Nervendes

Streik als Machtdemonstration

22. Oktober 2014

Es geht den Streikverantwortlichen bei GDL und Cockpit offenbar gar nicht um bessere Arbeitsbedingungen, es geht nur noch um Macht! Für Machtdemonstrationen aber sind Gewerkschaften eigentlich nicht da. Und ob das vom Grundgesetzt abgedeckt wird, ist auch fraglich. Ich bin sicher, die Politik ist kreativ genug, am Grundgesetz vorbei Mittel und Wege zu finden, wenn man es übertreibt. Und dann auf korrigierende Urteile des Bundesverfassungsgerichts zu hoffen, ist auch kein Zeichen von gelebter Demokratie! Man sollte also sehr genau wissen, wann der Punkt erreicht ist, wo es tatsächlich heißt: Es reicht! Diesen Punkt haben wir spätestens seit dem Wochenende, an dem sieben Bundesländer ihre Herbstferien beendet haben und zwei ihre begonnen – und Lufthansa und Bahn bestreikt wurden. Schön abwechselnd und, wie ein Sprecher von Cockpit im Interview zugab, abgesprochen. Nur um größtmöglichen Schaden zu provozieren.

Manchmal ist es ganz gut, „Seniorenfernsehen“ zu sehen! Heute Nacht sendete Phoenix eine Talkshow, in der es um die Streiks der letzten Wochen ging. Ein Diskutant war Manfred Schell, der bis 2008 verantwortliche Vorgänger des aktuellen Vorsitzenden der GDL, Claus Weselsky.

Nun muss man wissen, dass die beiden sich nicht grün sind. Und daher ist es zunächst einmal als Rache für das eine oder andere zwischen den beiden in der Vergangenheit zu werten, wenn Schell, früher auch für harte Haltungen bekannt, vor der Kamera sagt, Weselsky hätte weder einen Plan B, wenn die Bahn hart bleibt, noch Einsichtsfähigkeit, wann es reiche.

Eine schlimme Vorstellung: Ein kleiner Zug fährt mit Höchstgeschwindigkeit auf einen Kopfbahnhof zu. Weichen, Plan B, gibt es nicht! Und bremsen will man nicht. Es gibt nur die Erwartung, nein die Forderung, dass der Kopfbahnhof noch rechtzeitig genug einlenkt und zum Durchgangsbahnhof wird…

Aber dann begründet Schell, warum es offenbar doch keine Vendetta ist, die ihn umtreibt: Das zuletzt abgegebene Angebot der Bahn hinsichtlich Geld und Arbeitszeit sei exakt das gewesen, dass die GDL verlangt hätte. Es gäbe somit keinen Grund mehr, weiter zu streiken. Dass sie dennoch nach Aussagen von Weselsky weiter vor hätte, zu streiken, läge nur daran, dass sie Macht ausüben wolle: die Macht, die Regeln zwischen Tarifpartnern zu bestimmen! Die GDL will nämlich, das eigentliche Ziel, wachsen, indem sie andere Bahnberufe, die heute von anderen Gewerkschaften abgedeckt werden, auf ihre Seite zieht. Und mehr Mitglieder heißt mehr Macht!

Ein schlimmer Verdacht steht dabei im Raum: So sei es Schell schlicht nicht möglich, das Ergebnis der Urabstimmung zum Streik nachzuvollziehen! Ein Streik also ohne Legitimation? Wahlfälschung in Deutschland? Weselsky damit ein kleiner Diktator?

Welche Minderwertigkeitskomplexe muss er wohl kompensieren, wenn es ihm vollkommen egal ist, was mit Millionen Berufspendlern täglich passiert, nur damit er zeigen kann, wie mächtig er doch ist?

