Geplante Obsoleszenz

Super Kuper

6. September 2014

König Kunde

»Wir schicken Ihnen den mobilen Werkstattservice vorbei!« Die Stimme am anderen Ende der Telefonleitung war sehr verbindlich, gut geschult.
»Danke, brauchen sie nicht!« erwiderte ich. »Holen sie den Wagen einfach nur ab.«
»Wir werden sehen.« Die Dame ließ sich nicht beirren. Wie gesagt, gut geschult: Den Kunden glauben zu lassen, er sei König. Und in Wirklichkeit subtil das tun, was man will.

Das fängt ja gut an!

Und so rief mich tatsächlich 30 Minuten später jemand von seinem Mobile aus an.
»Hallo, Herr Podschun! Mein Name ist Bernd Maier-Wunderlich.« Die Stimme klang genau so, wie man es erwartete, wenn jemand im Auto per Freisprecheinrichtung kommunizierte: teilweise abgehackt und vor dem Hintergrund der Fahr- und Straßengeräusche nur schwer zu verstehen.
»Ich bin vom mobilen Werkstattservice und in zwei Minuten bei Ihnen!«

›Wow!‹, dachte ich. ›Das ist wirklich Service. Kündigt an, dass er gleich da ist.‹ Doch zu früh gefreut: Das Telefonat galt weniger der Information an mich als der Bequemlichkeit.
»Vielleicht können sie ja schon zum Fahrzeug kommen. Dann muss ich nicht klingeln.«

Und wirklich: Nach wenigen Minuten, es waren tatsächlich kaum mehr als zwei, bog einer dieser fahrenden Kleiderschränke um die Ecke, bei denen man sich wunderte, wie die die Cw-Wert-Manie der Vergangenheit überlebt hatten und warum die in den Ballungsgebieten, wo man 90% von ihnen antrifft und nicht die geringste Chance hat, abseits gut ausgebauter Straßen zu fahren, offenbar gebraucht werden – fern irgendwelcher nennenswerten Erhebungen, die die allradgetrieben erklimmen müssten. Dieser hier hatte einen Sinn: er war als mobile Werkstatt eines großen süddeutschen Edelkarossenherstellers ausgebaut, in dessen Produkten man Freude am Fahren zu haben hat. Er hielt in einer freien Lücke vor dem Haus.

»Maier-Wunderlich!« Er streckte mir die Hand entgegen, als er auf mich zu kam, und grinste offen. »Bitte keine Kommentare zu meinem Namen, ich kenne alle Witze. Wirklich alle.« Seine Offenheit nahm mich für ihn ein.
Ich grinste zurück: »Kenne ich! Auch mein Name ist nicht gerade gewöhnlich.« Tatsächlich hatte ich amüsiert gegrinst, als er sich am Telefon gemeldet hatte. Mit waren natürlich seine Initialen sofort aufgefallen. Glücklicherweise hatte er das nicht bemerken können.

»Wo ist denn der Patient?« Mein Gegenüber war kaum über die Zwanzig hinausgekommen. Aber offenbar verstand er sein Fach. Ich deutete auf das Auto, vor dem wir standen. Auch bei dieser ehemals angelsächsischen Marke fragte man sich, nachdem sie von dem Edelkarossenhersteller übernommen worden war, warum sie noch so hieß, wie sie hieß. Denn klein waren die Dinger schon lange nicht mehr! Das hier überragte die anderen, ausgewachsenen Autos in der Reihe an Höhe deutlich, und auch die Breite machte einem „Großen“ alle Ehre. Nur die Länge gestattete, dass man den Namen in Erwägung ziehen konnte – so man alle Augen, auch die der Hühner, zudrückte. Da es ja noch deutlich kürzere gab.

»Was ist das Problem?«
»Er springt nicht an. Und bevor sie mich, wie ihr Kollege an der Strippe, für bekloppt halten: Ich fahre bereits länger Auto als sie auf der Welt sind! Das heißt: Ich habe auch Erfahrung mit Autos mit Kaltstart-Automatik, wie das damals hieß: Vor dem Anlassen das Gaspedal mehrfach bis zum Anschlag durchtreten und so weiter.«

Das Vorspiel

Sein Kollege, mit dem mich die Dame am Telefon verbunden hatte, als ich angerufen hatte, dass der Leihwagen nicht startete, hatte mit mir nämlich zunächst per telefonischer Ferndiagnose feststellen wollen, ob das Problem nicht vielleicht darin bestand, dass ein DAU das Auto in den Fingern hatte: ein Dümmster Anzunehmender User. Das hatte er zwar so nicht gesagt; aber wer zwischen den Zeilen lesen konnte…

