Vegetarismus

Die Lust am Schmerz – Teil 1

18. August 2014

To whom it may concern…

Ein kleiner Informationsblock (oder –blog) für meine militanten vegetarischen und veganen Mitmenschen, die uns Karnivoren (Fleisch[fr]essern), besser: Alles(fr)esser oder Omnivoren gerne missionieren wollen – zumindest uns das Fleischessen vermiesen. Alle anderen, die mir meine Lebensphilosophie lassen wollen, niemand Anderem ihre aufzudrängen gedenken und nur ihrer eigenen folgen, brauchen nicht weiterlesen! Ich akzeptiere und lasse ihnen ihre unkommentiert, ohne missionieren zu wollen.

Ich beschränke mich auch im Folgenden auf die Vegetarier. Denn das Verhältnis von Vegetarier zu Veganer scheint mir ein ähnliches zu sein wie das von Triathleten zu Ironman-Triathleten: Einige Nummern übertriebener, ansonsten gleich. Ein Veganer ist quasi ein Vegetarier XXXL. Es reicht also, sich mit Vegetariern auseinanderzusetzen. Für Veganer gilt dann das Gesagte in Größe XXXL…

Zu welchem Nahrungstypen gehört der Mensch wissenschaftlich?

Es ist absoluter Quatsch, dass der Mensch dazu geboren sei, vegetarisch zu leben, wie man häufig hört, oft auch mit Hinweis auf unsere sich teilweise rein oder zumindest überwiegend pflanzlich ernährenden Vettern, die Affen und Primaten. Dagegen spricht schon allein sein Gebiss: Ähneln die Backenzähne noch denen eines Herbivoren (Pflanzenfressers), ist der vordere Teil mit Reiß-(Eck-) und Schneidezähnen der eines typischen Karnivoren. Solche Gebisse haben Omnivoren. Wer mich kennt, kennt auch meine Liebe zu Erklärungen, die die Evolution berücksichtigen: Welche Zähne bekommt ein Baby zuerst? Die des Raubtiers Mensch: die Schneidezähne! Denn für Milch braucht man keine Zähne, und so scheint evolutionsbiologisch tierische Kost die erste gewesen zu sein, die Baby bekam. Reißen musste es sie noch nicht selbst, daher auch (noch) keine Reißzähne…

Herbivoren haben darüber hinaus ein Verdauungssystem mit bis zu vier Vor-Mägen, in denen Bakterien und Pilze den für Fleisch- und Mischfresser wie uns nicht nutzbaren Teil pflanzlicher Quellen, der überwiegend aus unverdaulicher Zellulose besteht, erst aufschließen. Was bedeutet, die Zellulose in Einfachzucker abbauen, die dann vom Körper aufgenommen und verwertet werden können. Alle Lebewesen, die diese Voraussetzungen nicht besitzen, und Menschen besitzen sie nicht, sind nicht in der Lage und von der Natur nicht dafür vorgesehen, „vegetarisch“, also „von Pflanzen“ zu leben; und daher per definitionem keine Pflanzenfresser, auch wenn sie einzelne Teile von Pflanzen durchaus verwerten können. Wer vor diesem Hintergrund vegetarisch lebt, betrügt sich also selbst – sofern er selbst an das glaubt, was er so sagt! Aber das tun eh’ die wenigsten: die militanten. Und die vermutlich auch nicht wirklich. Die anderen schwimmen nur mit, weil sie glauben, einen Zeitgeist zu treffen…

Pflanzen dienen Allesfressern hauptsächlich als Lieferant von „Ballaststoffen“ (de.wikipedia.org/wiki/Ballaststoff), so die Bezeichnung solcher durch uns nicht nutzbarer Pflanzenbestandteile wie Blätter (Salat!) oder Stengel; Ballaststoffe für die Peristaltik des Darms und damit als Garant einer besseren Durchmischung und Resorption der begleitenden Nahrung – die dann eben nicht pflanzlich ist oder sein muss. Andere Tiere wie Vögel, z.B. Hühner, picken dazu gerne auch einmal kleine Steinchen oder andere nicht verdaubare Dinge auf.

Ferner dienen sie der Versorgung mit essentiellen Verbindungen wie Vitaminen, die tierische Körper nicht herstellen können. Über den Umweg der Bakterien, die von eben dieser unverdaulichen Zellulose im Darm leben – so verdammt viele sind das mengenmäßig aber nicht, dass sich vegetarische Lebensweise damit begründen lässt; und über den räuberischen Verzehr z.B. von Pflanzenfressern kommen die von denen auf gleichem Wege aufgenommenen bakteriell hergestellten Vitamine auch in unseren Körper. Und so fressen zwar auch reine Fleischfresser, wie z.B. Hunde, gerne auch einmal etwas Vegetarisches wie Gras, wenn sie gesund sind und man sie lässt. Müssen aber nicht.

