Meine Platon’sche Höhle

Schaffen wir das?

7. Januar 2016

Ich kann es nicht mehr hören! Diese larmoyanten Fragen „Schaffen wir das?“ und „WIE schaffen wir das?“

Natürlich schaffen wir das! Da haben wir noch ganz andere Dinge geschafft… Und wie? Ganz einfach: Indem wir handeln, statt zu heulen!

Endlich zeigt einmal ein Politiker Profil. In diesem Fall: Angela Merkel. Und dann sonnt man sich gerne im Schein der positiven internationalen Resonanz. Wenn dann aber die ausländischen Kamerateams abgezogen sind; wenn die Scheinwerfer erloschen sind und es nichts mehr gibt, wovon man selbst profitieren könnte, geht es los, das Geheule und Gehaue.

Obergrenzen müsse es geben. Deutschland verkrafte nur 200.000 Asylanten pro Jahr, hört man. Wir stünden an der Grenze unserer Leistungsfähigkeit. Und dann wird damit auch noch vor der Kamera ein Witzchen gemacht. Pfui Teufel!

Wer sagt so etwas? Und vor welchem Hintergrund?

Ja, wenn man die Bilder der Flüchtlingsmassen im Fernsehen sieht und umso mehr, wenn man an einem Knotenpunkt, München, vor Ort lebt und das Drama hautnah miterleben kann, kann man schon ein wenig ins Grübeln geraten! Wie soll man derer Herr werden?

Und dann wird auf Merkel eingeschlagen! Konzeptlos hätte sie die Grenzen geöffnet. Ja klar – wie will man Konzepte für Krisen erstellen, die über Nacht über einem hereinbrechen? Zugegeben: Man hätte so etwas vorhersehen können, da sich seit Jahren eine Zuspitzung der Situation im Nahen Osten andeutete. Und in sofern ist die Kritik durchaus nicht verkehrt. Es kommt nur darauf an, wer sie äußert. Es ist ein grundsätzliches Manko einer Politik, die lange genug angenommen hatte, dass man sich aus unangenehmen Situationen freikaufen kann; und die damit an anderer Stelle und mit anderen Argumenten geführt werden muss. Denn es betrifft nicht nur Merkel, und nicht nur das Flüchtlingsdrama!

Wer äußert aber diese Kritik am lautesten? Berufskollegen von Angela Merkel! Und die haben sich in der Vergangenheit auch nicht sonderlich damit hervorgetan, die Krise zu erkennen und sich darauf vorzubereiten! Wer also aus politischen Kreisen Merkel kritisiert, sollte besser die Klappe halten und sich an die eigene Nase fassen.

Und Journalisten. Zum Zweck, vermeintlich „objektiv“ zu informieren, damit die Quote und Auflage stimmt. Zweifel schüren ist dabei nach dem Leitbild der Branche – bad news is good news –  hilfreicher als Zuversicht vermitteln. Und gerade aus dieser Richtung, vor allem dem seriösen Teil, hätte ich ganz andere Reaktionen erwartet.

1945

Zum Beispiel den Hinweis auf die „Stunde 0“ der Bundesrepublik. Ich möchte im Folgenden gerne einmal ein paar Bilder aus dieser Zeit zeigen, alle der sehr eindrucksvollen Dokumentation „Die Stunde 0 – Berlin im Sommer 1945“ des ZDF per Screenshot als Szenenbilder entnommen und daher etwas unscharf:

Trümmer_3

Wer damals an der Stelle des Kameramanns stand und diese Szenen sah …

Trümmer_4  Trümmer_6Trümmer_2  Trümmer_1

NDVD_001

… und dem gewahr war, was „Stunde 0“ bedeutete: Keine Autos, keine Bagger, keine Lastwagen, kein Geld sondern Muskelkraft, und das noch zum überwiegenden Teil von Frauen und Kindern, Handkarren, Schaufeln und Pickel, ohne jegliche Bezahlung –

DER HATTE DAS RECHT, ZU FRAGEN: „Wie sollen wir das jemals schaffen?“,

nicht aber ein Protagonist einer der reichsten Länder der Welt, des Exportweltmeisters, der Lokomotive Europas, eines wirtschaftlichen und inzwischen wieder auch politischen Machtfaktors in der Welt, der Mitglied des superelitären Clubs der Acht ist! Also ein Politiker oder ein Meinungsbildner wie ein Journalist unseres Landes. Nur – die damals taten es nicht!

NDVD_003

Es sind diese Frauen, die Trümmerfrauen, die Wasser per Eimer und Menschenkette verteilt , den Mörtel von den Backsteinen abgeklopft und den Schutt beiseite geräumt haben, die besagte Protagonisten überhaupt in die Lage versetzten, heute so arrogant über „Obergrenzen“ zu lamentieren, weil man ein bisschen von dem abgeben müsste, was wir zu viel haben!

