Gesellschaft

USA – quo vadis?

23. November 2015

Ich bin entsetzt!

Ich bin verunsichert! Wohin geht die Reise?

Ich frage mich: Ist das noch das Land, das uns in den 40er Jahren geholfen hat, den Nationalsozialismus zu überwinden, uns von einem geisteskranken Diktatoren zu befreien, uns in die Gemeinschaft der Demokraten, der „westlichen Welt“ zu integrieren?

Was ist nach John F. Kennedy schief gelaufen in diesem Land?

Die Amerikaner berufen sich auf ihre Werte, die da heißen: Rechtsstaat, Freiheit, Gleichheit. Das Große Siegel der Vereinigten Staaten von Amerika weist ein Motto aus: „E Pluribus Unum“ – zu deutsch: „Aus Vielen Eines“. Galt dieses Motto im 18. und angehenden 19. Jh. im Sinne von „aus vielen unterschiedlichen Staaten einer“, hatte sich in neuerer Zeit die Bedeutung geändert in „out of many peoples, races, religions, languages, and ancestries has emerged a single people and nation“. Bis das Land dann seine tiefe Religiosität entdeckte und zum offiziellen Wahlspruch „In God We Trust“ erhob – am Siegel und dessen Motto änderte sich nichts.

Ich bin den USA und den Amerikanern dankbar. Dass sie in den zweiten Weltkrieg eingegriffen haben. Ich bin den USA und den Amerikanern dankbar. Dass sie entgegen sehr bedeutender Stimmen im In- und europäischen Ausland Deutschland nicht zu einem Agrarstaat gemacht sondern uns auch wirtschaftlich geholfen haben, wieder auf die Beine zu kommen. Nicht jeder in Europa, damals, wollte das! Ich bin den USA und den Amerikanern dankbar, dass sie die Blockade von Berlin gebrochen und Westberlin so vor dem Zugriff der damaligen Sowjetunion gerettet haben. Und ich bin ihnen dankbar, dass sie 1989/90 an der deutschen Seite standen, als es um die Wiedervereinigung ging. Und, anders als einige europäische Länder, die sich „Partner“ nennen, eine Wiedervereinigung in Eigenverantwortung unterstützten. Getragen von Werten wie Freiheit und Gleichheit.

Meine Dankbarkeit wird sich auch niemals ändern!

Aber ich muss feststellen, dass ich zunehmend auf Distanz zu unseren Partnern jenseits des Atlantik gehen muss. Denn: die Amerikaner berufen sich auf ihre Werte, die da heißen: Rechtsstaat, Freiheit, Gleichheit. Nur – für wen? Die weiße Rasse?

Ich hatte/habe schon Probleme, wie die USA mit Themen wie Freier Meinungsäußerung umgehen. Was sich in den Hasstiraden der Naziszene dort, den unerträglichen verbalen Stuhlgängen von Hasspredigern oder den nicht nachvollziehbaren Ergüssen religiöser und pseudoreligiöser Institutionen und deren Auswirkungen auf die eigene Gesellschaft, aber auch die anderer Länder zeigt.

Ich bekam weitere, massivere Probleme, als der große Stratege George W. von Münchhausen begann, den Nahen Osten zu „demokratisieren“ – und damit das erreichte, wovor alle Welt seit Jahrzehnten Angst hatte: Eine Destabilisierung eben dieser Region. Dank dem Großen George haben wir heute ein Problem, gegen das alles, was zuvor dort ein Problem gewesen war, ein Klacks ist: Nun haben wir ihn, den weltweiten Terror, in nie dagewesener Qualität. Mit Opferzahlen, die 9/11 weit in den Schatten stellen. Mit Genozid, z. B. an den Jesiden, der einen Vergleich mit dem des Naziregimes nicht scheuen braucht. Und mit verheerenden Konsequenzen auf ein Europa, das nach einer Identitätskrise mit griechischen Auslöser gerade begann, etwas enger zu einander zu finden. Danke, Geroge W! Auch der Rechtsruck der Polen und ihr aufkeimender Rassismus geht auf Dich!