Nicht, dass ich das als ehrenrührig empfunden hätte: Ja, trotz Studium an einer technischen Hochschule scheine ich für die Technik von heute zu dämlich zu sein. Nicht, dass ich nicht wüsste, wie sie funktioniert oder man sie bedient. Nur die Sinnhaftigkeit und die Begleitumstände erschließen sich mir nicht immer. Und so bin ich im Laufe meines Lebens immer mehr zu der Erkenntnis gelangt: Weniger ist mehr. Nur glauben das eben nur wenige mit mir! Und die Hersteller moderner Status- und Konsumgüter schon gleich gar nicht. Würde ja ihr Geschäftsmodell negativ beeinflussen: Wenn all das, was überflüssig ist, nicht verbaut würde, würde man sich von asiatischen Herstellern nicht mehr abheben können. Also: aufrüsten, wo es geht, mit welchem unnützen Kram auch immer. Zum Beispiel Einparkhilfe und Head-up-Display. Hilft nicht wirklich, da das Auto von selbst nur in Lücken einparken kann, in denen ich ganze Sattelschlepper platzieren könnte, und das auch nur, wenn kein Verkehr herrscht; ist aber hoch innovativ – was ich als Synonym für „unausgereift“ lieben gelernt habe –, damit teuer – aber für jeden, der etwas auf sich hält, ein must have – und möglicher Ansatzpunkt für kostenpflichtige Reparaturen – äh, Verheizung! Dienst am geschätzten Kunden.

Und es würden überzeugende Gründe dafür entfallen, astronomische Preise für die eigenen, hochgerüsteten Spielzeuge zu verlangen. Glauben sie nicht? Na dann schauen sie ’mal in die Preislisten. Allein die jährliche Update-DVD für mein fest eingebautes Navi dieses Herstellers kostete so viel wie das beste „freistehende“ Navi, dass man bei Jupiter oder InformationsträgerForum erwerben konnte und das erheblich mehr konnte als das fest eingebaute Zubehör. Für den Gegenwert dieses Exklusivstückchens Elektronik laut Preisliste – über den genauen Preis schweige ich mich lieber aus! Es ist mir zu peinlich, zugeben zu müssen, dass ich das mitgemacht habe – hatte ich als Student meinen ersten Wagen gekauft – immerhin ein Produkt eben dieses Herstellers, das von meinen Vorbesitzern nicht totzukriegen gewesen war. (Was ich dann endlich schaffte, wenn auch mit Mühen!) Und so trägt wohl der Wert eines Sonderzubehörs zu 10% der Anschaffungskosten bei, das Design zu 40% und der Name der Karosse, in die es verbaut ist, zu 50%. Design bei einem fest eingebauten Navi? Aber ja! Es passt harmonisch in das durchgestylte Benutzerinterface des Bordcomputers – zusammen mit der Standheizung, dem Telefon und dem Radio!

»Wissen sie: Autos startet man mit durchgetretener Kupplung!«, hatte der Fernmechaniker am Telefon gesagt.
»Aha!«, hatte ich geantwortet. »Das hat mir bislang niemand gesagt, und in der Gebrauchsanweisung steht das auch nicht. Aber jetzt weiß ich wenigstens, warum ich immer so einen hohen Motor- und Kupplungsverschleiß habe. Danke für den Tipp.«

»Nein, nein! So meinte ich das nicht.« beeilte er sich, zu entgegnen. »Wissen sie – am Kupplungspedal befindet sich ein Mikroschalter, der der Elektronik mitteilt, dass die Kupplung getreten ist. Und wenn der nicht meldet, dass das der Fall ist, können sie den Motor nicht starten. Und da können schon 1, 2 Millimeter durchaus eine Rolle spielen.«

»Aha! Moderne Version der Kaltstartautomatik, also!«
»Der was?« Mein Telefonpartner war offenbar zu jung, um wissen zu können, was das war. Gibt es bei den heutigen Boliden so etwas überhaupt noch? Oder regelt das nicht inzwischen der Bordcomputer?
»Lassen wir das! Glauben sie mir, ich habe eine viertel Stunde lang probiert, den Wagen zu starten. Und jeden Trick versucht. Fragen sie den Anschlag des Kupplungspedals – dem wird noch in ein paar Tagen alles weh tun!«

Nach weiteren „guten Ratschlägen“ und zehn Minuten meiner Zeit kam mein Gegenüber zu einer absolut zutreffenden und richtigen Diagnose: Das muss sich jemand vor Ort anschauen. War eben ein Profi! Zwar hatte ich das schon zu Beginn des Telefonats geäußert, aber meine Tochter hatte mich während ihrer Pubertät gelehrt, dass es Dinge gibt, die man sich selbst erarbeiten muss – die Erfahrung von Anderen anzunehmen ist so unheimlich schwer. Und so hatte er seinen mobilen Kollegen erst los geschickt, als er sich davon überzeugt hatte, dass er telemetrisch nicht weiter kam.