Für uns nutzbare Pflanzenteile wie Früchte oder Knollen (Kartoffeln) oder Samen (Getreide, Nüsse) sind ergänzende Quellen, nicht primäre – der normale Stoffwechsel von Omnivoren ist exakt auf diese Mischkost abgestimmt. So deckt Fleisch normalerweise den Fett- und Proteinbedarf des Menschen, Pflanzen den Kohlenhydratbedarf. Vitamine und Spurenelemente kommen aus beiden Quellen. Und das seit Hunderttausenden von Jahren. Das steht auch nicht im Widerspruch dazu, dass man sich, auch als Omnivore, rein pflanzlich ernähren kann, weil alle Grundbausteine des Lebens – Fette und Eiweiße – auch in Pflanzen vorkommen.

Vegetarismus – Die gesunde Art, sich zu ernähren?

Viele glauben, sich vegetarisch zu ernähren, sei gesünder. Das ist Käse! Wenn man einmal genauer prüft, was wahr ist und was nicht, gibt es absolut keinen wissenschaftlichen Grund, auf tierische Kost zu verzichten oder pflanzliche überwiegen zu lassen. Geschweige denn, sie vorzuziehen und zur alleinigen Quelle zu machen.

Das beginnt bei den Ölen und Fetten! Und endet auch hier, denn Soja hat tierischen Proteinen gegenüber keinen Vorteil, da dieses wie jene vor der Resorption durch den Darm in ihre Bestandteile, die Aminosäuren, zerlegt werden muss. Analoges gilt für die pflanzlichen Kohlenhydrate, die erst nach Spaltung in die Einfachzucker aufgenommen werden können. (Was ja das Problem der Zellulose bei Nicht-Pflanzenfressern ist). Die jeweiligen Bausteine, Einfachzucker und Aminosäuren, sind aber in Pflanze und Tier die gleichen und unterscheiden sich in keiner Weise!

Die viel diskutierten Omega-3-Fettsäuren sind ein Marketinggag, der auf voreiliger Verbreitung vermeintlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Öffentlichkeit basiert, seit vielen Jahren nicht aus der Welt zu schaffen ist und seither von der einschlägigen Industrie befeuert wird. Man schaue sich einmal die Trefferzahl bei Google an, wenn nur „Omega 3“ eingegeben wird: Ich fand kürzlich über 49 Millionen Treffer: So viele Leute haben etwas dazu zu sagen. Allerdings immer das Gleiche, weil sie von einander abschreiben. Auch die Fehler und Missverständnisse. Und wenn man dann blättert, findet man mit Ausnahme von zwei Hits, Wikipedia und Stiftung Warentest, ausschließlich Links zu Stellen, die ein eigenes Interesse am Verkauf von Omega-3-Fettsäuren haben. Sollte nicht allein das schon stutzig machen?

Omega 3: Tierischer Frost- und pflanzlicher Sonnenschutz

Nicht nur, dass nur eine von drei Omega-3-Fettsäuren – Linolensäure, EPA und DHA – essentiell ist und daher per Nahrung aufgenommen werden muss – die Linolensäure, denn EPA und DHA stellt der Körper in ausreichender Menge selbst aus Linolensäure her –; diese scheinen auch in größeren Mengen eher schädlich zu sein und ggf. sogar genau das zu tun, was sie verhindern sollen: gesundheitliche Probleme provozieren. EPA und DHA kommen deshalb in allen Lebewesen nur in Spuren vor, die dem eigentlichen Zweck dienen: Wirkung als Signalsubstanz ähnlich der von Hormonen. In den maritimen Lebewesen kommen sie zwar in großen Mengen vor; aber nur, weil sie aufgrund ihres sehr niedrigen Schmelzpunktes, unter -45°C, dort die Funktion eines Frostschutzmittels haben. Und so kommen EPA und DHA auch nur in Seefischen vor, die sich in kalten Gewässern aufhalten (können) – mit umso größerem Gehalt, je kälter es werden kann (Krill: Arktis).

Und der z.T. stark erhöhte Linolensäuregehalt einiger weniger Pflanzen liegt daran, dass diese ursprünglich aus Gegenden mit hoher Sonneneinstrahlung stammen – Linolensäure, die sich durch Sonnenlicht und Sauerstoff leicht oxidieren lässt,  ist eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor XXL für die entsprechenden Pflanzen: Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen hat »die Natur […] die mehrfach ungesättigten Fettsäuren als Sonnenschutz für Pflanzen entwickelt. Sie sitzen ganz außen in den Zellmembranen und reagieren sehr feinfühlig, äußerst empfindlich«. Und weiter: »Kommt das Öl oder das Pflanzenfett an die Luft, sind die ungesättigten Fettsäuren die ersten Stoffe, die ranzig werden und freie Radikale bilden.« Gerhard Spiteller, Fachkollege (Biochemiker) und Emeritus der Universität Bayreuth. Dies ist seit Anfang der 80er Jahre bekannt, und hätte sich spätestens seit Juni 2010 auch in der Öffentlichkeit herumgesprochen haben können (welt.de/gesundheit/article7858700/Omega-3-Fette-nicht-gesuender-als-Schweineschmalz.html).