Es gibt Menschen, die ihn ob seiner Standhaftigkeit bewundern. Denen sei gesagt: Das ist nicht Standhaftigkeit, das ist Verbohrtheit und Realitätsferne. Ja, die Geschichte ist voll von „standhaften“ Führern. Nur brachte das in der Regel nicht nur denen nicht viel, sondern den Geführten auch nicht. Napoleon z.B. war so standhaft, dass er, nach dem verheerenden, verlorenen Russlandfeldzug und daraus resultierender Verbannung auf Elba, wiederkehrte, um dann Waterloo zu hinerlassen. Was ihn nach St. Helena brachte. Zwei schmachvolle Niederlagen für die Franzosen mit weitreichenden Folgen. Wegen der „Standhaftigkeit“ eines kleinen Selfmade-Kaisers. Und muss ich wirklich an unsere eigene  jüngere Geschichte erinnern, in der der Führer so standhaft war, schließlich Kinder in den Krieg zu schicken, als es keine Männer mehr zu verheizen gab, um den Endsieg herbeizuführen?

Die GDL ist eine sehr traditionsreiche Gewerkschaft. Es wäre schade und sicherlich ein Verlust, wenn sie unterginge, weil ein Usurpator sie kaputt macht. Daher, liebe GDL-Mitglieder, überlegt Euch, ob es Euch das wert ist! Ihr verliert zunehmend den Rückhalt in der Bevölkerung! Denn noch glaubt die ernsthaft, es ginge um das, was offiziell von Euch kommuniziert wird: Geld und Arbeitszeit.

Es könnte also sein, dass das Verhalten der GDL  Auswirkungen auf alle Gewerkschaften haben könnte. Und diese zukünftig zu einem Alt-Männer-und-Frauen-Verein mutieren, der nichts mehr zu sagen hat, wenn man sich bei Kaffee und Kuchen trifft…

Und Cockpit? Da scheint es ebenso zu sein! Es geht nicht um die Rentenregelung, denn die betrifft erstens die heute aktiv Fliegenden überhaupt nicht und ist zweitens so angenehm wie bei keiner anderen Airline: Wer kann, auch und gerade als Pilot, schon mit 55 und Bezügen von 120.000 Euro in Rente gehen? Cockpit und die Piloten streiken auf einem Niveau, das schon unverschämt ist in diesen Zeiten. Ja, sie haben Verantwortung. Aber andere nicht weniger! Und die verdienen weitaus weniger. Cockpit streikt also am Kalten Buffet mit Kaviar und Champagner.

Und so geht es der Gewerkschaft, wie man einem Interview entnehmen konnte, auch nicht wirklich und die Renten, sondern darum, unternehmerische Entscheidungen zu verhindern, die den Gutverdienern nicht passen, da sie auf ein eher gerechtfertigtes Niveau heruntergeholt würden; die das Unternehmen aber braucht, um konkurrenzfähig zu bleiben: Lufthansa steigt bestimmt nicht gerne um auf das Image eines Billiganbieters. Die sähen sich lieber, ganz im Sinne ihrer Piloten, als exklusiven Dienstleister. Wenn die also langsam aber sicher den Umbau vollziehen, den andere elitäre Fluglinien weltweit schon lange hinter sich haben, so ist das nur der Entwicklung in der Realität geschuldet. Hat die begrüßenswerte Schulung an Flugsimulatoren Piloten den Sinn für die Realität geraubt? Das wäre fatal!

Auch Cockpit sollte sich überlegen, ob sie sich mit diesem Streik etwas Gutes antun! Was machen die aktuellen Piloten, wenn es noch vor ihrer Pensionierung keine Lufthansa mehr gibt? Das ist zwar schwer vorstellbar. Nur: Andere Fluglinien, die es heute nicht mehr gibt, konnten sich manches auch nicht vorstellen.

Und so spielt im Unbewusstsein möglicher Konsequenzen mit dem Feuer, wer versucht, ohne Rückhalt in der Bevölkerung nur Macht ausüben zu wollen. Meinen Rückhalt und mein Verständnis haben beide – GDL und Cockpit – endgültig verloren. Mal sehen, bei wie vielen anderen es ähnlich aussieht, wenn sie hinter die wahren Motive blicken…

 

Foto: www.pixabay.com/de

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