Wahrlich ein Super Kuper

»Ist das ein „S“?«
»Ein, bitte, was?« Ich machte große Augen.
»Ein „Kuper S“! Die „S“-Version.«
»Woher soll ich das wissen? Das ist ein Leihwagen, weil meiner in der Werkstatt ist.« Der Blick, der mich traf, sagte: ›So etwas weiß man doch!‹ Er musste mich für einen absoluten Trottel halten!

Damit reihte er sich in eine endlose Schlange von Mitarbeitern des Herstellers ein, die mich am liebsten ausstopfen und als Unikum in das werkseigene schicke Auslieferungszentrum stecken würden  – weil ich, wenn Inspektionen anstanden, grundsätzlich auf die Frage, was für ein Modell ich denn führe, antworte: »So ein Fünftürer mit Ladefläche hinten«. Regelmäßig folgten meinen Antworten dann etwas längere Pausen, in denen meine Gegenüber zunächst ihren langsam nach unten gekippten Unterkiefer wieder in die gewohnte lächelnde Stellung brachten und ihre Fassung in Würde wiederzugewinnen trachteten, um mir dann die verständnisvolle Milde zukommen lassen zu können, die man für geistig Behinderte im Repertoire hatte.

»Na gut – der kleine oder der große?«
»Der große. Glaube ich!« war dann immer meine Antwort.
»Aha! Also ein Cinq Tour
»Wenn sie meinen!«

Es tut mir ja aufrichtig leid! Aber ein Auto ist für mich eben ein Auto: ein Gebrauchsgegenstand, ein Fortbewegungsmittel. Und kein Phallusersatz, an dem man sich dann aufgeilt: »Ich habe den größten!«

Schön, wenn es bequem ist. Muss aber nicht unbedingt extrem komfortabel sein: Ich fahre in der Regel nur kurze Strecken, längere überwinde ich mit anderen Transportmitteln. Bevorzugt mit denen, die sich in die dritte Dimension erheben können. Und das ganze Schnickschnack, dass da einem für viel Geld aufgedrängt wird, brauche ich nicht, denn ich habe noch Autofahren gelernt, als man als Ergebnis des Lernens autofahren konnte. Weit im letzten Jahrtausend war das, als die Fahrlehrer noch Wissen und Können vermittelten.

Und weil das so ist, fahre ich auch nicht durch die Waschanlage, bevor ich das Auto zur Werkstatt bringe. Und es kann vorkommen, dass auf der Rückbank etwas liegt. Was mir dann immer vorwurfsvolle Blicke einbringt, die nonverbal die Abscheu ausdrücken sollen, die man empfindet, wenn man ein derart misshandeltes Schmuckstück erblickt. Und den unübersehbaren Hinweis auf der Rechnung, dass das Auto kulanterweise von der Niederlassung gewaschen worden war. Ja, Autos dieses Herstellers sind eben keine Autos. Es sind Edelsteine, die entsprechend behandelt werden wollen.

Die Reparatur

Doch zurück zu meinem Kuper-S. Meine akustischen Sensoren vernahmen keine Schallwellen, die den bedauernden Blick des mobilen Service-Engels begleiteten, als er mein Unvermögen zur Kenntnis nahm, sich wie ein anständiger Mann zu verhalten! Er ging ans Heck.
»Ja, ein „S“. Dann weiß ich, was los ist.« Ich beschloss, das nächste Mal erst eine Schulung über mich ergehen zu lassen, wenn ich einen Mietwagen nahm. Man konnte ja nie wissen, wozu man das braucht.

Der Typ war keine 30 Sekunden vor Ort, hatte das Auto gerade einmal aus den Augenwinkeln wahrnehmen können. Und trotzdem wollte er wissen, wo das Problem war? War der Genie oder der andere dämlich? Oder hatte ich nur keinen Durchblick?

