hat sondern der ihm nicht gebührt. Und er brüskiert die muslimischen Gelehrten.

Das „geehrte“ werte ich einmal als übliche „Floskel“ – auch ich ehre nicht unbedingt alle, denen ich so schreibe.

»Zehn Tage war ich Gast Ihres Landes«. Ich weiß nicht, wie es Anderen geht. Aber in Verbindung mit Terroristen von „Gast“ zu sprechen, ist in meinen Augen ziemlich verquer. Und verhöhnt für mich die „Gäste“ des IS, die nicht den Segen eines Persilscheines hatten und die Rückreise, wenn überhaupt, im wahrsten Sinne des Wortes kopflos antreten mussten.

Und was dann kommt, klingt fast anerkennend: »Sie haben in Syrien und im Irak einen militärisch teilweise ungewöhnlich erfolgreichen Feldzug geführt, den niemand für möglich gehalten hätte.« Natürlich weiß ich, wie Todenhöfer das meint. Aber warum formuliert er das dann so missverständlich? »Die Methoden, die Ihre Organisation allerdings bei ihren kriegerischen Aktionen anwendet, sind nach den Geboten des Koran unislamisch und kontraproduktiv.« Wie bitte? „Organisation“, „Kriegerische Aktionen“? Das ist schon nicht mehr weichgespült für die unmenschlichen Terroraktivitäten die diese Terroristen da durchführen. Klingt da nicht „kontraproduktiv“ fast schon niedlich? Ist das die respektwürdige Leistung?

Todenhöfer bezeichnet sich als Publizist. Sollten Publizisten nicht, vor allem, wenn sie Juristen sind, den Unterschied zwischen Krieg und Terror kennen? Was also soll »Von nichts ist Ihre Kriegsführung allerdings weiter entfernt als von Barmherzigkeit. Sie führen Ihre Feldzüge zur Ausdehnung des „Islamischen Staats“ in der Tradition der unchristlichen Gewaltorgien des Mittelalters sowie der Horden Dschingis Khans und Pol Pots.« Mit diesen Formulierungen erhebt Todenhöfer den Terrorboss zum Staatschef eines Landes, dem man den Krieg erklärt hat, und der sein Volk nun in Feldzüge führen muss. Das ist schon tatsächlich eine Grenze, die Todenhöfer hier überschritten hat. Eine Leistung, vor der man Respekt haben sollte?

»Trotzdem danke ich für Ihre Gastfreundschaft!« Nun ja, das ist schon starker Tobak, wie ich finde. In dem Wort stehen zwei Silben: „Gast“ und „Freund“. Gast hatten wir eben; und Freund bei einem der schlimmsten Terroristen, die die Welt jemals hervorgebracht hatte? Wie definiert Wikipedia den Begriff Gastfreundschaft? »Die Gastfreundschaft ist die freundliche Gesinnung, die einem Besucher von seinem Gastfreund bei seiner Beherbergung, Bewirtung und Unterhaltung entgegengebracht wird. Das Grundprinzip der Gastfreundschaft seit alters her ist wohl das der Gegenseitigkeit: Man erhofft sich selbst unter ähnlichen Bedingungen gastfreundliche Aufnahme.« Die Gesinnung des IS während der Reise Todenhöfers war also „freundlich“? Ich möchte mir nicht ausmalen, was das bedeuten könnte, wenn man das ernst nimmt und die einmal hierher kommen…

»Nochmals danke für Ihre Gastfreundschaft! Und dass Sie mir die Gelegenheit gegeben haben, das Land, das Sie beherrschen, relativ frei zu besuchen.« Also gleich zweimal Gastfreundschaft! Und er macht, was bisher noch niemand anderes getan hat: Anerkennung des IS als „Staat“: »Dass ich am Ende nur einen anti-islamischen Staat kennenlernte, bedauere ich sehr.« Eine „beachtete Leistung“?

Und dann der Abschluss:

»Hochachtungsvoll Ihr Jürgen Todenhöfer«

Musste das wirklich sein? Hochachtungsvoll? Auch hier wieder Wikipedia: »[…] „Hochachtungsvoll“ […] Im Geschäftsverkehr werden sie daher unter Umständen von manchen Adressaten als unhöflich empfunden, denn die ihnen innewohnende Höflichkeit kann nicht unbedingt mit einem Gruß gleichgesetzt werden – bedeutend ist, dass in diesen Formeln […] als letzte Wahrung der Form lediglich ein Ausspruch der Achtung, d. h. des Respekts vor dem Korrespondenzpartner erfolgt, […].« Ist der Terrorboss zum Verständnis dieser subtilen Nuancen zwischenmenschlichen Austauschs fähig? Unhöflich hin oder her – Respekt vor einem der schlimmsten und grausamsten Massenmörder, die die Welt jemals gesehen hat?

Noch schwerer wiegt für mich das „Ihr“. Hiermit stellt Todenhöfer eine Intimität zu dem „Kalifen“ her, die nicht nur nicht sein müsste, sondern verstört. Ich verwende das „Ihr“ oder „Dein“ in der Abschlussklausel nur bei sehr wenigen, sehr guten, langjährigen Geschäftspartnern, Freunden und Bekannten, mit denen ich mehr als nur ein Bier zusammen getrunken habe…

Warum diese Zurückhaltung? Wer Äußerungen wie »Ich bin Christ. Meine Religion kennt durch das Johannes-Evangelium die Figur des „Anti-Christen“. Durch Ihre Taten und Ihre Existenz lerne ich, dass es offenbar auch die Figur des „Anti-Muslims“ gibt. Dass dieser Anti-Muslim sich „Kalif des Islamischen Staats“ nennen würde, haben selbst die gelehrtesten Köpfe des Islam nicht vorausgesehen.« oder »Sehr geehrter Kalif Ibrahim, ich wünsche Ihnen, dass sich die verfeindeten Parteien im Irak und in Syrien endlich einigen und dadurch Ihren militärischen Aktionen den Nährboden entziehen. Möge Allah Sie stoppen!«, was ich beides inhaltlich voll unterschreibe, macht, braucht sich wirklich nicht mehr beim „sehr geehrten Kalifen für die Gastfreundschaft Ihr JT“ zu bedanken! Das ist albern und lächerlich; und daher glaube ich auch Todenhöfers Begründung nicht: »Aber unhöflich wollte ich auch nicht sein.« Sind die genannten Äußerungen höflicher? Und Ghandi und Hitler mit ins Boot zu nehmen halte ich auch für ziemlich grenzwertig. Aber das ist Geschmackssache und soll hier nicht weiter betrachtet werden.

Summa: Todenhöfer hat mit seiner Reise das Falsche gemacht, mit dem Buch, das mit Sicherheit ein Bestseller werden wird, weil es dem Mainstream folgt und die Meinung der Meisten ausdrückt, für eine gute Einnahmequelle gesorgt, die er nun multimedial bewirbt. Alles in Ordnung. Teils stimme ich ihm zu. Aber es gibt eben auch Anlass zu Kritik. Und das sollte man sagen dürfen.

Sind wir denn schon soweit gekommen, Respekt vor klugem Verhalten und den Mainstream nutzender Wahrung eigener Interessen haben zu müssen?

Ich meine nicht! Und nichts anderes habe ich gesagt, schwach und charakterlos, wie ich zu sein scheine.

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