Wenn man das alles berücksichtigt, gibt es zwischen Fetten und Ölen pflanzlicher, tierischer oder maritimer Herkunft keinen, wirklich gar keinen Unterschied. Wer genaueres dazu wissen will, sollte sich mein Buch vormerken, das ich gerade vorbereite, und in dem ich das Schritt für Schritt aufzeige und begründe.

Analoges gilt für die Omega-6-Fettsäuren. Es ist nur eine essentiell, die Linolsäure. Die kommt zwar in allen pflanzlichen Quellen in deutlich höherer Konzentration vor als in tierischen Fetten; jedoch sind die ca. 10%, die in Schweine- und Gänseschmalz enthalten sind, mehr als genug, um den menschlichen Bedarf um ein Mehrfaches zu überschreiten – die ca. 5% in Butter, Rindertalg und Olivenöl reichen allemal. Es müssen also nicht Öle wie Sonnenblumen- oder Traubenkernöl mit sehr hohen Konzentrationen an dieser Fettsäure sein.

Der ganze Hype um die Omega-Fettsäuren und der neueste Schrei Krillöl dienen also nur dazu, Ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Sie kaufen damit im Prinzip nur tierischen Frost- und pflanzlichen Sonnenschutz, ohne davon etwas zu haben außer vermehrten gesundheitlichen Problemen.

Was bleibt dann an Vorteilen pflanzlicher Ernährung? Nichts: Schweineschmalz ist genauso gut wie Olivenöl und hat weder Vor- noch Nachteile. Ich benutze beides: Das Schnitzel schmeckt mir besser in Schmalz ausgebacken, für Dressings verwende ich lieber Olivenöl. Der Gehalt an unterschiedlichen Fettsäuren ist sehr ähnlich; im Hinblick auf die Omega-3-Fettsäure Linolensäure, falls man sich vom Irrglauben nicht abbringen lassen will, liegt das Schmalz sogar vorne: Mit 1,7% fast doppelt so gehaltvoll wie das als so gesund geltende Olivenöl…

Omega 3: Paradebeispiel der Macht der Werbung

Wie konnte dieses, bezeichnen wir es wohlwollend, Missverständnis entstehen? Wieso können auch Jahrzehnte nach wissenschaftlichen Erkenntnissen solche Märchen für wahr genommen werden?

Ausgehend von den weltweit überdurchschnittlich alt werdenden Japanern und deren Ernährungsgewohnheiten haben „Ernährungswissenschaftler“ sehr früh angenommen, dass der vergleichsweise hohe Anteil von Fischen in der traditionellen Nahrung eine Rolle spielen könnte. Das war die Zeit, in der Kinder mit Lebertran bis zum Umfallen malträtiert wurden – auch ich! Und dann ist man dieser Theorie nachgegangen – und hat in Analysen festgestellt, dass in Fischen viele ungesättigte, die Omega-3-Fettsäuren, enthalten sind, die anderswo nicht oder in erheblich geringerer Konzentration vorlagen. Und so war schnell „klar“, dass diese der Grund für das lange Leben der Japaner sein mussten – denn sehr viel anderes, was Wasser- und Landgetier nahrungstechnisch voneinander unterschied, fand man nicht!

Die Pflanzenliebhaber nahmen diese Idee gerne auf, da diese Omega-3-Fettsäuren auch in vielen Pflanzen vorhanden sind. Passte gut in die Missionsstrategie. Dass auch Tiere sie enthalten, Pferdemett enthält mit 30% mehr Linolensäure als die meisten Pflanzenöle, hielt man geflissentlich zurück: Wer argumentiert schon gerne gegen seine eigene Überzeugung oder nutzt Informationen, die eigene Argumente widerlegen?

Und nun begann man, jede Menge Studien anzufertigen, die alles Mögliche nachweisen sollten: Positive Effekte auf Herz-Kreislauf, Hirn, usw. Leider waren diese Studien nicht wirklich erfolgreich: jeder Studie, die etwas nachzuweisen schien, stand mindestens eine entgegen, die das Gegenteil ergab. Kurz: mittelalterlicher Aberglaube hielt Einzug in die Erkenntnisse zu den Omega-3-Fettsäuren. Es entwickelten sich zwei Lager: Die, die nicht an positive Effekte glaubten; und als Querulanten und Verweigerer Spießruten laufen mussten. Und die, die nicht vom Glauben abfielen, selbst im Bewusstsein, dass ihre Theorie nicht untermauert ist; massiv gefördert durch die einschlägige Industrie, die ein großes Interesse daran hatte und immer noch hat.