Er nahm mir die Autoschlüssel aus den Händen, öffnete die Fahrertür, setzte sich halb auf den Fahrersitz und versuchte, das Auto zu starten. So, wie ich am Abend zuvor dutzende Male. Es klappte, natürlich, nicht. Trotzdem war ich insgeheim erleichtert: Sein Kollege hatte durchaus Selbstzweifel in mir erzeugt, ob ich mich nicht doch zu den DAUs rechnen musste …

Ich überlegte, ob ich ihm den Tipp geben sollte, die Kupplung beim Anlassen zu treten. Wegen des Mikroschalters, und weil man Motoren mit getretener Kupplung anlässt. Ich unterließ es jedoch, weil ich zunächst nicht den Eindruck erwecken wollte, einem Profi sein Geschäft erklären zu wollen. Später wäre ja noch Gelegenheit genug, mein neu erworbenes Expertenwissen an den Mann zu bringen;  wenn nicht klappte, was er offenbar vorhatte.

Er betätigte den Öffner für die Motorhaube, stieg aus und ging an seine rollende Werkstatt. Dort entnahm er der schick und praktisch eingebauten Werkzeugkiste einen Schraubenzieher, öffnete die Motorklappe und begann, zunächst den Behälter für die Bremsflüssigkeit abzuschrauben und danach noch ein paar im Wege stehende Teile, von denen ich nicht wusste, was es war und was sie sollten. Vermutlich die Servomotoren für die Hydraulik des Zigarettenanzünders. Danach hatte er sich offenbar so viel Platz verschafft, dass er sich so weit in den Motorraum lehnen konnte, dahin kommen zu können, wohin er wollte.

»Wissen sie, das ist ein bekanntes Problem bei diesem Fahrzeugtypen.« Er fühlte sich gemüßigt, mir zu erklären, was er wusste! »Im Motorblock ist ein Temperaturfühler verbaut, der der Steuerelektronik die Temperatur des Motors mitteilt.«
»Aha!«
»Und wenn der defekt ist, denkt die Elektronik, der Motor sei glühend heiß.«
»Verständlich!«
»Und dann verweigert sie, den Motor zu starten.«
»Nachvollziehbar.«
»Eben!«
»Und nun? Haben sie so ein Teil dabei?«
»Nein! Aber es geht trotzdem.«
»Ach, und wie?«
»Indem ich den Fühler einfach abklemme.«
»Und dann?«
»Dann stellt die Elektronik fest, dass kein Fühler da ist, und nimmt einfach Standardwerte an.«
»In diesem Fall für die Motortemperatur.«
»Ja, genau!«
»Und geht davon aus, dass alles in Ordnung ist.«
»Ja!«
»Und erlaubt das Starten.«
»Ja!«

Praktisch! Inzwischen hatte er den Fühler abgeklemmt, Servomotor und Bremsflüssigkeitsbehälter wieder angeschraubt und sein Werkzeug verstaut. Im Bewusstsein, das Problem damit gelöst zu haben, stieg er wieder halb auf den Fahrerersitz. Seine Miene strahlte bereits triumphierend, bevor er überhaupt probiert hatte, ob es klappte. Mit Recht: Es klappte!

»Sagen sie – ein defekter Temperaturfühler. Bei einem Auto, das 8088 km gelaufen ist.« Ich hatte mich noch gefragt, ob ich die fehlenden 800 km bis zur nächsten Schnapszahl fahren würde. Daher wusste ich so genau, wie neu das Auto war.
»Wie gesagt – ein bekannter Fehler!«. Er grinste mich an, als sei das alles die natürlichste Sache der Welt. Ich wollte nicht weiter fragen. Denn der Grund, warum mein eigenes Auto wieder einmal in der nicht mobilen Werkstatt des gleichen Herstellers war, war auch ein Motordefekt. Nach 30.000 Kilometern. Leistungsabfall, wie mir der Bordcomputer mitgeteilt hatte! Ich hatte nach dem eben erlebten den starken Eindruck, da wird auch nur ein Messfühler abgeklemmt werden müssen, und schon läuft er wieder!
»Gewusst, wie!« Das Ganze hatte zwei Minuten gedauert, das danach folgende Ausfüllen des Tätigkeitsnachweises samt Unterschrift von mir dauerte zehn!