Und ich bekam Probleme, als sich zeigte, dass sein Nachfolger nicht wirklich am Kurs der USA etwas änderte – entweder, weil er entgegen seinen Ankündigungen nicht wollte, oder nicht konnte; was schlimm genug wäre. Und so brechen die USA mit Guantanamo Bay auch heute noch alles, was sie vorgeben, schützen zu wollen: Rechtsstaat, Freiheit, Gleichheit.
Das einzige, was man bemerken konnte, war, dass die USA nun etwas weniger extrovertiert ihre Interessen an den Fronten weit weg vom eigenen Territorium vertraten. Sie mutierten vom heldenhaften Captain America zum wild um sich schießenden Lonesome Cowboy mit Joystick-Kriegsführung.

Aber jetzt habe ich ein dickes Problem! Die Republikaner, allen voran die rechtspopulistische Tea Party Bewegung, waren mir immer schon ein Dorn im Auge. Aber was sich da einer der Präsidentschaftskandidaten, Donald Trump, vor ein paar Tagen erlaubt hat, ist unerträglich und nicht mehr hinnehmbar.

Ich mische mich nicht gerne in fremde Angelegenheiten ein. Und so lasse ich die Amerikaner gerne selbst entscheiden, wen sie als Regierungschef wünschen – auch ich würde mir verbitten, von dort Nachhilfe zu bekommen, wenn es um unseren Bundeskanzler geht.

Aber hier geht es um mehr. Hier geht es um eine Nation, die – ich lasse jetzt einmal die schwülstige Formulierung von Vorbild, Führungsnation, einzig verbliebene Weltmacht beiseite – einen Einfluss auf diese globale Welt hat wie keine andere. Und weil der Einfluss der USA auch auf mein Leben in Europa einen dramatischen Einfluss hat, ist die Wahl des amerikanischen Präsidenten nicht mehr (alleine) Sache der Amerikaner! Spätestens nicht mehr seit George W.

Und daher nehme ich mir als dankbarer, aber auch als kritischer Freund das Recht heraus, zu fordern: Liebe Mitmenschen jenseits des Atlantik – schickt Donald Trump in die Wüste! Wer sich Äußerungen erlaubt wie er, darf nicht einmal in die Nähe einer Nominierung zur Präsidentschaftswahl kommen. Dieser Mann ist Garant für Unfrieden und Hass in der Welt!

Donald Trump sind wohl seine deutschen Wurzeln, seine Großeltern stammen aus der Pfalz, nicht gut bekommen. Er geriert sich wie ein typisches Mitglied nationalsozialistischer Herrenmenschen. Die Welt: „Der derzeitige Spitzenreiter im Feld der republikanischen Präsidentschaftsbewerber, Donald Trump, will Muslime in den USA in einer eigenen Datenbasis erfassen. »Ich würde das mit Sicherheit implementieren«, erklärte Trump am Donnerstagabend im Fernsehsender NBC. Alle Muslime sollten verpflichtet sein, sich in einer solchen Datenbank zu registrieren. Dies sei auf jeden Fall machbar, wenn die USA ordentlich gemanagt würden. Trump lehnte es allerdings ab, die Frage zu beantworten, welche Konsequenzen es hätte, wenn ein Amerikaner muslimischen Glaubens sich nicht registrieren lassen würde.“

Schlimmer noch: Er fordert, dass Muslims künftig spezielle Ausweise mit sich führen müssten, anhand derer man ihren Glauben feststellen könnte; so zumindest CNN.

War da nicht etwas gewesen?

„Eine „allgemeine äußerliche Kennzeichnung für Juden“ wurde im Mai 1938 in einer von Joseph Goebbels angeregten Denkschrift vorgeschlagen, jedoch verworfen: Noch überwogen die Bedenken hinsichtlich einer eventuell negativen außenpolitischen Wirkung.“, so Wikipedia. Aber wir kennen den Ausgang: „Am 1. September 1941 verpflichtete die Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden (RGBl I, S. 547) fast alle Personen im Deutschen Reich, die nach den Nürnberger Gesetzen als Juden einschließlich der Geltungsjuden definiert waren, vom vollendeten sechsten Lebensjahr an einen gelben Judenstern „sichtbar auf der linken Brustseite des Kleidungsstückes in Herznähe fest aufgenäht zu tragen“.“

Ich bin sicher: Hätte es damals schon Datenbanken im heutigen Sinne gegeben, es hätte sehr früh eine Judendatenbank gegeben. Denn Deutschland war damals „ordentlich gemanagt“. Und damals hätte man eine Antwort auf die Frage nach den Konsequenzen gehabt, die Donald Trump in einem lichten Moment unbeantwortet gelassen hat: KZ.

Amerika: Wohin geht’s Du?

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