In den 1980ern folgt man dann einer anderen Fährte – Omega-3 ist seitdem wissenschaftlich tot: Es seien die F-Säuren, die in Fischen in kleinsten Spuren zu finden sind; so kleinen, dass man sie zuvor einfach übersehen hatte. Diese „Furan-Fettsäuren“ finden sich auch nicht im Fisch selbst, weshalb man sie übersehen hatte, sondern im Leberfett der Fische, was bedeutet, dass sie über die Nahrungsaufnahme dorthin gekommen sind und sich dort angereichert haben müssen. Und so stellt sich als eigentliche Quelle noch nicht einmal der so gerne propagierte Seefisch wie Hering, Makrele, Lachs oder Thunfisch heraus, sondern die Algen, die diese zu sich nehmen. Algen isst der Japaner aber auch sehr gerne, wie jeder Sushi-Liebhaber weiß, weshalb diese Spur plausibel ist und erfolgversprechend sein konnte. Aber bis zur vollständigen Klärung blieb es eine Theorie!

Auch andere Pflanzen, nicht aber Tiere, können diese Furan-Fettsäuren herstellen. Der Grund für ihre Existenz ist, dass sie extrem leicht oxidiert werden können, besonders gut durch die gefährlichen Hydroxyl-Radikale, die in verschiedenen Stoffwechselprozessen entstehen können, z.B. bei der Oxidation von Omega-3-Fettsäuren(!). Damit wirken sie also als Antioxidatien, was vermutlich ihr Hauptzweck in den Pflanzen ist. Ferner werden sie auch durch Lichteinwirkung oxidiert und wirken somit auch protektiv gegen Schäden durch zu viel Licht, das bei Pflanzen – und Algen! – ebenfalls für Freie Radikale verantwortlich ist.

Und so findet man sie schließlich, wenn auch nur in geringster aber offenbar ausreichender Konzentration, auch in Lebewesen, die Pflanzen oder Pflanzenfresser (fr)essen. Heute geht man davon aus, dass es kaum ein Lebewesen gibt, in dem man diese Furan-Fettsäuren nicht findet, auch wenn es zur Synthese selbst nicht fähig ist.

Vegetarismus – Eine Lebensphilosophie von vielen

Wer sich also vegetarisch ernährt/ernähren will, ernährt sich erstens einseitig und folgt zweitens einer Lebensphilosophie, einer Weltanschauung – einem Glauben ähnlich einer Religion. Und wandelt damit auf einer anderen Ebene. War es früher die Sehnsucht nach indischen Erleuchtungen in Ashrams, pilgern Viele heute nach Vegetarien, um ihre Seele ins (vermeintliche) Gleichgewicht zu bringen. Das ist auch absolut OK und sollte von niemandem kommentiert oder gewertet, ja nicht einmal belächelt werden, da es jedermanns Sache ist, selbst darüber zu entscheiden, wie er ins seelische Gleichgewicht kommt oder darin bleibt. Denn auf dieses Gleichgewicht kommt es an, auf nichts sonst.

Sie sollten dann aber auch so fair sein und darauf verzichten, anderen deren „Glauben“, deren Lebensphilosophie, deren Weltanschauung zu nehmen, zu kommentieren oder zu werten. Und schon gleich gar nicht missionarisch tätig werden oder den anderen beschimpfen. Denn das wäre arrogant, weil es hieße, dass es unterschiedliche Qualitäten bei den verschiedenen Lebensphilosophien gäbe – eine gute, Vegetarismus, und ansonsten nur schlechte oder zumindest weniger gute. Wem aber steht es zu, darüber zu richten? Einem Vegetarier? Ist deren Lebensphilosophie die richtige, weil die eigene? Das wäre nicht mehr arrogant, das wäre egozentrisch. Und weil exakt das der Fall ist bei Vertretern, die gerne den Finger erheben und auf Steakliebhaber zeigen, kommentiere und werte ich nun doch – um einmal die Absolutheit ihrer arroganten Argumente aus der Diskussion zu holen!

Auch sollten sie aufhören, auf der wissenschaftlichen Ebene zu argumentieren – hier ziehen sie unweigerlich den Kürzeren, das kann ich als Naturwissenschaftler besser, und die Fakten sind auf meiner Seite!

 

© Foto BettinaF / pixelio.de

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