Ich überlegte, ob ich ihn noch fragen sollte, warum sich das Auto trotz nicht gedrückter Kupplung starten ließ – Mikroschalter und so! Ich unterließ es aber, denn ich wollte nicht noch mehr den Eindruck verstärken, von der Materie aber auch so etwas von gar keine Ahnung zu haben, wie er ihn sowieso schon von mir gewonnen haben musste. Und so erklärte ich mir das laienhaft dadurch, dass ich annahm, dass ein Leidensgenosse vor mir ein ähnliches Problem mit dem Wagen gehabt hatte und der daraufhin geholte mobile Werkstattdienst kurzerhand den Mikroschalter am Kupplungspedal abgeklemmt hatte. Die Elektronik hat ja vermutlich auch für diese Fälle einen Standardwert. Und der heißt: Mikroschalter gedrückt. Ich beschloss, mir diese Reparaturmethode zu merken. Falls mir das nächste Mal der Sprit ausgeht, klemme ich einfach den Geber am Tank ab. Die Elektronik denkt dann, der Tank ist voll, und weiter geht’s. Doch, technischer Fortschritt hat auch seine Vorteile.

Geplante Obsoleszenz?

Als Laie fragt man sich dann nur: Warum verbaut man Teile, wenn man sie anschließend abklemmt – und es ohne sie nicht nur auch, sondern sogar zuverlässiger geht? Aber wie gesagt: Das fragt man sich nur als absoluter Laie! Schließlich müssen die oben bereits angesprochenen Preisunterschiede zwischen Edelkarossen und Japanimporten ja irgendwo herkommen.

Mir fiel die Story ein, die man sich von der NASA erzählt. So hatte die NASA in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Forschungsteam beauftragt, für mehrere Millionen Dollar ein Schreibgerät zu entwickeln, das auch im All tat. Normale Kugelschreiber können das nicht, da die Tinte aufgrund fehlender Schwerkraft einfach nicht nachläuft und der Kuli dann trockenläuft. Das gleiche Problem, warum sie nicht lange über Kopf schreiben können – bzw. lange konnten, denn heute helfen Kapillarkräfte. Und weil man gerade so schön beim Forschen war, sollte das Ding nicht nur im All, sondern auch unter Wasser schreiben – da Astronauten ihren Job ja unter Wasser lernen und üben – wegen der Schwerkraft.

Gesagt, getan! Heraus kamen die Kulis, deren Minen mit einer Gaspatrone ausgestattet waren, die dafür sorgte, dass immer Tinte an die Kugel gelangte. Sie kennen die Dinger vielleicht noch – sündhaft teuer und im Alltag ohne jeden Vorteil.
Das Problem dabei war, dass sich schnell herausstellte, dass das System weder für das All noch für Unterwasser richtig taugte – zuverlässig war es nicht. Und so besannen sich die NASA-Ingenieure auf die „fall back position“, die vorbereitete Lösung, falls es Probleme geben sollte. Und die hieß: Bleistift. Man sagt, dass die Russen hinter vorgehaltener Hand gegrinst haben sollen, als die das hörten. War doch diese fall back position die Lösung, die sie in ihrer Raumfahrt immer favorisiert hatten …

Plötzlich wurde ich aus meinen gemeinen, in Schadenfreude schwelgenden Gedanken herausgerissen: Der Ventilator der Kühlung sprang an und lief auf Hochtouren – trotz abgeschalteter Zündung.
»Oouuppps!«
»Keine Sorge!«, beruhigte mich B. M.-W. »Die Elektronik kühlt vorsichtshalber, weil sie ja nicht weiß, ob der Motor tatsächlich glüht!«
»Aha. Und – wie lange?«
»Na ja, da gibt es auch einen Standardwert, der gilt, wenn der Fühler keinen Messwert liefert.«
»Aha. Und wenn vorher die Batterie leer ist?«
»Dann muss ich wieder kommen!« Das war ernst gemeint, nicht etwa ironisch!
»Und sie meinen, jetzt ist der Fehler behoben?«
»Aber ja. Vertrauen sie mir. Ansonsten – sie kennen ja die Rufnummer.« Sprang in seinen Kleiderschrank und verschwand winkend.

Merkwürdig – ich hatte plötzlich keine Lust mehr, mit dem Leihwagen zu fahren. Und so veranlasste ich die Leihwagenfirma, das Auto bei mir abzuholen. Auf das freundliche Angebot, einen Leihwagen für den Leihwagen zu nehmen, verzichtete ich lieber. Ich hatte Sorge, zu noch weiteren neuen Erkenntnissen zu kommen, die mein Weltbild vollends hätten zerstören können. Wohlmöglich könnten die dazu führen, dass ich entweder gar nicht mehr Auto fahre oder in der Klapse lande. Nein, manchmal ist es besser, nicht Bescheid zu wissen und im kindlichen Glauben zu bleiben, es ginge alles mit rechten Dingen zu …

Ach ja: Seit kurzem habe ich das Car-Sharing-Konzept für mich entdeckt. Ich weiß auch nicht, warum…

 

Foto: © DG  / pixelio.de

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