Es ist äußerst erbärmlich, aus dem Munde von Politikern angesichts solcher Bilder und was wir daraus mit unserem Fleiß und Durchhaltewillen erreicht haben, solche primitiven, populistischen Stammtischparolen hören zu müssen. Und es ist nicht minder erbärmlich, wenn Journalisten als Meinungsmacher in das gleiche Horn blasen!

Sie hatte ob der ausweglosen Situation das Recht, verzweifelt zu sein, zu weinen und zu fragen, wie es weiter gehen könnte – nicht aber wir, die wir in einer in keinster Weise vergleichbaren, äußerst komfortablen Situation sind:

NDVD_004

Wer, wenn nicht wir, könnte es denn schaffen?

1989

Und die Wende? Ich weiß nicht, ob ich Probleme bekomme, wenn ich einfach Bilder aus dem Spiegel bringe, und lange um Erlaubnis betteln will ich nicht. Daher hier ein Link auf eine Fotostrecke mit Bildern, die fast ähnlich aussehen. Besuchen Sie heute einmal Rostock. Es lohnt sich! Wo wären wir heute, hätte Kohl – man kann ihn gerne zurecht sehr heftig kritisieren in Vielem, da mache ich gerne mit – damals larmoyant gefragt: Wie sollen wir das schaffen?

Wir haben es geschafft! Gut – es dauerte vielleicht ein bisschen länger, als er und Viele das angenommen hatten. Und sein Bild von den „blühenden Landschaften“ nach kurzer Zeit mag übertrieben positiv gewesen sein. Aber es war zumindest positiv, und damit konstruktiv und motivierend. Was ich heute höre ist negativ, und damit destruktiv und demotivierend. Und das ist in dieser Situation das Schlimmste, was uns und vor Allem den Asylanten passieren kann!

Es hat uns noch nicht einmal ein bisschen was von unserem Lebensstandard gekostet, unsere Vettern aus dem Osten an die reiche Brust zu holen! 16 Millionen hatten wir damals aus einem maroden Staat geholt, dessen Situation sich nicht wesentlich von der nach dem Krieg unterschied: Bebauung nahe dem Zerfall, Wirtschaft nur auf dem Papier vorhanden, vollkommen überschuldet, nur noch lebensfähig durch Einkünfte aus Menschenhandel und dem Tropf des Großen Bruders. Wir hatten erneut Erfolg. Aber nicht, indem wir rumgeheult haben, sondern uns auf unsere Qualitäten besonnen und danach gehandelt haben: Wir Deutschen waren schon immer unschlagbar, wenn es Probleme zu lösen gab. (Aber auch, sie zunächst selbst zu erzeugen.)

Damals waren wir 64 Millionen: Auf einen „Hilfsbedürftigen“ (das ist nicht arrogant, zynisch, diskriminierend oder negativ gemeint!) aus dem Osten kamen 4 „Helfende“ aus dem Westen.

2015/2016

Heute sind es 50 wohlgenährte Reiche mit Porsche Cayenne und BMW X7 vor der Türe auf einen Asylanten, wenn man von 1,5 Millionen ausgeht, der außer den Kleidern am Leib nichts mitbringen konnte, alles verloren hat. Wir sollten niemals vergessen: Die überwiegende Mehrheit MUSSTE fliehen – sie würde lieber heute als morgen wieder zurückgehen, wenn sie könnte. Wer sich ein Bild machen möchte, kann sich ebenfalls den Treck aus Ostpreußen im Zweiten Weltkrieg als Doku anschauen. Und selbst wenn es nicht der Porsche ist oder der BMW – auch ein Toyota oder ein Ford ist mehr als der Durchschnittsweltbürger jemals haben wird.

Warum also sollten wir das nicht schaffen können, selbst nach Zuzug der Familien und vielleicht 6 Millionen Asylanten? Dann wäre die Quote immer noch 13:1! Verdammt – wo ist das Problem? Wieso kann ein Landesfürst so einfach behaupten, Deutschland „vertrüge“ maximal 200.000 Asylanten pro Jahr?

Hört also endlich auf, zu heulen – Ihr Politiker, Journalisten und Pegida-Anhänger. Setzt Eure Energie lieber dafür ein, diejenigen zu unterstützen, die wie die Trümmerfrauen von damals die Ärmel hochgekrempelt haben und klaglos daran gearbeitet haben, uns aus der Scheiße wieder herauszuholen, in Ihr uns gebracht habt: die freiwilligen Helfer.

Vergesst nicht: Wer für den Krieg und die Situation danach verantwortlich war, lebte damals nicht mehr – er hatte sich entweder durch feigen Selbstmord oder die Hand der Siegermächte der Verantwortung entzogen. Heute ist das anders: Wer heute an der Macht sitzt, ist am Flüchtlingsdrama selbst mit Schuld!

Vielleicht gefällt Dir auch

Keine Kommentare

Kommentar schreiben